Strom selbst erzeugen statt teuer einkaufen

Der Preis für Haushaltsstrom kennt seit geraumer Zeit nur eine Richtung: Er steigt rasant an. Wir zeigen, wie Sie Ihren eigenen Strom sinnvoll produzieren.

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, Andreas Martini
Von
  • Georg Schnurer
Inhaltsverzeichnis

Lange galten Menschen, die sich für viel Geld Solarmodule aufs Dach des Eigenheims montieren ließen, als hoffnungslose Idealisten oder gar Spinner. Die aktuelle Energiepreisentwicklung lässt Solarpanel-Besitzer nun als Visionäre und Sparfüchse erscheinen.

Ein Grund sind die rasant gestiegenen Strompreise. Verantwortlich dafür sind zahlreiche Faktoren wie etwa der weltweite Hunger nach immer mehr Energie, aber auch die deutsche Energiepolitik. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine und die Folgen für die Energieträger Kohle, Öl und Gas befeuern den Preisanstieg zusätzlich – schließlich wird knapp die Hälfte unseres Stroms nach wie vor durch die Verbrennung fossiler Energieträger gewonnen.

c't-Schwerpunkt: Strom selbst erzeugen

Doch auch wenn sich die weltpolitische Lage wieder normalisieren sollte, wird sich der Preis für elektrische Energie in absehbarer Zeit nicht nach unten bewegen: Der kaum noch aufzuhaltende Klimawandel zwingt vor allem die Industrienationen, sich möglichst schnell von fossilen Energieträgern zu verabschieden. Die immer weiter steigende CO2-Abgabe soll hier Druck machen und verteuert den Strom zumindest mittelfristig. Hinzu kommt die steigende Nachfrage nach Strom, etwa durch Elektroautos und Wärmepumpen. Erst wenn der Einstieg in eine klimaneutrale Energieversorgung weitgehend geschafft ist, dürfen wir wieder auf sinkende Strompreise hoffen.

(Bild: Quelle: BDEW)

Angesichts dieser Entwicklung liegt es nahe, zunächst über Einsparmöglichkeiten nachzudenken. Gerade wir IT-Begeisterten lassen so manchen PC kontinuierlich an und auch wenn moderne Geräte irgendwann in den Standby-Modus wechseln: Auch die im Standby verbrauchte Energie kostet Geld. Und müssen Router, NAS und Server wirklich 24/7 an der Steckdose nuckeln? Jede abgeschaltete Stunde zählt hier.

Sparen kann man eventuell auch bei Gerätschaften wie Kühltruhen und Kühlschränken. Sehr alte Modelle verbraten viel Energie und es lohnt sich mitunter, die Energiefresser zu ersetzen.

Allerdings braucht selbst der sparsamste Haushalt immer noch Strom. Warum also nicht versuchen, die selbst verbrauchte elektrische Energie auch günstig selbst zu erzeugen? Sonne, Wind und Wasserkraft liefern diese klimaneutral und kostenlos. Darum werden diese regenerativen Energiequellen auch zunehmend von den Energiekonzernen genutzt.

Was im Großen funktioniert, sollte doch auch kleiner wirtschaftlich zu betreiben sein. Nun hat nicht jeder einen Bachlauf mit hinreichendem Gefälle im Garten. Wasserkraft fällt deshalb in der Regel als privater Energielieferant aus.

Ein Einfamilienhaus mit Vollbestückung: Außer einer Photovoltaikanlage liegen auf dem Dach auch noch Wärmetauscher für Solarthermie und im Hintergrund dreht sich ein kleines Windrad.

(Bild: Georg Schnurer)

Mit Sonne und Wind sieht es da schon viel besser aus. Mieter und Eigenheimbesitzer können die kostenlose Sonnenenergie leicht nutzen. Wer ein Haus besitzt, kann das Dach mit einer Fotovoltaikanlage ausstatten. Das lohnt sich besonders bei großen, unbeschatteten Dächern mit Südausrichtung. Doch auch auf Dächern in Ost- oder Westrichtung rentiert sich in der Regel die Anschaffung einer PV-Anlage. Selbst teilbeschattete Dächer sind nutzbar, vorausgesetzt, der Installateur sieht Überbrückungseinrichtungen für die zeitweise im Schatten liegenden Module vor. Das stellt sicher, dass einzelne beschattete Module nicht den kompletten Strang blockieren.

1 kWp installierte Leistung erzeugt rund 1000 kWh im Jahr

Generell lohnt sich eine PV-Anlage vor allem für die eigene Energieversorgung. Das Einspeisen ins öffentliche Netz wird bei neu errichteten typischen Dach-PV-Anlagen mit maximal 10 kWp – kWp, das ist die maximale Leistung einer PV-Anlage unter idealen Bedingungen – mit gerade einmal 6,34 Cent pro kWh (Stand Juni 2022) vergütet, wogegen der Verbraucher bei Neuverträgen schon mal 40 und mehr Cent pro kWh zahlt. Da ist es besser, die erzeugte Energie selbst zu verbrauchen.

(Bild: Quelle: Bundesnetzagentur)

Besonders komfortabel geht das natürlich, wenn man neben den Solarpanels auf dem Dach auch noch einen ausreichend groß dimensionierten Speicher vorsieht. Der erhöht zwar die Anschaffungskosten der Anlage nicht unerheblich, kann sich aber auf lange Sicht durchaus lohnen. Im Beitrag Solarstrom vom Dach haben wir zusammengetragen, was es sonst noch bei der Errichtung einer PV-Anlage auf dem eigenen Dach zu beachten gilt.

Eigener Strom für Mieter, auch das ist möglich, wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab. Wer einen Balkon besitzt, der nicht gerade nach Norden ausgerichtet ist, kann an dessen Brüstung ein oder zwei Solarpanels und einen Wechselrichter montieren. Die so gewonnene Energie wird dann in den Stromkreis eingespeist.

Aufgrund gesetzlicher Vorgaben darf so ein "Balkonkraftwerk" zwar nur eine Maximalleistung von 600 Watt haben, doch auch das rentiert sich durchaus für viele, schließlich kosten Solarpanels und Wechselrichter nicht die Welt. Allerdings gibt es selbst für die Installation solcher Kleinstenergieerzeuger in Deutschland jede Menge Vorschriften, sowohl von gesetzlicher Seite als auch auf Seiten der Energieversorger. In unserem Schwerpunkt erfahren Sie, wie Sie diese zumeist künstlich errichteten Hürden überwinden und was es bei der Planung und dem Bau eines Balkonkraftwerks zu beachten gilt.

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