Software: Endlich frei

Kein Text!

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht
Von
  • Rafael Laguna

Illustration: Mone Beeck

"Ohne Bezahlung keine Ware" - auf der Grundlage dieses Prinzips hast sich seit den späten 1970er Jahren die Herstellung von Software zu einer eigenständigen Branche entwickelt. Allerdings hat dieses Prinzip fast zwingend auch zur Folge, dass Monopole entstehen - und dass der jeweils dominierende Anbieter in einem Bereich alles dafür tut, die innere Funktionsweise seiner Software vor Nutzern und Konkurrenten verborgen zu halten. Technisch wird das umgesetzt, indem der "Quellcode" der Software, also die von Programmierern lesbaren Befehle an die Computer-Hardware, nicht veröffentlicht wird.

Auf diese Weise konnte Microsoft, eines der ersten reinen Software-Unternehmen, seine Stellung von einem Betriebssystem zum nächsten und auf darauf aufbauende Anwendungssoftware erweitern. Einerseits haben Nutzer davon profitiert, weil sie zueinander passende, funktionierende Programme bekommen haben. Andererseits leiden sie darunter: Monopolisten können überhöhte Preise nehmen und die Qualität ihrer Produkte vernachlässigen - dies gilt umso mehr, wenn es wie bei Software in ihrer heute verbreiteten Form mit hohen Kosten verbunden ist, zu anderen Anbietern zu wechseln.

Vor diesem Hintergrund ist eine Gegenbewegung entstanden, deren Wurzeln ebenfalls bis in die 1980er Jahre zurückhalten: Open Source. Hier liegt das Grundprinzip darin, dass die Software nach Belieben weitergegeben werden kann - kommerziell zunächst einmal wenig reizvoll, aber passend zur Beobachtung, dass Kopien faktisch nichts kosten. Auch wird der Quellcode stets offengelegt, sodass die Nutzer sehen können, mit was sie da arbeiten und selbst Verbesserungen daran vornehmen können. Kurz gesagt: Open Source stellt die Regeln der Software-Branche auf den Kopf.

Trotz der fehlenden Lizenzeinnahmen hat diese Bewegung die Chance, sich dauerhaft als kommerzielle Konkurrenz der proprietären Anbieter zu etablieren - Geld lässt sich auch mit Service, Support, Wartung und Zertifizierungen oder mit Hardware verdienen. Wenn das gelingt, könnte die derzeit oft als mangelhaft empfundene Qualität von Software einen Sprung nach vorne machen: Statt ein Andocken anderer Anbieter möglichst zu verhindern arbeiten Open-Source-Unternehmen auf der Grundlage von offenen Standards mit Modulen, die frei wiederverwendet und für andere Zusammenhänge angepasst werden können. Unnötige Doppelarbeit wird so vermieden, und die Open-Source-Lizenzen stellen sicher, dass jeder, der nimmt, auch etwas zurückgeben muss.

Ein Vergleich mit der Auto-Industrie drängt sich auf: Hier bauen die Hersteller schon seit Jahrzehnten nicht mehr alles selbst, sondern arbeiten mit standardisierten Bauteilen und ganzen Komponenten von Zulieferern - von der einfachen Schraube bis zum kompletten ABS; sie selbst definieren nur die Anforderungen, treffen die Auswahl und leisten die Intergrationsarbeit. Statt weniger Monolithen, die wie die heutigen Software-Größen fast alles selbst machen, gibt es in der Auto-Branche Plattform-Marken, Modulmarken, Modulzulieferer und Serviceunternehmen. Bei Software könnte es ähnlich kommen.

(Zusammenfassung aus Technology Review Nr. 3/2005; das Heft mit dem vollständigen Artikel können Sie hier bestellen) (sma)