The electric One: OX Motorcycles One

Das Elektromotorrad One im Retro-Stil der jungen, spanischen Marke OX Motorcycles ist für den urbanen Einsatz konzipiert und bietet ein paar pfiffige Lösungen.

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Einen interessant wirkenden und elektrisch angetriebenen City-Cruiser verspricht OX Motorcycles.

(Bild: OX)

Von
  • iga

Elektromotorräder haben es nicht einfach: zu wenig Reichweite, zu lange Ladezeiten, zu schwer und dann auch noch teuer. Immer mehr Biker erkennen aber ihre Vorteile: kräftiges Drehmoment aus dem Stand, einfach, wartungsarm und leise. Weltweit werden jedes Jahr hunderttausende Elektro-Krafträder gekauft. Besonders in China sind sie heiß begehrt, da viele Städte die Zulassungen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor begrenzen.

Bei uns sind die meisten kleinen Elektro-Flitzer zwar auf 45 km/h begrenzt, aber schon für rund 2000 Euro zu haben und selbst stärkere E-Roller, die es auf rund 70 km/h bringen, kosten meist weniger als 4000 Euro. Der simple Aufbau gleicht die hohen Akkupreise bei den kleinen E-Krädern bereits zum größten Teil aus. Reizvoll sind sie auch für Autoführerscheinbesitzer, die sie mit der Erweiterung B196 fahren dürfen, ohne dafür eine Prüfung ablegen zu müssen, lediglich ein paar praktische und theoretische Stunden sind Pflicht.

Elektroroller im Test

Die pfiffige Marke OX Motorcycles hat sich überlegt, ein urbanes Vehikel nicht als Roller, sondern als schick gestyltes E-Motorrad anzubieten. Nicht in Konkurrenz zu den großen Motorrädern mit Verbrennungsmotoren, sondern als hippes Retrokrad für das Pendeln zum Arbeitsplatz, zum Shoppen in der Innenstadt oder zur Fahrt ins nächste Café. Die One bietet die Fahrleistungen einer 125er mit Verbrennungsmotor und hält auch etwa deren Preisniveau, möchte aber als urban Vehicle verstanden werden. Wer also lautlos, doch nicht unauffällig durch die City cruisen möchte, sitzt richtig im Sattel des Retro-E-Bikes.

OX Motorcycles One (7 Bilder)

Die junge Marke OX Motorcycles aus Spanien bringt ein schickes Elektro-Motorrad im Retro-Stil. Die One verbindet geschickt klassische mit modernen Elementen.

Mehr noch: Die OX One wurde "erschaffen für die Stadt der Zukunft", wie das junge Unternehmen aus Bilbao ihr erstes Elektromotorrad bewirbt. Das Design entsteht aus einer Verbindung von Retro-Elementen und glatten Flächen. Ein großer Rundscheinwerfer mit LED-Licht prägt die Front, die Linie der etwas eckigen Tankattrappe geht fließend in die Sitzbank im Stil der 70er über. Dank eines breiten und relativ hoch gekröpften Lenkers hockt der Fahrer angenehm aufrecht auf dem E-Bike. Als nettes Feature gibt es kleine Lenkerenden-Spiegel, die perfekt zum coolen Auftritt passen. Bei den Schutzblechen herrscht Minimalismus, auf dem hinteren Kotflügel sitzen ein rundes LED-Rücklicht und zwei kleine Blinker.

Während OX Motorcycles bei dem ersten Prototyp von 2019 noch auf eine herkömmliche Telegabel mit nostalgischen Faltenbälgen setzte, kann für die zukünftige Serienmaschine auch eine moderne Upside-down-Gabel geordert werden. Hinten arbeitet eine schön schlicht gehaltene Schwinge mit zwei Federbeinen und einer gelochten Scheibenbremse. Einen leichten Tadel gibt es für die an der Schwinge befestigten Sozius-Fußrasten – die sind zwar hübsch golden eloxiert, aber der Beifahrer bekommt jede Federbewegung in die Knie weitergeleitet.

