Sonne einkellern

Hersteller von Solaranlagen verkaufen erstmals Großbatterien für den Strom vom Dach. Die Speicher sind für Hausbesitzer jedoch ein Verlustgeschäft.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 10 Beiträge
Von
  • Manuel Berkel

Hersteller von Solaranlagen verkaufen erstmals Großbatterien für den Strom vom Dach. Die Speicher sind für Hausbesitzer jedoch ein Verlustgeschäft.

Das neueste Accessoire für den umweltbewussten Eigenheimbewohner ist quietschgelb und zwei mal zwei Wasserkästen groß. Es ist ein Akku im XXL-Format, er heißt SunPac und wird seit Anfang des Jahres vom Bonner Photovoltaik-Riesen Solarworld vertrieben. Die Hälfte seiner Kapazität von 6,9 Kilowattstunden reicht etwa für einmal Wäsche trocknen. Von solchen Stromspeichern können aber nicht nur die Besitzer profitieren. Indem die im Hauskeller aufgestellten Geräte überschüssigen Strom aus der Solaranlage auf dem Dach aufnehmen, sollen sie die Stromnetze entlasten und so den Bau zusätzlicher Leitungen teilweise überflüssig machen.

Leistungsfähige Akkus gelten als wichtiger Baustein eines klimaschonenden Energiesystems. Schwächeln Sonne und Wind, sichern bislang immer noch Gas- und Kohlekraftwerke die Versorgung. Mit umfassenden Speichersystemen könnten die Verbraucher auch Sonnenstrom zu jeder Tages- und Jahreszeit nutzen. In 20 Jahren werde es weltweit dreimal so viele Wasser-, Druckluft- und Batteriespeicher wie heute geben, schätzt die Boston Consulting Group.

Bei diesem Geschäft möchten auch die großen Solaranlagen-Hersteller mitmischen. Hilfe bekamen sie vom Gesetzgeber: Im Juli 2010 strich er zwar die teure Solarförderung zusammen, erhöhte aber den Bonus für den Eigenverbrauch des Sonnenstroms.

Die dahinter stehende Rechnung ist ziemlich kompliziert. Speist der Betreiber den Strom wie bisher ins Netz ein, erhält er derzeit laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine staatlich garantierte Vergütung von 28,74 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Verbraucht der Hausbesitzer einen Teil seiner Solarernte selbst, bekommt er für die ersten 30 Prozent des Stroms vom Staat nur noch 12,36 Cent pro kWh. Was der Hausbesitzer auf seinem Dach jedoch selbst erzeugt und verbraucht, muss er nicht von seinem Energieversorger einkaufen. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 20 Cent pro kWh kommt dieser Betrag also zu der staatlichen Vergütung hinzu, macht zusammen 32,36 Cent. Gegenüber den 28,74 Cent für ins Netz eingespeisten Strom ergibt sich ein Plus von etwa 3,6 Cent pro kWh, der sogenannte Eigenverbrauchsbonus.

Das allein wäre aber noch kein Anreiz, einen Akku aufzustellen. Denn rund 30 Prozent des selbst erzeugten Stroms verbrauchen Hausbesitzer ohnehin direkt vor Ort, erklärt Kathrin Büdenbender vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES). Um den Einbau von Speichern zu fördern und so den netzentlastenden Eigenverbrauchsanteil zu erhöhen, hat der Gesetzgeber deshalb einen zweiten Anreiz geschaffen: Gelingt es Hausbesitzern, mehr als 30 Prozent ihres Sonnenstroms selbst zu nutzen, erhalten sie eine höhere EEG-Vergütung. Für jede Kilowattstunde, die über die 30-Prozent-Grenze hinausgeht, erhöht sich der Bonus von 3,6 auf 8 Cent.

Fraglich ist allerdings, ob sich damit die hohen Kosten für die Batterie wieder wettmachen lassen. Solarworld verlangt für sein SunPac inklusive Elektronik 7000 Euro. Das ist etwa halb so viel, wie eine komplette Photovoltaik-Anlage kostet. Das Unternehmen veranschlagt für die Batterien außerdem nur eine Haltbarkeit von maximal zehn Jahren, bei einer Lebensdauer der Module von 20 bis 25 Jahren wird also mindestens ein Akkuwechsel fällig. Der Preis der Speicher liegt nach Angaben des Unternehmens zwischen 1500 und 2000 Euro.

