Testlauf für autonome Fahrzeuge

Elektrofahrzeuge mit Computersteuerung könnten schon in den nächsten Jahren praktisch eingesetzt werden. Darauf hofft zumindest die chinesische Regierung.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 2 Beiträge
Von
  • Marcel Grzanna

Elektrofahrzeuge mit Computersteuerung könnten schon in den nächsten Jahren praktisch eingesetzt werden. Darauf hofft zumindest die chinesische Regierung.

China will autonome Autos spätestens 2020 auf die Straße bringen. Unweit von Peking entwickeln und testen mehrere Teams solche Technologien. Mit dabei ist auch General Motors mit seinem futuristisch aussehenden, fahrerlosen Chevrolet EN-V 2.0. Eine erste Studie des EN-V haben die Amerikaner bereits 2010 auf der Expo in Shanghai vorgestellt. Dann war es lange ruhig um das Konzept.

Nun absolvierte das Ei auf Rädern seine ersten Alltagstests. Sie liefen von Mitte Juni bis Anfang Juli in der "Sino-Singapore Tianjin Eco-City". In der umweltbewussten Zukunftsstadt, die gerade als Gemeinschaftsprojekt der chinesischen Hafenmetropole Tianjin und dem Stadtstaat in Südostasien erbaut wird, sollen ab 2020 rund 350000 Menschen ökologisch nachhaltig leben. Sie könnten sich künftig autonom und elektrisch fortbewegen.

GMs EN-V jedenfalls bietet beides, die Abkürzung steht für Elektronetzwerk-Vehikel. Es lässt sich wahlweise automatisch fahren oder von Hand steuern. Mit vollgeladenen Lithium-Ionen-Akkus soll der Zweisitzer 40 Kilometer weit kommen.

Das Unternehmen gibt sich zuversichtlich, solch ein intelligentes Fahrzeug bis 2020 im Stadtverkehr einsetzen zu können. Wie andere autonome Fahrzeuge auch, orten Sensoren Hindernisse und mobile Objekte. Alle Daten werden an den Bordcomputer weitergeleitet, der durch Abgleichen mit seiner Datenbank prüft, mit welchen Objekten es das Fahrzeug zu tun hat. Basierend auf dieser Entscheidung berechnet der Computer, ob etwa ein Überholvorgang möglich ist oder ob das Fahrzeug abgebremst werden muss. Das EN-V ist zudem dank mobilem Internet in der Lage, mit anderen Fahrzeugen, die seinen Weg kreuzen, zu kommunizieren.

Dennoch bleiben große Herausforderungen. Zu ihnen zählt vor allem unerwartetes menschliches Verhalten, wie es gerade im Stadtverkehr häufig ist. Achtlose Fußgänger können einfach auf die Straße laufen, andere Fahrer abrupt die Richtung ändern oder unentschlossen an Kreuzungen zögern. Das Robo-Auto muss trotz weitgehend unbekannter Situation schnell und richtig reagieren. Ob das wie von GM erhofft bis 2020 gelingt, muss sich zeigen.

In Tianjin testen darüber hinaus auch Ingenieure der Universität für Militärtransport ein autonomes Fahrzeug. Dieses Modell soll bereits 10000 Testkilometer bewältigt haben und schon in fünf Jahren im Straßenverkehr einsetzbar sein, verkünden die chinesischen Entwickler. Sie haben sich jedoch ein weniger anspruchsvolles Ziel als die GM-Techniker gesetzt – aber unter Umständen ein realistischeres: Ihr Auto soll zunächst nur in weniger dicht besiedelten Regionen als Transportmittel auf langen Strecken Verwendung finden. (bsc)