Tech2go: Recht auf Reparatur – "Apple-Bedingungen nicht haltbar"

Selbst für Meisterbetriebe sei es kaum machbar, von Apple als Werkstatt zertifiziert zu werden, meint Reparatur-Profi Steffen Vangerow im TR-Podcast.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 36 Beiträge

(Bild: Dan-Cristian Pădureț / Unsplash)

Von
  • Gregor Honsel

Wie sieht es mit dem „Recht auf Reparatur“ in der Praxis aus? Das ist Thema in der aktuellen Folge von Tech2go, dem Podcast des Magazins Technology Review. Gesprächspartner ist Steffen Vangerow, Geschäftsführer der Vangerow GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Reutlingen ist eine unabhängige Reparaturwerkstatt, die unter anderem Funk-Autoschlüssel repariert oder alte Röhrenradios internetfähig macht.

Ein zentrales Problem für freie Werkstätten sei die Ersatzteilversorgung, sagte Vangerow gegenüber Tech2go: „Es gibt zwei Dinge, über die ich mich besonders ärgere. Das eine ist Vorwerk, die uns komplett nicht mehr mit Ersatzteilen für den Thermomix beliefern – nicht einmal mehr mit Zubehör, das jeder Endkunde bestellen darf.“ Auch die Zulieferer würden verpflichtet, freie Werkstätten nicht mit Ersatzteilen zu beliefern.

„Der andere Fall ist Apple mit seinem angeblich ,freien‘ Netz an Werkstätten“, so Vangerow. „Wir haben uns dafür beworben. Wir sind ein Meisterbetrieb, die Firma gibt es seit 60 Jahren, und wir erfüllen eigentlich alle Anforderungen. Trotzdem wurden wir ohne einen nachvollziehbaren Grund abgelehnt.“ Und ohne Zertifizierung durch Apple sei es bei neueren Modellen unmöglich, Komponenten zu tauschen, ohne dass es zu einer Fehlermeldung komme.

Tech2go – der Technology Review Podcast

Redakteure des Innovationsmagazins Technology Review diskutieren über wichtige Fakten und bezeichnende Absurditäten, kleine Anekdoten und große Zusammenhänge.

Das ganze Zulassungsverfahren sei „wahnsinnig kompliziert“, so Vangerow. „Man muss Verträge nach internationalem Recht unterschreiben, eine Verschwiegenheitserklärung abgeben, 10.000 Dollar bei einer Bank hinterlegen, und viele, viele Onlineschulungen besuchen.“ Das Ganze sei ein „gigantischer Zeitaufwand“ – und das für einen Vertrag, der nur ein Jahr Laufzeit habe. Vangerow: „Die Bedingungen sind für einen kleineren Reparaturbetrieb nicht haltbar.“

Eine weitere Gefahr für unabhängie Werkstätten sieht Vangerow in einer Verlängerung der Gewährleistungs- beziehungsweise Garantiefristen. „Die Hersteller tun in erster Linie das, was am billigsten ist“, argumentiert er. „Das ist sicherlich nicht die Reparatur in Deutschland. Sprich: Es ist oftmals günstiger, Geräte während der Garantiezeit einfach auszutauschen. Das schädigt massiv den freien Reparaturmarkt.“ Die Folge: Irgendwann gebe es niemanden mehr, der Produkte nach Ablauf der Gewährleistungs- oder Garantiefrist noch repariert.

Mehr über das Recht auf Reparatur steht auch in der aktuellen Ausgabe 3/2021 der Technology Review (jetzt am Kiosk oder online zu bestellen).

(grh)