iPad-Touchscreen mit spürbaren Tasten

Eine simple Zubehörhülle für das Apple-Tablet hebt Tasten auf Knopfdruck fühlbar hervor. Sie soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

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Von
  • Tom Simonite

Eine simple Zubehörhülle für das Apple-Tablet hebt Tasten auf Knopfdruck fühlbar hervor. Sie soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Die Touchscreens aktueller Mobilgeräte bieten bekanntlich kein taktiles Feedback: Die Nutzer wischen auf glatten Glasflächen herum. Da wünscht sich so mancher die gute, alte Hardware-Tastatur zurück. Ein neues Verfahren, das demnächst in die Massenproduktion geht, soll Abhilfe schaffen und das beste beider Welten bieten: Eine glatte Oberfläche zum Betrachten von Videos und erfühlbare Tasten, die sich vom Bildschirm abheben, wenn man etwas eingeben muss.

Die Technik wurde vom Start-up Tactus Technology entwickelt und setzt auf kleine, flüssigkeitsgefüllte Kanäle und elastische Bläschen, die aus der Bildschirmfläche hervortreten können. Werden die Tasten nicht mehr gebraucht, verschwinden sie, ohne zu stören.

Der Auftragsfertiger Wistron hat nun die Ausrüstung einer seiner Fabriken in China angepasst, um Touchscreen-Panels herstellen zu können, die die Technik enthalten. Die Firma ist einer der größten Elektronikhersteller der Welt und produziert für Marken wie Blackberry, Apple oder Acer. Zuvor hatte Wistron direkt in Tactus investiert.

Die erste Frucht dieser Zusammenarbeit wird eine Schutzhülle sein, die für Apples iPad mini gedacht ist. Enthalten ist ein transparenter Bildschirmschutz, der die Vorderseite des Tablets abdeckt. Bewegt man einen mechanischen Schalter an der Seite der Hülle nach vorne, kommt ein Satz durchsichtiger Knöpfe zum Vorschein, die über dem Bereich des Displays liegen, das die Tastatur zeigt. Das soll das Tippen erleichtern. Schiebt man den Schalter zurück, schmelzen die Knöpfe wieder weg.

"Die Nutzer werden weiter auf ihrem Bildschirm tippen, wie sie das heute tun, doch die Tippleistung erhöht sich und Fehltipper reduzieren sich. Das Tippgefühl ist insgesamt befriedigender", sagt Tactus-Chef Craig Ciesla.

Die Firme verrät das genaue Design ihrer Tactile-Feedback-Hülle bislang noch nicht – auch nicht das eines zweiten, für 2015 geplanten Modells. Welche Marken die Technik einsetzen werden, bleibt ebenfalls noch unklar. Eine Prototypversion für das iPad mini steht schon zum Testen bereit – und das funktioniert recht gut, wie Technology Review selbst überprüfen konnte.

Die Knöpfe fahren dabei problemlos heraus – und wenn man sie wieder einfährt, ist die dafür notwendige Schicht fast verschwunden. Erkennbar ist sie nur unter den richtigen Lichtverhältnissen und bei genauem Hinsehen. Einen Nachteil gibt es trotzdem: Die Oberfläche fühlt sich relativ rau an, es wischt sich weniger geschmeidig.

Ausgefahren geben die Knöpfe tatsächlich ein etwas besseres Tippgefühl, weil man sofort spürt, wenn man eine Taste verfehlt hat. Noch unklar ist die genaue Form der ausfahrenden Knöpfe im Endprodukt – Tactus experimentiert mit verschiedenen Varianten.

Die Zusammenarbeit mit Wistron könnte dazu führen, dass die Technik bald direkt in Tablets und andere Mobilgeräte wandert. So existiert bereits ein Prototyp eines Tablets mit sieben Zoll, in dem die Technik in das Display eingebaut ist. Ein weiteres Modell wurde nachgerüstet. Beim Tablet-Prototypsystem fährt die Tastatur automatisch heraus, sobald es etwas zu tippen gibt.

"Wir sind ganz am Anfang einer vermutlich mehrjährigen Partnerschaft, bei der die Tactus-Lösung in mehreren Märkten eingeführt wird. Los geht es mit der Mobiltechnik", sagt Ciesla. Die beiden Partner hätten bereits am Design von Produkten und Prototypen für Mobilfunkanbieter, Elektronikmarken und Retailer gearbeitet. Ein Produkt könnte auch ein Notebook sein, das einen zweiten Tactus-Bildschirm an der Stelle besitzt, an der sich sonst die Tastatur befindet. (bsc)