Studie zu Elektroautos: Deutsche Zulieferer vor großen Veränderungen

Die Zulieferer der Automobilindustrie investieren derzeit intensiv in batterieelektrische Antriebe. Gleichzeitig müssen sie Gewinnrückgänge verkraften.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 32 Beiträge
Lenksteuerungsmodul für die elektrische Servolenkung

Zulieferer steuern einen erheblichen Teil der Entwicklungen in der Automobilindustrie bei.

(Bild: Hella)

Von
  • Martin Franz
  • mit Material der dpa
Inhaltsverzeichnis

Während in der breiten Öffentlichkeit hier und da noch diskutiert wird, ob ein Umstieg auf batterieelektrische Antriebe sinnvoll sein könnte, ist diese Debatte in der Industrie bereits abgeschlossen. Der Verbrennungsmotor wird inzwischen vielerorts mit deutlich geringeren Entwicklungsressourcen ausgestattet als das noch vor wenigen Jahren der Fall war.

Für die Autohersteller bedeutet das einen finanziellen Kraftakt, für manch einen Zulieferer dürfte das Ende von Benzin- und Dieselmotor in der bisherigen Form an die Existenz gehen. Denn dort sind die Margen geringer als bei den Autoherstellern. Gleichzeitig müssen enorme Summen in Forschung und Entwicklung investiert werden, die sich unter Umständen erst in einigen Jahren refinanzieren lassen.

Aus Sicht mancher Experten muss die deutsche Industrie aufpassen, auf dem Weltmarkt nicht abgehängt zu werden. Laut einer Studie der Unternehmensberatung PwC haben asiatische Autozulieferer ihren Anteil auf dem Weltmarkt im vergangenen Jahr auf 43 Prozent ausbauen können. Umsatzrückgänge hätten bei deutschen Zulieferern wichtige Eigenkapitalreserven aufgezehrt, die für die Transformation dringend nötig wären, sagte Branchenexperte Henning Rennert. Laut PwC wurden für die Studie 80 internationale Top-Zuliefererunternehmen untersucht. In die Analyse flossen die Finanzkennzahlen der Zulieferer ein. Der Betrachtungszeitraum der Studie umfasst die Jahre 2010 bis 2020.

Die Umsätze der 80 weltweit größten Autozulieferer fielen nach Angaben von PwC Strategy& im Krisenjahr 2020 um zwölf Prozent auf 783 Milliarden Euro, die der deutschen um 11 Prozent auf 199 Milliarden. Der Weltmarktanteil von Robert Bosch, Continental, ZF Friedrichshafen und Co. sei mit 26 Prozent zwar weiterhin hoch, der Wettbewerb mit den Konkurrenten in Asien werde aber härter. Diese hätten in der Krise mit 4,4 Prozent Betriebsgewinn vom Umsatz die höchste Rentabilität erzielt und ihre Eigenkapitalquote bei 48 Prozent gehalten. Bei den deutschen Zulieferern sank sie auf 21 Prozent.

Im Durchschnitt investierten deutsche Zulieferer 6,1 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung (FuE) – weit mehr als ihre Wettbewerber im übrigen Europa (4,8 Prozent), Amerika (3,6 Prozent) und Asien (3,8 Prozent). Bei einer Branchenumfrage des Verbands der Automobilindustrie (VDA) sowie der Wirtschaftsberatung Deloitte gaben die befragten Konzerne an, sogar 15 Prozent ihres Gesamtumsatzes in Innovationen im Bereich Elektromobilität zu investieren. Ein Großteil der im Frühjahr dieses Jahres befragten Unternehmen geht demnach davon aus, dass zwischen 2023 und 2040 der Verbrenner vollständig von der Straße verdrängt sein wird. Bereits bis 2030 rechnen sie damit, dass Batteriefahrzeuge sich als neuer Technologiestandard durchgesetzt haben werden.

Andere Experten befürchten dagegen, dass europäische und deutsche Zulieferer ihre konkurrenzfähige Kostenstruktur schon seit einem Jahrzehnt aus dem Blick verloren hätten. Das könnte "zu einer teuren Hypothek im globalen Wettbewerb werden", sagte Studienautor Rennert. Erst am Wochenende war die jüngste Übernahme auf dem Zulieferermarkt bekannt geworden: Die seit einigen Monaten zum Verkauf stehende Firma Hella mit Sitz in Lippstadt geht an den französischen Konkurrenten Faurecia.

Der Abschluss der Übernahme von Hella wird Anfang 2022 erwartet. Eine Arbeitsplatzgarantie will die Faurecia nicht geben – allerdings gebe es auch keine konkreten Pläne für einen Stellenabbau, so das Unternehmen. "Wir wachsen ganz stark. Wir werden Leute einstellen müssen", sagte Faurecia-Chef Patrick Koller. Das neue Unternehmen werde global der siebtgrößte Automobilzulieferer sein (Top 5 in Europa und jeweils Top 10 in Amerika und Asien) und das Profil mit Blick auf Geschäftsaktivitäten und Kundenzugang erheblich stärken, teilte der neue Eigentümer mit. Größe ist im Geschäft der Zulieferer sehr wichtig, da die Verhandlungsposition mit den Autoherstellern gestärkt wird. Die deutschen Konzerne Bosch, Continental und ZF Friedrichshafen zählen zu den größten Autozulieferern weltweit.

(mfz)