Die wichtigsten 125er

Auffallend sind die beiden fetten Rillenprofil-Reifen im Nostalgie-Stil, vorn ein Drahtspeichenrad mit einer einzelnen Scheibenbremse. Am Prototypen sieht man auch hinten noch ein solches Rad, in der Serienausführung hingegen eine Gussfelge mit Radnabenmotor, der seine 8 kW Leistung direkt überträgt.

In der vorderen Nabe könnte man einen zweiten Antriebsmotor vermuten, sie ist immerhin etwa so groß wie die hintere. Der Hersteller sagt nichts über diese Möglichkeit, hält sie sich aber vielleicht offen. Der Prototyp jedenfalls war noch mit einer normalen Nabe ausgestattet, wie sich auf den Bildern leicht erkennen lässt.

Das Zentrum der OX One bildet ein großer, schwarzer Kasten. In ihm befinden sich zwei 72-Volt-Akkus mit 20 Ah. Daraus errechnet sich zwar eine Kapazität von rund 1,44 kWh, allerdings macht OX Motorcycles keine Angaben zum nutzbaren Hub. Die beiden je 14 Kilogramm schweren Akkus lassen sich herausnehmen. Sehr praktisch für Besitzer ohne Garage oder externen Stromanschluss. Sie können die Batterie warm, trocken und diebstahlsicher in der Wohnung aufladen.

OX Motorcycles One Details (8 Bilder)

Der hintere Kotflügel ist purer Minimalismus. Passend dazu ein rundes LED-Rücklicht und zwei kleine Blinker.

14 kg sind zwar nicht wirklich leicht, die Akkus können aber dank eines Handgriffs von halbwegs fitten Personen ohne Zusammenbrüche in den zweiten Stock getragen werden. Laut Hersteller lässt sich ein Akku in zwei Stunden von null auf achtzig Prozent aufladen, der Ladezustand wird auf einem kleinen Display angezeigt.

Sind beide Batterien voll, soll die OX One hundert Kilometer schaffen. Erfahrungsgemäß sind das Angaben unter Idealbedingungen, also mit Tempo 50 an windstillen Sommertagen. Aber selbst, wenn es in der Realität 80 Kilometer sind, reicht das für mehrere Tage im urbanen Einsatz. Dennoch wollen die Entwickler den Fahrspaß nicht zu kurz kommen lassen und setzen die Höchstgeschwindigkeit auf immerhin 110 km/h fest. Kurz in Erinnerung gerufen: Auf spanischen Landstraßen gilt ein Tempolimit von 90 km/h. In Anbetracht der Tatsache, dass Elektromotoren viel Drehmoment bieten und die OX One nur 140 Kilogramm wiegt, könnte das spanische Elektromotorrad also durchaus hohen Unterhaltungswert bieten.

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Ihren Anspruch an die Moderne unterstreichen die Entwickler mit einem TFT-Display, das den Ladezustand und einige andere aktuelle Werte wie Gesamtkilometer und Tripmaster anzeigt. Die One verfügt über drei Fahrmodi, um den Stromverbrauch regulieren zu können. Außerdem kann ein zweites Display geordert werden, das auf den Lenker montiert wird und sich per Bluetooth mit dem Smartphone verbindet. So kann es Karten-Navigation anzeigen und bei einem Unfall einen Notruf absetzen. OX Motorcycles kommuniziert mit dem Bike und bietet auf dieser Basis eine Ferndiagnose- und eine Ortungsfunktion.

OX Motorcycles will die One ab September zunächst in Spanien, dann in Italien und Frankreich anbieten. Noch steht nicht fest, ob sie auch zu uns importiert wird, doch gerade der zahlungskräftige deutsche Markt könnte sich für den spanischen Hersteller lohnen. Wer für die One bis 31. März für eine Anzahlung von 150 Euro leistet, bekommt sie zu einem Preis von 4990 Euro, danach wird sie 5200 Euro kosten.

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(fpi)