Sprechen Sie Dothraki?

Das Start-up Duolingo nutzt Crowdsourcing, um neuartige Sprachkurse zu erstellen.

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Von
  • Rachel Metz

Das Start-up Duolingo nutzt Crowdsourcing, um neuartige Sprachkurse zu erstellen.

Seit gut einem Jahr bietet die junge Firma Duolingo kostenlose Online-Kurse zum Erlernen von Fremdsprachen an – darunter Englisch, Spanisch und Französisch. Das Besondere dabei: Nutzer erwerben nicht nur neue Sprachkenntnisse, sondern übersetzen parallel dazu auch noch Texte aus dem Web, womit Duolingo dann sein Geld verdient.

Die Nachfrage nach zusätzlichen Sprachen ist groß, doch lohnt sich deren Einbindung für das Start-up bislang nur dann, wenn sich dafür auch der Übersetzungsdienst anbieten lässt. Bei wenig gesprochenen Sprachen ist das Erstellen neuer Kurse daher zu teuer und zeitaufwendig.

Um das Problem zu lösen, hat Duolingo nun eine neue Methode entwickelt, die auf Crowdsourcing basiert: Über einen sogenannten Language Incubator können Freiwillige zahlreiche neue Sprachfamilien ergänzen – von verbreiteten wie Arabisch oder Chinesisch bis hin zu weniger bekannten wie Kichwa oder fiktionalen wie Elbisch oder Dothraki. Andere Nutzer können die Kurse dann belegen.

Duolingo-Mitbegründer und Chef Luis von Ahn sagt, dass man mit dem Sprachinkubator genauen Regeln folgt. Zunächst werden Moderatoren gesucht und ausgewählt, die dann wiederum andere Freiwillige anwerben und die Gruppe selbständig managen. Basierend auf der aktuellen Nutzerbasis der Firma – sie liegt bei 10 Millionen Menschen, von denen 26 Prozent in den USA leben – könnte das ein großer Pool werden.

Die Firma hofft, dass so Sprachen viel schneller ergänzt werden können. Von Ahn meint, dass es aktuell einen Profi rund vier Monate kostet, bis ein Duolingo-Kurs mit mittlerem bis hohem Niveau fertiggestellt ist. Ein bis zwei Moderatoren könnten zusammen mit fünf bis sechs Freiwilligen den Job vielleicht in einem Monat erledigen, glaubt von Ahn. Er erwartet, dass rund zehn Sprachen, darunter Chinesisch und Russisch, innerhalb der ersten vier bis fünf Monate des Experiments hinzukommen.

Zumindest am Anfang dürfte will Duolingo genau kontrollieren, was passiert, um die Qualität sicherzustellen. Die Online-Kurse wären aber nicht das erste Freiwilligenprojekt, das zu einer respektablen Wissensquelle wird – Wikipedia gilt hier als leuchtendes Beispiel. Von Ahn zufolge kann Duolingo zudem messen, wie erfolgreich ein Kurs ist – indem überprüft wird, wie viele Nutzer ihn abschließen und später zu Duolingo zurückkehren.

Die Moderatoren nutzen die Vorlagen, die Duolingo auch bei von Profis erstellten Kursen verwendet. Ob die Sprachen aus dem Language Incubator später auch den Übersetzungsdienst einbinden werden, ist bislang noch unklar. (bsc)