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Spionagetechnik: Lauschangriff mit optischem Teleskop

| Arne Grävemeyer

Forscher haben feinste Lichtschwankungen einer Bürolampe von außen aufgenommen und in Sprache zurückübersetzt. Dagegen helfen selbst schalldichte Fenster nicht.

Der Vorsitzende im kargen Besprechungsraum ermahnt die Anwesenden: "Nichts von dem heute Gesagten darf diesen Raum verlassen." Er hat noch gar nicht wieder Luft geholt, da hat das Leuchtmittel in der Hängelampe seine Worte bereits in Licht kodiert und durchs Fenster sichtbar ausgestrahlt. Und diese Lampe ist nichts Außergewöhnliches: Sie beherbergt beispielsweise eine herkömmliche LED-Leuchte mit E27-Gewinde und zwölf Watt Leistung.

Viele indirekte Abhörtechniken sind in den vergangenen Jahren bekannt geworden. Sie nutzen manipulierte Geräte im Raum oder sie arbeiten mit Lasermikrofonen oder mit hochauflösenden Kameras. Forscher an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Israel haben in diesem Jahr eine Technik demonstriert, die Raumschall einfach durch die Beobachtung einer hängenden Deckenlampe im Besprechungsraum mit einem Teleskop von außerhalb aufnimmt. Der weitere technische Aufwand und auch die erforderliche Rechnerleistung sind gering.

Schallwellen in einem Konferenzraum sind Druck- und Dichteschwankungen der Luft. Sie wirken nicht nur auf die Trommelfelle der Anwesenden oder auf Mikrofone ein, sondern auf vielerlei Objekte. Beispielsweise versetzen Schallwellen die unterschiedlichsten Membranen in Vibrationen, etwa die Folie einer Chipstüte, oder sie erzeugen Wellen in einem Glas Wasser. Solche Vibrationen lassen sich beobachten und in Schallwellen zurückübersetzen. Ähnlich wirken sich Schallwellen auf Lautsprechermembranen aus, das ist keine Überraschung. Weniger offensichtlich ist, dass Bewegungssensoren etwa in Smartphones schon auf Schallwellen reagieren. Ein manipuliertes Handy kann bei abgeschaltetem Mikrofon immer noch diese Schwingungen aufzeichnen, um daraus später eine Besprechung zu rekonstruieren. Sogar die feine Mechanik einer Festplatte reagiert auf Schall und hat dadurch bereits Forschern als Abhörinstrument gedient. Auf der letzten Seite lesen Sie mehr dazu.


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