Starlink-Satelliten bringen latenzarmes Internet ins Nirgendwo

Ein gigantisches Netz niedrig fliegender Satelliten soll das Internet zu entlegenen Orten ­bringen. Das erfreut nicht jeden: ­Astronomen laufen Sturm.

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(Bild: Albert Hulm)

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  • Michael Link
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Ein flotter Internetzugang fehlt an vielen Orten, besonders dort, wo kein Mobilfunkmast hinfunkt. Zum Beispiel auf dem Meer, in Wüsten oder Urwäldern – oder dort, wo in Deutschland Milchkannen stehen. Die Lücken beim terrestrischen Netzzugang soll das gigantische Satellitennetz Starlink stopfen. Für diese sogenannte Megakonstellation sollen mehr als 30.000 Satelliten in die Erdumlaufbahn geschossen werden. 653 sind schon oben.

Starlink ist ein Projekt des privatwirtschaftlichen Konzerns SpaceX, bekannt etwa durch seine wiederverwendbaren Trägerraketen namens Falcon und durch extrem ambitionierte Weltraumprojekte, etwa eine Besiedelung des Mars. Der Firmengründer Elon Musk stellte im Januar 2015 die Idee eines weltumspannenden Satellitennetzes vor. Es soll überall einen preisgünstigen Hochgeschwindigkeitszugang zum Internet ermöglichen, auch dort, wo es bislang noch gar keinen Internetanschluss gab. Starlink soll auf lange Sicht eine komplette Netzstruktur im Weltraum nachbilden.

Dazu sollen Tausende von Satelliten die Erde auf niedrigen Bahnen umlaufen – sogenannten LEOs (Low Earth Orbit) in grob 550 Kilometern Höhe, dazu später mehr. Solche Bahnen schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Derartige Starts kosten weniger, und die Nutzer profitieren von der geringeren Distanz zu den Satelliten durch die erheblich kürzeren Signallaufzeiten im Vergleich zu den bisherigen. Das aktuelle Satelliten-Internet nutzt hauptsächlich geostationäre Satelliten in 35.786 km hohen Bahnen. Diese riesige Entfernung verursacht eine Signalverzögerung um 700 Millisekunden – zu viel etwa für die Kommunikation per Video oder Voice-over-IP. Mit Starlink sollen die Ping-Zeiten zwischen 20 und 50 Millisekunden betragen. Das liegt auf dem Niveau terrestrischer Laufzeitverzögerungen.

Das Verheißene klingt elysisch schön und könnte etablierte Internet-Provider aus Angst um ihre Geschäftsmodelle in tiefe Depressionen stürzen. Elon Musk beschwichtigt: Starlink sei für die Versorgung dicht bevölkerter Regionen nicht geeignet, weil die Bandbreite der Satelliten auf die Zahl der Nutzer in ihren Empfangsbereichen aufgeteilt werde. Starlink sei deshalb von vornherein auf die Versorgung schwach besiedelter Gegenden ausgelegt, für die sich weder das Verlegen von Leitungen noch der Bau von Funkmasten lohnen würde. Starlink füllt nach Musks Lesart eine Nische, die niemand vorher habe besetzen wollen. Tatsächlich dürften auch Milchbauern in Deutschland hoffen, denn laut Musk soll der Dienst hier im nächsten Jahr zugelassen werden.

Zurzeit ist die Starlink-Konstellation noch weit vom Vollausbau entfernt. Nur wenige Bahnen sind besetzt.

(Bild: Celestrak)

Tatsächlich hat die Testphase im Juni begonnen, zunächst in einem firmeninternen Kreis. SpaceX hat derzeit Start- und Betriebsgenehmigungen für insgesamt 11.943 Satelliten, es sollen rund 30.000 werden, die teilweise ältere ersetzen.

Fünf schnelle Fragen

Die Sat-Schüssel für Starlink soll Motoren zum Ausrichten auf die Satelliten bekommen. (Bild: SpaceX)

Woher kommt der Name?
Der Name Starlink ist laut einem Tweet von Elon Musk inspiriert durch den Roman „The Fault in Our Stars“ (deutscher Titel: Das Schicksal ist ein mieser Verräter) von John Green, eine tragische Geschichte um krebskranke Jugendliche.

Welche Übertragungsbandbreite liefern die Satelliten?
Für die erste Ausbaustufe berechneten Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) 2018 eine Nettokapazität mit 23,7 Terabit pro Sekunde – nach Abzug von Negativeffekten etwa durch fehlende Bodenstationen. Jeder Massenstart von 60 Satelliten soll die Übertragungskapazität um maximal 1 Terabit pro Sekunde erhöhen. Durch die Hinzunahme des Ka-Bandes dürfte der Nettowert jetzt höher liegen.

Wie schnell sollen die Nutzerzugänge sein?
Theoretisch sollen Einzelverbindungen bis 1 GBit pro Sekunde klappen, demonstriert wurden Download-Raten von 610 MBit pro Sekunde. Pro Nutzer sollen es zunächst 40 bis 100 MBit pro Sekunde werden.

Welche Geräte braucht man dafür?
Benutzer brauchen ein Terminal, das laut Fotos an eine herkömmliche Satellitenschüssel erinnert.

Was kostet das?
Elon Musk bezifferte die Gesamtkosten 2015 öffentlich mit 10 bis 15 Milliarden US-Dollar. In einem TED-Interview 2018 schätzte SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell die Kosten auf rund 10 Milliarden.