Spät, aber mächtig: Modellpflege für die Yamaha MT-10

Yamaha hat sich Zeit gelassen, sein Naked Bike MT-10 auf Euro-5 zu bringen. Die Entwickler überarbeiteten es gründlich und griffen auch tief in den Motor ein.

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Yamaha MT-10

Yamaha stellt seine Bikes optisch gern in die Finsternis, dabei strahlt die überarbeitete MT-10 heller denn je.

(Bild: Yamaha)

Von
  • iga
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Eigentlich litt die MT-10 nie unter Leistungsmangel, schließlich stammt ihr 998-Kubikzentimeter-Reihenvierzylinder vom Superbike Yamaha YZF-R1 ab. Für den Einsatz im Naked Bike hatten die Ingenieure zwar die Spitzenleistung zugunsten eines besseren Drehmomentverlaufs gekappt, aber 160 PS und 111 Nm waren immer noch eine ernste Ansage. Nun mussten die Ingenieure noch einmal ran – vor allem zur Anpassung an die Abgasnorm Euro 5.

Zudem hat man sich in Japan die Kritik zu Herzen genommen, die noch aktuelle MT-10 hätte im mittleren Drehzahlbereich zu wenig Punch. Der Crossplane-Motor aus der R1 bekam Schmiedekolben aus Aluminium, Pleuel aus Stahl statt aus Titan und mehr Schwungmasse. Die Einspritzanlage wurde neu abgestimmt für einen linearen Leistungsanstieg zwischen 4000 und 8000/min. Als flankierende Maßnahme bekam die MT-10 eine neue Airbox und eine Auspuffanlage mit Krümmern und Schalldämpfer aus Titan.

166 PS bei 11.500/min und 112 Nm bei 9500/min stehen nur 212 Kilogramm Leergewicht gegenüber. Die von Yamaha angegebene Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ist bei einem Motorrad ohne Vollverkleidung ein sehr guter, aber natürlich auch recht theoretischer Wert. Bei den Bremsen rüstete Yamaha auf und verwendet nun einen radialen Bremszylinder von Brembo, der die ohnehin schon sehr gute Bremsanlage mit radial verschraubten Vierkolben-Bremszangen und zwei 320-Millimeter-Bremsscheiben weiter aufwertet.

Die Designer haben an der MT-10 das bislang sehr gewöhnungsbedürftige Gesicht der Frontmaske harmonischer gestaltet. Die eckigen Umrahmungen der beiden kleinen Ellipsoid-Scheinwerfer entfielen, dafür bekam die Yamaha jetzt etwas kantige LED-Scheinwerfer und zwei schräg stehende LED-Tagfahrleuchten. Darüber befindet sich ein kurzer, transparenter Windschild, der zumindest etwas Druck vom Fahrer nehmen soll.

Die Ansaugschlünde zur Airbox sind neu gezeichnet und die Seitencover vor den Zylinderköpfen fallen deutlich kleiner aus. So kommt der mächtige Deltaboxrahmen aus Aluminium besser zur Geltung. Er wurde – wie die Aluminiumschwinge – vom Vorgängermodell übernommen. Die Tankabdeckung ist jetzt einheitlich lackiert und im hinteren Bereich überarbeitet für einen besseren Knieschluss. Eine optimierte Kontur und Polsterung sollen der Sitzbank mehr Komfort bringen. Im Heck fällt das LED-Rücklicht jetzt kompakter aus, der Sozius hat auf der kleinen Sitzfläche aber weiterhin nicht viel zu Lachen.

Yamaha MT-10 (9 Bilder)

Yamaha hat sein Naked Bike MT-10 für den Modelljahrgang 2022 gründlich überarbeitet.

Das neue 4,2 Zoll große TFT-Display wurde von der R1 abgeleitet, allerdings fallen die Darstellungen recht klein aus. Wenigstens ist die Geschwindigkeitsanzeige gut lesbar. Wie üblich sitzt die Steuereinheit für die Menübedienung am linken Lenkerende.

Wie bei einem derartig kräftigen Motorrad nicht anders zu erwarten, kommt die MT-10 mit reichlich elektronischen Assistenzsystemen. Ermöglicht wird das unter anderem durch einen neuen APSG-Gasgriff, der per Ride-by-wire die Drosselklappe ansteuert. Die Charakteristik des Ansprechverhaltens kann der Fahrer in vier Modi einstellen. Eine Sechs-Achsen-IMU misst die Bewegungen des Motorrads und füttert das Steuergerät permanent mit Daten, unter anderem für Schräglagen-ABS, Schlupfregelung und Wheelie-Kontrolle. Hinzu kommen Motorbremsmoment-Management und eine Bremskontrolle. Alle Assistenzsysteme können vom Fahrer bei Bedarf in mehreren Stufen eingestellt werden.

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Ein Quickshifter ist im neuen Modelljahr serienmäßig, ebenso wie ein Tempomat, der sich ab 50 km/h aktivieren lässt. Neu ist auch ein Geschwindigkeitsbegrenzer, bei dem der Fahrer eine gewünschte Höchstgeschwindigkeit auswählen kann, die das Motorrad nicht überschreiten soll – gut gegen Knollen wegen Geschwindigkeitsübertretungen. Gestartet wird der Motor mittels Transponder und Druck auf den Startknopf vor der Gabelbrücke.

Als Serienbereifung erhält die MT-10 des Jahrgangs 2022 die exzellenten Bridgestone Battlax S22. Als kleines, aber sinnvolles Detail bekommt sie zudem Reifenventile, die im 90-Grad-Winkel abstehen und das Prüfen des Luftdrucks vereinfachen. Beim Fahrwerk beließ es Yamaha bei den bewährten KYB-Federkomponenten des Vorgängermodells mit je 120 Millimeter Federweg, aber der Radstand wuchs geringfügig auf 1405 Millimeter.

Yamaha MT-10 Details (8 Bilder)

Den mächtigen Deltabox-Rahmen aus Aluminium übernahm die neue MT-10 von ihrer Vorgängerin.

Werksseitig können bereits diverse Extras geordert werden, ene SP-Version mit komplettem Öhlins-Fahrwerk, wie sie bislang im Programm war, ist noch nicht im Angebot, dürfte aber nachgereicht werden. Die MT-10 wird in drei Lackierungen angeboten: Cyan Storm, Icon Blue und Tech Black. Dabei sind auch die Felgen im entsprechenden Farbton lackiert. Den Preis der neuen MT-10 hat Yamaha noch nicht verraten, er dürfte aber oberhalb von 14.000 Euro angesiedelt sein.

Yamaha hat sein Naked-Bike MT-10 nicht nur kräftiger, sondern auch ansehnlicher gemacht. Außerdem bekam die Elektronik einige sinnvolle Updates. Allerdings gibt es in der Klasse mit Aprilia Tuono V4 Factory, BMW S 1000 R, Ducati Streetfighter V4 S, KTM 1290 Super Duke R EVO oder Triumph Speed Triple 1200 RR starke Konkurrenten, die es der Yamaha nicht leicht machen werden.

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