Da Solarworld das Thema Stromspeicher als Erster besetzen wollte, verwenden die Bonner noch herkömmliche Blei-Gel-Akkus. Modernere Lithium-Ionen-Batterien, an denen auch die Hersteller von Elektroautos fieberhaft forschen, könnten dagegen genauso lang halten wie die Photovoltaik-Module. In "naher Zukunft" will Solarworld deshalb seine erste Lithium-Ionen-Variante auf den Markt bringen. Die Solarfirma Conergy aus Hamburg möchte schon im Herbst so weit sein. Deren Tochter Voltwerk und der Batteriehersteller Saft haben das Produkt "VS 5 hybrid" mit einem 8,8 kWh fassenden Lithium-Ionen-Akku entwickelt. Der Preis des Systems soll nach Angaben von Voltwerk allerdings bei 19000 Euro liegen. Mit dem Bonus für den Eigenverbrauch wird es sich kaum finanzieren lassen.

Ein Speicher steigere den Eigenverbrauch von 30 Prozent auf 60 bis 70 Prozent, berichtet Fraunhofer-Forscherin Büdenbender. Ein Vier-Personen-Haushalt würde durch die Akkus derzeit etwa 100 bis 150 Euro jährlich erlösen – bei einer Investition von mehreren Tausend Euro. Ob überhaupt ein Plus herauskommt, ist noch aus einem zweiten Grund fraglich. Denn durch das Speichern geht für den Hausbesitzer ein Teil des Stroms verloren. Bei der üblichen Blei-Säure-Technologie sind Verluste von bis zu 25 Prozent möglich. Lithium-Ionen-Systeme senken die Solarausbeute immerhin noch um fünf bis zehn Prozent, sagt Büdenbender. "In der 20-jährigen Lebensdauer werden die Kosten auf der Basis der aktuellen Stromtarife nicht wieder hereingeholt", räumt Holger Schuh vom Batteriehersteller Saft ein.

Es gibt zwar günstigere Batterietechniken als Lithium-Ionen-Akkus, doch diese bringen beim Aufstellen im heimischen Keller andere Probleme mit sich. Hochtemperaturbatterien würden wegen des darin enthaltenen flüssigen Natriums eine erhebliche Brandgefahr bergen, sagt Matthias Leuthold vom Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe der RWTH Aachen. Sogenannte Redox-Flow-Batterien enthalten außerdem ätzende Schwefelsäure und grundwasserschädliches Vanadium.

Ob und wann sich die derzeit verkauften und entwickelten Batterietypen für den Hausgebrauch rechnen, hängt davon ab, wie schnell die Akkukosten fallen und die Strompreise steigen. Um ihre Speicher schon heute zu verkaufen, werben die Solarfirmen mit der vermeintlichen Energiesicherheit. Bei Stromausfall schließe das Batteriesystem die Versorgungslücke, verspricht Solarworld. Pro Jahr lassen Blackouts die Deutschen im Schnitt jedoch gerade mal für eine Viertelstunde im Dunkeln stehen.

Ein typischer Tagesverlauf zeigt, wie Energiedepots später am Tag genutzt werden können.

(Bild: Birte Schlund)

Den Stromnetzen werden einzelne Energiedepots zunächst ebenfalls nicht helfen. Denn um Blackouts vorzubeugen, müssen die Energieversorger die Kapazität der Netze auf die maximale Belastung auslegen – egal ob diese nur einige Minuten pro Tag oder rund um die Uhr erreicht wird. "Die Entlastung hängt darum davon ab, wie die Speicher betrieben werden", erklärt Fraunhofer-Forscher Markus Landau. Das bedeutet: Um den Stromfluss im Netz optimal steuern zu können, müssten die Hausbesitzer die Kontrolle über das Laden und Entladen ihrer Speicher abgeben und sie den Energieversorgern überlassen.

Weil sich die Technik erst noch bewähren muss, hat die Politik den Eigenverbrauchsbonus zunächst bis Ende des Jahres befristet. Alle Photovoltaik-Anlagen, die bis dahin ans Netz gehen, erhalten die Subvention für 20 Jahre. Ohne teuren Speicher können die Besitzer zumindest den Bonus für ihren ohnehin selbst verbrauchten Sonnenstrom einstreichen. Bei mittelgroßen Anlagen ist so ein Plus von etwa 50 Euro im Jahr möglich.

Billiger als viele kleine Batterien wären Pumpspeicherkraftwerke. In ihnen wird Energie gespeichert, indem der Strom benutzt wird, um Wasser von einem niedriger in ein höher gelegenes Becken zu pumpen. Wird der Strom gebraucht, fließt das Wasser zurück und treibt dabei Turbinen an. Eine Studie der Deutschen Energie-Agentur kommt zu dem Schluss, dass Batterien auch bei Fortschritten in der Forschung mindestens doppelt so teuer sein werden wie Pumpspeicherkraftwerke.

Diese Großtechnologie hat bloß einen Nachteil: Sie lässt sich nicht im Keller verstecken. (bsc)