Synthetischer Kraftstoff aus CO2: Was e-Fuels leisten können - und was nicht

Synthetische Kraftstoffe erhitzen die Gemüter. Im Juli entsteht in Patagonien eine Pilotanlage, die Windenergie nutzt, die sonst nicht nutzbar wäre.

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Von
  • Clemens Gleich
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Unter "eFuels" in verschiedenen Schreibweisen fassen wir synthetische Treibstoffe der dritten Generation zusammen, die aus erneuerbaren Energiequellen stammen sollen. Konkret bedeutet das derzeit: Wind oder Sonne erzeugen Strom. Dieser Strom spaltet per Elektrolyse Wasser zu Knallgas (2H2O -> 2H2 + O2). Das Wasserstoffgas (H2) wird an Kohlenstoff gebunden, der damit nicht in der Atmosphäre landet oder ihr sogar entzogen wird (Direct Air Capture, DAC). Zwecks einfacherer Handhabbarkeit speichert man das flüssig in Form von Methanol (CH3OH). Vom Methanol ist es ein seit den Achtzigern erprobter Weg zu ~90 Prozent Benzin und ~10 Prozent LPG (Exxon schlug die Technik damals für mehr Rohölunabhängigkeit vor). Fertig sind nichtfossile Treibstoffe.

Der Weg über so viele Zwischenstationen bedeutet erhebliche Energieverluste. Von der Stromerzeugung bis zum Rad ("Well to Wheel") bleiben 10 bis optimalerweise 20 Prozent Energie, je nach Technik, je nach Rechnung. Deshalb ist es so wichtig, dass erneuerbare Energie zum Einsatz kommt, die sonst nicht verwertet werden kann. Und deshalb eignen sich e-Fuels in der Neuzulassung nicht als Ersatz für elektrische PKW, deren Well-to-Wheel-Effizienz bei typischerweise um die 70 Prozent liegt. eFuels sollen vielmehr ein Baustein unter vielen der Decarbonisierung werden; sollen zunächst in Flugzeugen (e-Kerosin), Schiffen (z. B. e-Methanol), der Petrochemie und im Powersports-Bereich zum Einsatz kommen werden.

Porsche setzt im GT3-Cup bereits synthetische Treibstoffe der 2. Generation ein. Diese treten nicht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion, sondern werden im konkreten Fall aus organischem Abfall hergestellt.

(Bild: Porsche)

Siemens Energy plant gerade die erste Pilotanlage zur Herstellung von eFuels. Ein großer Interessent und Begleiter: Porsche. Die in der patagonischen Pilotanlage hergestellten Treibstoffe will Porsche zuerst im Clubsport verbrennen, denn dort stört der hohe Preis kaum, während der technologische Image-Gewinn überproportional nutzt. Das e-Benzin soll außerdem auf den Veranstaltungen von "Porsche Experience" eingesetzt werden. Die Präzedenz ist da: Porsche verfeuert schon jetzt synthetische Treibstoffe der zweiten Generation im Rennsport. Das sind flüssige Energieträger, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen. Porsches aktuelles Synth-Benzin stammt zum Beispiel aus organischem Abfall.

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