Tankstelle für Wasserstoff-Bahn entsteht im Industriepark Frankfurt-Höchst

27 Züge mit brennstoffzellenelektrischem Antrieb sollen ab 2022 nicht elektrifizierte Bahnstrecken im Taunus bedienen. Sie bekommen nun eine H2-Tankstelle.

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Der Triebwagen "Coradia iLint 54" mit 160 Sitzplätzen des Herstellers Alstom soll künftig elektrisch fahren – mit Wasserstoff.

(Bild: Alstom)

Von
  • Florian Pillau
  • mit Material der dpa

Im Industriepark Frankfurt-Höchst wurde am Montag der Grundstein für eine Tankstelle gelegt, an der Schienenfahrzeuge Wasserstoff (H2) tanken können. Der Chemie-Komplex am Main kann den Energieträger in großen Mengen zur Verfügung stellen und bietet über sein vorhandenes Industriegleis eine Anfahrtsmöglichkeit mit Zügen.

Bislang wird H2 kaum für den Betrieb von Brennstoffzellen in elektrisch angetriebenen Fahrzeugen verwendet. Erster Nutzer der Zapfanlage wird der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) sein. Er hat mit 27 Zügen laut eigener Angabe die weltgrößte Flotte von Schienenfahrzeugen mit Brennstoffzellenantrieb bestellt. Die Züge sollen laut RMV ab dem Fahrplanwechsel 2022/23 die Diesel-Triebwagen auf den Linien RB11 (Frankfurt-Höchst – Bad Soden), RB12 (Frankfurt – Königstein), RB15 (Frankfurt – Bad Homburg – Brandoberndorf) und RB16 (Friedrichsdorf – Friedberg) ersetzen. Damit können diese Strecken ohne den teuren Bau von Oberleitungen elektrifiziert werden.

Das Gesamtauftragsvolumen beziffert sich auf rund 500 Millionen Euro, der Bund hat die Anschaffung der Fahrzeuge mit 15 Millionen Euro gefördert. Der Großauftrag umfasst auch die Versorgung mit Wasserstoff am Industriepark Höchst. Infraserv investiert einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag in Tankstelle und Elektrolyseur, das Land Hessen und der Bund fördern das Projekt.

Im Industriepark hat der Betreiber Infraserv langjährige Erfahrungen mit dem hochexplosiven Gas, das bei der Produktion organischer Grundstoffe in der Chlor-Chemie anfällt. Bislang wird das Gas beispielsweise in der Düngerproduktion weiterverwendet oder schlicht zur Stromgewinnung verbrannt. Bei der Chlor-Alkali-Elektrolyse wird zunächst sehr viel Energie aus nicht regenerativen Quellen aufgewendet, weswegen der so gewonnene Wasserstoff nicht als klimaneutral gelten kann.

Nachhaltigen, sogenannten grünen Wasserstoff bekommt man, wenn das Gas ausschließlich mit regenerativer Energie erzeugt wird. Die Windenergie-Branche setzt große Hoffnungen in das Power-to-Gas-Verfahren, bei dem Wasser mit Hilfe des Windstroms in Sauerstoff und speicherbaren Wasserstoff aufgespalten wird. Auch bei Solarenergie ist es oft sinnvoll, die umgesetzte Energie in Form von Wasserstoff zwischenspeichern zu können, denn auch sie ist, ähnlich der Windenergie wetter- und tageszeitabhängig in ihrem Energieertrag.

Woher soll der Wasserstoff kommen?

Der Triebwagen "Coradia iLint 54" mit 160 Sitzplätzen basiert auf einem Diesel-Triebfahrzeug des französischen Herstellers Alstom, in dem Brennstoffzellen den Strom für die elektrischen Antriebsmotoren bereitstellen, zudem werden Pufferbatterien und Wasserstofftanks für ihre Reichweite von 1000 Kilometern benötigt. Laut RMV steigt insbesondere bei den Zügen im Berufsverkehr die Kapazität auf den Linien im Teilnetz Taunus um bis zu 40 Prozent.

(fpi)