Individueller Bahnverkehr

Das CountryCab soll eingleisige Eisenbahnstrecken auf Zuruf für die Landbevölkerung nutzbar machen.

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Transport: Bahnverkehr autonom wiederbelebt

(Bild: Verein Landeseisenbahn Lippe)

Von
  • Ben Schwan

Der schienengebundene ÖPNV ist schnell, kann viele Menschen transportieren und ist klimafreundlich. In vielen Ländern der Erde gibt es dennoch zahllose brachliegende Eisenbahnstrecken, die nur darauf warten, erneut in Betrieb genommen zu werden – wären die Fahrzeuge und die Wiederherstellung der notwendigen Infrastruktur nicht so teuer, wie sie es heute noch zumeist sind.

Hier soll das in diesem Jahr mit dem Deutschen Mobilitätspreis, der Innovationen zur nachhaltigen Mobilität prämiert, ausgezeichnete Projekt CountryCab des Vereins Landeseisenbahn Lippe e.V. (LEL) greifen. Die Idee: Auf einer alten Eingleisstrecke zwischen Lemgo und Extertal in NRW sollen künftig ganz spezielle Züge unterwegs sein – und wenn das klappt, auch in anderen Regionen.

Alte Eisenbahnhstrecken müssen nicht so aussehen.

(Bild: "Zugewachsene Trasse bei Sonneborn" / Benedikt Vogelsteller / cc-by-sa-3.0)

Der LEL e.V. ist eigentlich Betreiber klassischer Museumseisenbahnen, hat Dampfloks und Wagen und schickt diese regelmäßig im Lippe-Gebiet auf die Schiene. Gleichzeitig engagiert sich der Verein dafür, stillgelegte Strecken in der Region wiederzubeleben, was auch schon im elektrischen Fahrbetrieb geglückt ist.

Mit CountryCab will man nun auf moderne Technik setzen. Statt reguläre Wagen mit Oberleitungs- oder Dieselantrieb zu nutzen, sollen es kleine Monocabs sein, die nur eine Schiene benötigen, denn sie verfügen über ein integriertes Gyroskop (Kreiselsensor), das die Fahrzeuge stets aufrecht hält – mittels Kreiselstabilisierung.

Der LEL-Verein versucht, die Landeseisenbahn Lippe zu bewahren.

(Bild: Archiv LEL)

Die Macher nehmen sich dabei das Paternosterprinzip als Vorbild: Wie in einem ständig umlaufenden Aufzug sind die Monocabs dauernd und auf Zuruf unterwegs. Wer ein Fahrzeug braucht, kann es per App oder Sprachassistentin ("Alexa, hol schon mal den Wagen!") buchen und an kompakten Stationen – große Bahnhöfe braucht es nicht – einsteigen.

24 Stunden am Tag sollen die akkubetriebenen Monocabs auf der Linie fahren – dank Einschienenbenutzung praktischerweise auch beidseitig. Je nach Bedarf können mehr oder weniger Fahrzeuge auf Strecke geschickt werden. Die Demonstrationsanlage wäre, sollte sie tatsächlich umgesetzt werden, rund 30 Kilometer lang. Laut Angaben der Macher vom LEL e.V. ist sie für das Projekt grundsätzlich frei und betriebsbereit: "Hier wird vieles genutzt, was schon vorhanden ist." Nur noch das notwendige Kleingeld fehlt.

Konzeptzeichnung des CountryCab.

(Bild: Verein Landeseisenbahn Lippe)

Sollte CountryCab tatsächlich starten, wollen LEL e.V. und Projektleiter Thorsten Försterling, Diplomingenieur und Innovationsmanager in Bielefeld-Sennestadt, ihre Region Nordlippe zu einem "Mekka der Mobilitätsforschung und -entwicklung" machen. "CountryCab verbindet die Idee eines Monocabs mit automatisiertem Fahren, einer historischen Bahnstrecke, einem ehrenamtlichen Unternehmen, einem regionalen Netzwerk, der Technik der kreiselstabilisierten Einschienenbahn und dem Konzept des Paternosters zu einem Fortbewegungsmittel für die Zukunft ländlicher Räume", heißt es in der Projektbeschreibung, die beim Gewinn des Deutschen Mobilitätspreises half.

(bsc)