Steam Deck: Linux-Gaming leicht gemacht

Mit der Ankündigung seiner mobilen Spielkonsole macht Valve seine Steam-Bibliothek mobil und ganz nebenbei die Käuferinnen und Käufer zu Linux-Gamern.

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Steam Deck

(Bild: Valve)

Von
  • Liane M. Dubowy
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Ohne viel Aufhebens treibt Valve Software seit vielen Jahren Linux als Gaming-Plattform voran. Mit dem Steam Deck werden ab Dezember plötzlich sehr viel mehr Menschen unter Linux spielen – und im Zweifel gar nichts davon merken. Denn Spielen unter Linux ist schon lange keine große Sache mehr – wenn man nicht ausgerechnet AAA-Titel mit Anti-Cheat-Software spielen möchte. Stellt sich also die Frage: Was geht und welche Einschränkungen gibt es?

Der Steam-Client für Linux ist seit 2013 verfügbar, eigene Spiele wie Counter-Strike: Source, Left 4 Dead 2 oder Portal hat Valve kurz danach allesamt auf Linux portiert. Mit der Entwicklung des Wine-Forks Proton, der seit 2018 in den Steam-Client integriert ist, wurde die Linux-Spiele-Welt sehr viel größer: Was zuvor Frickelei war, läuft jetzt per Mausklick im Steam-Client.

Diese Fehlermeldung der Anti-Cheat-Software BattlEye unter Linux soll beim Spielen von PUBG unter Linux laut Valve bei Release des Steam Deck nicht mehr zu sehen sein.

Seitdem hat sich viel getan: Mittlerweile lassen sich viele Windows-Games unter Linux spielen, einzig ein oder mehrere Dialogfenster bei der Installation weisen auf den Einsatz der Kompatibilitätsschicht hin. Ein paar Ausnahmen gibt es allerdings noch: Beispielsweise verhindert Anti-Cheat-Software wie BattlEye und Easy-Anticheat (EAC) das Spielen unter Linux. Für den Battle-Royale-Shooter Player Unknown’s Battlegrounds (PUBG) müssen Linux-Gamer daher bisher auf Cloud-Gaming-Dienste wie Google Stadia ausweichen – eine Möglichkeit, die auch das Steam Deck bietet. Valve hat allerdings angekündigt, Anti-Cheat-Software wie BattlEye und EAC bis zum Erscheinen des Steam Decks mit Proton lauffähig zu machen.

Fast scheint es, als habe Valve den Schritt zur Linux-Konsole Steam Deck von langer Hand geplant. Ganz so ist es sicher nicht, denn ursprünglich sollte Steam in Form der wohnzimmertauglichen Steam Box via Big-Picture-Oberfläche die Spiele auf den Fernseher bringen. Alternativ hätte die Streaming-Box Steam Link den Bogen vom Gaming-PC zum Fernseher schlagen können. Beide Produkte sind gefloppt.

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Das Steam Deck profitiert nun von den Erfahrungen, die Valve mit SteamOS, Big Picture und dem Steam-Controller gesammelt hat. Die Controller-taugliche Big-Picture-Oberfläche erhält ein ordentliches Facelift fürs Steam Deck. Und die Trackpads des Steam-Controllers finden sich in stark abgewandelter Form auch auf Valves angekündigter Spielkonsole wieder.

Das für die Steam Box entwickelte SteamOS wird fürs Steam Deck auf neue Beine gestellt. Statt wie bisher auf Debian soll das System auf Arch Linux basieren. Das hat mehrere Vorteile: Arch Linux ist ein Rolling-Release-System, das über die Paketverwaltung aktuell gehalten wird. Ein Upgrade auf eine neuere Version gibt es nicht, neue Software-Versionen werden nach und nach ausgeliefert und nicht bis zum nächsten großen Upgrade zurückgehalten.

Das birgt ein gewisses Risiko, da die Testphase nicht so lange ist wie bei anderen Distributionen. Bastelt man nicht am System herum, treten in der Praxis aber kaum Probleme auf. Die Steam-Deck-Software dürfte daher stets aktuell sein und kein größeres Update erfordern. Ein weiteres Plus: Die Grafiktreiber sind bei Arch Linux stets topaktuell.

Für das Steam Deck erhält der Steam-Client ein Facelifting und wird dann auch auf anderen Geräten die Big-Picture-Oberfläche ersetzen.

Valves Kompatibilitätssoftware Proton basiert auf dem seit vielen Jahren bestehenden Wine-Projekt. Seit 2016 arbeitet Valve an Verbesserungen für die Software, beispielsweise an einer auf Vulkan aufsetzenden Direct3D-12-Implementierung, Geschwindigkeitsverbesserungen für Direct3D 9 und 11 sowie das "esync"-Patchset für verbesserte Multithread-Performance. Auch CodeWeavers, das bekannt ist für seine Kompatibilitätssoftware CrossOver Linux, arbeitet an der Software mit.

Für Linux-Gamer hat die Integration von Proton Riesenvorteile: Im Idealfall reicht ein Klick auf den "Installieren"-Button in der Steam-Bibliothek, um ein Windows-Spiel unter Linux einzurichten. Mit der Ankündigung eines mit SteamOS laufenden Steam Deck wird nun ein rundes Bild aus dem jahrelangen Engagement des Steam-Betreibers für Linux.

Um herauszufinden, ob ein Spiel unter Linux mit Hilfe von Proton läuft, lohnt ein Blick in die Community-Datenbank Protondb.com, die Erfahrungsberichte sammelt und dabei auch auflistet, welche Linux-Distribution, welcher Grafiktreiber und Kernel beim Test zum Einsatz kamen. Auch hilfreiche Steam-Startparameter und andere Tipps liefern die Testberichte. Mitunter kommen die Tester:innen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Um abzuschätzen, ob ein Spiel auf dem Steam Deck laufen wird, sollte man daher nach Reports unter Arch Linux oder Arch-Derivaten wie Manjaro schauen. Die Zahl der eingereichten Reports ist mit der Ankündigung des Steam Decks sprunghaft angestiegen.

Die englischsprachige Website teilt Windows-Spiele in fünf Kategorien von "Borked" (läuft gar nicht) bis "Platinum" (läuft sehr gut) ein, viele rangieren irgendwo dazwischen. Sie verschafft einen guten Überblick darüber, wie gut es mittlerweile um die Linux-Unterstützung steht und wie viel Arbeit noch vor Valve liegt.

Die Community-Website protondb.com sammelt Erfahrungsberichte zu einzelnen Games mit Proton.
c't zockt: die Gamer von c't und heise online

c't zockt sammelt die Gamer des c't Magazins und von heise online. Wir spielen Games quer Beet, gern Indie- und Early-Access-Spiele, haben ein Herz für Retro-Titel und wagen uns gelegentlich in die Virtual Reality. Wir streamen Live-LAN-Parties aus unserem Videostudio auf YouTube und veröffentlichen dort außerdem regelmäßig neue Videos rund um Spiele. Schaut doch mal rein: youtube.com/ctzockt

Im c't-zockt-YouTube-Channel hat die Redaktion bereits eine ganze Reihe von Windows-Spielen unter Linux getestet, eine eigene Playlist listet diese gesammelt auf.

Noch nicht mal fertig und lief doch sofort problemlos mit Proton unter Linux: Dorfromantik.