US-Regierung revidiert Erdöl-Prognosen erneut

Der Geologische Dienst der Vereinigten Staaten (USGS) schraubt seine Vorhersagen für heimische Vorkommen immer weiter nach oben.

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  • Kevin Bullis

Der Geologische Dienst der Vereinigten Staaten (USGS) schraubt seine Vorhersagen für heimische Vorkommen immer weiter nach oben.

Der Geologische Dienst der Vereinigten Staaten (USGS) schraubt seine Vorhersagen für heimische Ölvorkommen immer weiter nach oben. Im Jahr 1995 hatten die USGS-Experten noch geschätzt, dass sich 150 Millionen Barrel Öl aus der Formation im Williston Basin herausholen lassen, das sich über die US-Bundesstaaten South Dakota, North Dakota und Montana erstreckt. Im Jahr 2008 rechnete der Dienst schon mit 3,65 Milliarden Barrel. Dieser Wert lag ungefähr um Faktor 25 über der vorangegangenen Analyse. Nun prognostiziert der jüngste USGS-Bericht, dass sogar bis zu 7,4 Milliarden Barrel Öl gefördert werden könnten.

Wie kann immer mehr Öl sprudeln, während gleichzeitig das "schwarze Gold" unentwegt aus der Erde gepumpt wird? Warum sinken die Förderquoten nicht, wo doch viele Lagerstätten bereits erschöpft sind?

Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen ist das Wissen der Geologen über ölhaltige Formationen immer noch lückenhaft. Je mehr Lagerstätten angebohrt werden, umso mehr lernen die Experten dazu.

Zum anderen ging es beim USGS-Bericht nicht um die Frage, wie viel Öl in dem Gebiet insgesamt liegt. Stattdessen bewerteten die Forscher jene Menge, die sich ihrer Meinung nach mit den derzeit verfügbaren technischen Mitteln fördern lässt.

Weil Explorationstechnologien immer ausgefeilter werden, können sie mehr Öllager erreichen – somit muss die Bewertung von Vorräten nach oben korrigiert werden. In der jüngsten Statistik ist der Einsatz neuester Fördertechniken mit berücksichtigt: horizontales Bohren und Fracking. Sie eröffnen den Zugang zu riesigen neuen Ressourcen an kostbarem Treibstoff, der sich im Williston Basin in einer vergleichsweise dünnen Gesteinsschicht in gut drei Kilometern Tiefe verbirgt.

Über horizontale Bohrungen kann eine einzige Förderstelle wie ein Rad mit Speichen weite Flächen erreichen. So wird das Schieferöl des Williston Basin, aus dem das Öl anschließend noch "herausdestilliert" werden muss, um ein Vielfaches ertragreicher erschlossen. Mit dem ökologisch umstrittenen Fracking wird das Öl aus dem Gestein getrennt. Man presst bei dieser Fördermethode einen Mix aus Sand, Wasser und Chemikalien in den tiefen Untergrund.

Die vielen Unwägbarkeiten bei technologischen Innovationen machen es schwer vorherzusagen, wie lange unser Öl noch reichen wird. Eine weitere Unsicherheit ist der Ölpreis. Steigt er, lohnt sich die Ausbeutung von Vorkommen, die vorher nicht wirtschaftlich zugänglich waren.

Natürlich kann sich die Vorhersage der Internationalen Energieagentur, dass Amerika bis 2020 weltgrößter Erdölproduzent wird, als falsch herausstellen. Dennoch sollten alle, die meinen, wir müssten uns von fossilen Energien verabschieden, aufhören darauf zu setzen, dass diese Rohstoffe zur Neige gehen. Sie tun es nicht. Es gibt im Untergrund Öl und Erdgas in rauen Mengen. (bsc)