US-Behörde CDC bestätigt: Aerosole sind Übertragungsweg für Coronavirus

Mit neuen offiziellen Covid-Informationen wollen die USA mehr Klarheit schaffen. Experten finden sie aber immer noch zu vorsichtig – und teils irreführend.

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(Bild: Photo by Ashkan Forouzani on Unsplash)

Von
  • Charlotte Jee

Die US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) haben ihre Richtlinien zum neuartigen Coronavirus aktualisiert: Sie geben jetzt an, dass das Virus durch kleine Partikel in der Luft verbreitet werden kann. Grund für die Änderung waren laut der Behörde zunehmende Belege dafür, dass Covid-Infektionen auch über mehr als zwei Meter Abstand weitergegeben werden und sogar dann, wenn eine infizierte Person einen Bereich kurz vorher verlassen hat.

All diese Fälle wurden in schlecht belüfteten geschlossenen Räumen registriert und hatten oft mit Aktivitäten zu tun, die stärkeres Atmen erfordern, Singen oder Sport etwa. Allgemein „sind die CDC auf Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Forschung jedoch weiterhin der Ansicht, dass eine Infektion umso wahrscheinlicher ist, je länger und näher sich ein Mensch an einer mit Covid-19 infizierten Person aufhält“, teilten sie mit.

Die lange erwartete Aktualisierung könnte zu mehr Klarheit beitragen. Denn im September hatten die CDC Übertragungen durch Erreger in der Luft zunächst bestätigt und diese Aussage dann plötzlich zurückgezogen.

Die Belege für Luft-Übertragungen mehrten sich seit Monaten. Im Juli schrieben 239 Experten einen offenen Brief an die WHO und verlangten von ihr, darauf hinzuweisen. Doch die WHO erkennt den Übertragungsweg weiterhin nicht als signifikanten Faktor in der Pandemie an, und die langsame Reaktion der CDC sorgte für Unzufriedenheit unter Aerosol-Forschern, von denen manche ihn für den wichtigsten halten.

Laut CDC spielt er nur „unter wenigen, ungewöhnlichen Umständen“ eine Rolle. Damit sind Übertragungen über Luft-Partikel zu einem Streitthema geworden, unter anderem weil davon abhängt, wie riskant es ist, Orte wie Restaurants, Fitness-Studios, Schulen oder Büros zu öffnen.

Die CDC raten dazu, mindestens 2 Meter Abstand zu anderen Menschen zu halten, eine Maske über Mund und Nase zu tragen, oft die Hände zu waschen, Oberflächen häufig zu reinigen und zuhause zu bleiben, wenn man sich krank fühlt. Luft-Übertragungen könnten allerdings bedeuten, dass die Behörde einen neuen Schwerpunkt setzen und weiter gehen muss.

Sie könnte empfehlen, Gebäude gut zu lüften, die Zahl von Personen in Innenräumen zu begrenzen und darin die Maske aufgesetzt zu lassen und Abstand zu halten; Treffen sollten wenn möglich im Freien stattfinden. „Die Leute müssen verstehen: Aerosol-Übertragung ist, wie wenn jeder Zigaretten-Rauch ausatmet und man selbst möglich wenig davon einatmen will. Stellen Sie sich einfach vor, dass jeder um Sie herum Rauch ausatmet, und versuchen Sie, ihm zu entgehen“, sagt Jose-Luis Jimenez. Der Chemie-Professor an der University of Colorado in Boulder beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Aerosolen.

Das neue CDC-Update sei verwirrend, kritisiert Jimenez. So werde darin statt des weithin bekannten Wortes „Aerosole“ die Umschreibung „kleine Tröpfchen“ verwendet und die Bedeutung der Übertragung über diesen Weg heruntergespielt.

„Wir wissen, dass Superspreader-Ereignisse eine wichtige Komponente der Übertragung sind. Und jedes einzelne davon, das untersucht wurde, scheint durch Aerosol-Übertragung dominiert gewesen zu sein“, sagt der Professor. Zudem stellten die CDC solche Übertragungen durch den Aufenthalt im selben Raum als selten dar, was nicht korrekt sei: „Sie sind zum Beispiel die wahrscheinlichste Erklärung für den Ausbruch im Weißen Haus.“

(sma)