Strompreise: Neuer Tracker verspricht Flexibilität – auch ohne Smart Meter

Ein norwegischer Stromversorger will Privatkunden von Schwankungen an der Strombörse profitieren lassen, indem man alle zehn Sekunden den Zählerstand ausliest.

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Strom-Tracker "Pulse": Es genügt allein ein einfacher digitaler Stromzähler.

(Bild: Tibber)

Von
  • Jan Oliver Löfken

Wenn der Wind weht und die Sonne scheint, wird viel Strom produziert und der Preis sinkt. Bis zum Jahr 2020 – vor Beginn der aktuellen Energiekrise – galt dieser Zusammenhang noch. An der Strombörse kostete eine Kilowattstunde im "Day-Ahead-Handel" durchschnittlich knapp drei Cent. 2022 rangiert der Kurs allerdings fast beim Zehnfachen mit bisher 24,3 Cent/kWh.

Trotz dieser aktuellen Verwerfungen am Strommarkt bietet der norwegische Stromversorger "Tibber" nun einen Tarif an, der nicht auf ein bis zwei Jahre festgeschrieben ist, sondern sich flexibel an dem jeweils aktuellen Börsenstrompreis orientiert. Das Besondere: Mit einem kleinen Modul – dem Strom-Tracker "Pulse" – können nicht nur Haushalte mit einem Smart Meter diesen Tarif nutzen. Es genügt allein ein einfacher digitaler Stromzähler.

Die Grundidee von Tibber: Mehr Strom in günstigen Phasen nutzen und dafür den Stromverbrauch in Spitzenlastzeiten reduzieren. Je mehr Haushalte dieses Verhalten zeigen und damit Geld sparen, desto besser lassen sich Erzeugung und Verbrauch von Strom ins Gleichgewicht bringen. Der Strom-Tracker kann dazu an die Infrarot-Schnittstelle angeschlossen werden und den Zählerstand alle zehn Sekunden auslesen. Über das eigene Wlan-Netz und ein weiteres Funkmodul geleitet, lassen sich diese Daten mit einer Smartphone-App einsehen und verwalten. Das Unternehmen Tibber selbst erhält Zugriff auf die Verbrauchsdaten über eine dauerhafte Internet-Anbindung. In Eigenheimen mag dieser Datentransfer stabil umsetzbar sein, in größeren Mietshäusern könnte es jedoch wegen der begrenzten Reichweite des Wlan-Netzes schwierig werden.

Fließen diese Daten, lässt sich der Stromverbrauch im Stundentakt entsprechend dem Preisverlauf an der Strombörse abrechnen. Aktuell gibt Tibber für den Verbrauch eines Zwei-Personen-Haushalts in Hamburg einen durchschnittlichen Preis von 41 Cent pro Kilowattstunde an. Bei dieser groben Abschätzung wird bereits eine Verschiebung von Lastspitzen – etwa der Betrieb der Waschmaschine – in günstige Tageszeiten berücksichtigt. Wer aktuell einen neuen Stromanbieter suchen muss, könnte damit das Tibber-Angebot in seinen Preisvergleich mit aufnehmen. Doch ältere Stromverträge mit noch geltenden Preisgarantien bleiben mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ohne Flexibilität günstiger.

(jle)