Schwerpunkt H-IT-ZE: Wie Sie Ihren PC gegen Überhitzung wappnen

Die erste Hitzewelle machte Deutschland bereits durch, weitere kündigen sich an. Wie Sie in heißen Zeiten Ihren PC schützen können, erklärt Ihnen heise online.

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Im Bestfall sieht ein Desktop-PC in etwa so aus – ohne große Staubansammlungen.

(Bild: c't)

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Steigen die Temperaturen von Prozessoren beziehungsweise Grafikchips zu stark an, verringern diese als Schutzmaßnahme die Taktfrequenzen oder schalten sich gar komplett ab. Eine verringerte Bildrate in 3D-Spielen, längere Ladezeiten in Anwendungen oder Black-Screens sind die Folge. Wie Sie mit moderatem Aufwand mögliche Probleme beheben oder solchen vorbeugen, zeigen wir im aktuellen Themenschwerpunkt H-IT-ZE auf.

Beim Desktop-PC fängt alles mit einem Blick ins Innere nach dem Öffnen des Seitenteils an: Wenn die Lüfter immer lauter zu werden scheinen, könnte sich Staub an den Rotorblättern oder zwischen den Lamellen der Kühlkörper abgelagert haben. Je mehr Staub sich im PC festsetzt, desto schwerer müssen die Kühler schuften. Beschleunigend wirkt dabei Zigarettenrauch: Er sorgt für eine Klebeschicht an den Geräten, die Staub magisch anzieht.

Worst Case: Im Lüfter hat sich so viel Dreck angesammelt, dass er kaum noch Luft bewegt.

(Bild: c't)

Schalten Sie zunächst den PC aus und nehmen ihn vom Stromnetz. Losen Staub können sie mit Hilfe eines Staubsaugers entfernen. Nutzen Sie eine niedrige Leistungsstufe und stülpen gegebenenfalls einen grobmaschigen Nylonstrumpf über die Saugdüse – so lassen sich etwa gelöste Schrauben abfangen.

Bevor Sie Komponenten ausbauen oder Steckverbindungen lösen, machen Sie sich Notizen und fotografieren den Ist-Zustand der Hardware. Dann finden Sie leichter den Weg zurück zum ursprünglichen Aufbau. Lüfterblätter halten Sie beim Aussaugen oder Auspusten vorsichtig fest, um Lager und Befestigungen zu schonen. Viele Gehäuse verwenden zudem Staubfilter in der Front und im Boden, die Sie regelmäßig reinigen sollten. Zum Entfernen von hartnäckigem Staub eignen sich Wattestäbchen.

Beim Prozessorkühler lassen sich Lüfter üblicherweise mittels Schraub- oder Klammerbefestigungen lösen. Versuchen Sie, die Kühlerlamellen möglichst sauber zu bekommen. Pusten und saugen bringen oft viel, zudem können Druckluft oder ein kleiner Blasebalg helfen. Achtung: Demontieren Sie den Prozessorkühler vom Mainboard nur, wenn Sie eine Tube ungenutzte Wärmeleitpaste daheim haben. Deren Austausch lohnt sich alle paar Jahre, da das Mittel über die Zeit eintrocknet und somit die Wärmeleitfähigkeit sinkt. Ohne Wärmeleitpaste gelangt die Prozessorabwärme nur unzureichend zum Kühler.

Beim Wechsel der Wärmeleitpaste genügt es, einen Klecks auf die Mitte des Prozessors aufzutragen. Durch den Anpressdruck des CPU-Kühlers wird die Paste verteilt. Entfernen Sie die alten Reste an Prozessor und Kühlerboden zuvor mit einem Papiertuch und bestenfalls Isopropanol.

(Bild: c't)

Bei der Grafikkarte gestaltet sich die Reinigung schwieriger. Befindet sich das Modell schon mehrere Jahre im Einsatz, lohnt es sich meistens, die Abdeckung samt Lüfter(n) abzuschrauben und alles gründlich zu säubern. Alternativ können Sie versuchen, von außen mit Druckluft oder Blasebalg bestmöglich an die Lamellen zu gelangen. Überdies lässt sich der komplette Kühler demontierten, um die Wärmeleitpaste auszutauschen. Dieser Schritt erfolgt jedoch auf eigene Gefahr und wird nicht bei allen Herstellern von der Garantie abgedeckt.

Schwerpunkt: H-IT-ZE

Viele Notebooks lassen sich öffnen, um Lüfter und dahinterliegende Kühlkörper im Inneren besser säubern zu können. Allerdings benötigt man dafür oft Spezialwerkzeug wie feine Torx-Schraubendreher. Möglicherweise finden Sie auf der Webseite des Herstellers eine Anleitung zum Öffnen, auch Seiten wie iFixit.com können helfen. Alternativ hilft eine Fachwerkstatt oder ein Repair-Café bei der Reinigung.

Wollen Sie das Notebook nicht auseinanderschrauben, können Sie Druckluftsprays von außen anwenden. Pusten Sie damit immer nur in kurzen Stößen auf das Abluftgitter des ungeöffneten Notebooks.

Oft sitzen Notebook-Lüfter so tief in den Geräten, dass sich diese kaum reinigen lassen, ohne die Unterseite zu öffnen. Hier im Bild befinden sich zwei Radiallüfter oben links mit darüber liegenden Kühlkörpern.

(Bild: c't)

Achtung: Einige Druckluftsprays enthalten statt Luft ein Butan-Propan-Mischung oder das Kältemittel Tetrafluorethan alias R134a, oft versetzt mit Dimethylether. Diese kühlen die Luft und wirken so bei längerem Sprühen auf die angeblasenen Bauteile wie ein Schockfroster. Außerdem können solche Sprays Wasserspuren im Gerät hinterlassen. Wenn Feuchtigkeitssensoren im Notebook darauf ansprechen, könnte der Hersteller eine Fehlbehandlung unterstellen.

Beim Notebook ist zudem der Einsatzort wichtig: Nur auf einem ebenen Untergrund können Lüfter an der Unterseite Frischluft ansaugen. Legt man das Gerät etwa auf den Schoß oder eine Decke, werden die Schlitze blockiert und die Hardware läuft heiß. Tipp: Nehmen Sie daheim ein Brett als Untersatz, wenn sie das Notebook auf dem Sofa oder im Bett einsetzen.

Wer etwas mehr Herumprobieren möchte, kann sich an sogenanntem Undervolting versuchen, um die Temperaturen nach unten zu drücken. Dabei reduziert man beim Prozessor beziehungsweise Grafikchip die zugeführte Spannung, sodass deren Verlustleistung sinkt. Häufig weisen CPUs und GPUs Toleranzen auf, die eine Spannungsreduzierung bei ähnlichen Taktfrequenzen zulassen – Nutzer erhöhen so durch Handoptimierung die Effizienz.

Mit Tools wie dem MSI Afterburner oder AMDs Treiberoberflächen für Radeon-Grafikkarten (Radeon Settings) und Ryzen-Prozessoren (Ryzen Master) können Sie die Spannung per Software einstellen. Ohne Zusatz-Software funktioniert das bei Prozessoren auch in den allermeisten UEFI-BIOS-Versionen.

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Alternativ können Sie über die gleichen Anlaufstellen die Powerlimits reduzieren. Damit begrenzen Mainboards beziehungsweise Grafikkarten die maximale Leistungsaufnahme, ohne die Spannungskurve zu ändern. Vorteil: Die Methode funktioniert schnell und erfordert keine Stabilitätstests. Nachteil: Die Leistung kann prinzipbedingt sinken.

(mma)