TR: Wegbereiter

Zum vierten Mal kürt Technology Review die 50 innovativsten Unternehmen des Jahres. Das entscheidende Kriterium für die Auswahl: bahnbrechende Ideen und wegweisende Fortschritte.

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Seit es Technology Review gibt, sucht das Magazin nach Firmen und Menschen, die sich an der Grenze des Möglichen bewegen – und sich dann daransetzen, die Grenze zu verschieben. Bereits zum vierten Mal kürt Technology Review vor diesem Hintergrund die 50 innovativsten Unternehmen des Jahres, denen dabei ein entscheidender Erfolg gelungen ist.

Innovation ist wie Intelligenz: Man kann sie messen und dann lange darüber streiten, was man eigentlich gemessen hat. Wir messen nicht. Technology Review sucht nach technologischen Wendepunkten, die zum Umdenken zwingen. Wer diese Punkte markiert hat, fasst die Liste der "50 innovativsten Firmen" zusammen:

(Bild: Adidas)

  • Adidas
    erfindet die Produktion von Sportschuhen neu. Lange nach Asien ausgelagert, kommt sie nun dank Automation und 3D-Druck wieder zurück nach Deutschland. Adidas baut derzeit eine "Speedfactory" in Ansbach auf, die individualisierte Schuhe aus dem 3D-Drucker erzeugt. Eine zweite Fabrik wurde für Atlanta angekündigt.
  • Alibaba
    Der chinesische Online-Handelsriese setzt auf künstliche Intelligenz (KI) in der Cloud. Das neueste Produkt heißt ET Medical Brain und soll medizinisches Personal unterstützen. Denn China hat nicht nur wenige Ärzte pro Kopf, sondern auch einen Bevölkerungsanteil von 43 Prozent, der auf dem Land lebt und somit fast keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hat. Alibabas Tochter-unternehmen Ant Financial erobert mit KI unter anderem die Versicherungsbranche. Sein mobiler Bezahldienst Alipay hat über 450 Millionen aktive jährliche Nutzer. Nun bietet es ein Regulierungssystem für Versicherer, das Maschinenlernen nutzt, um Handyfotos von Unfällen zu analysieren und den Schaden abzuschätzen.

TensorFlow als Tool für künstliche Intelligenz.

(Bild: Adam Nickel)

  • Alphabet
    Beim Cloud Computing hat sich Google von Amazon und Microsoft abhängen lassen – jetzt aber setzt es neue Standards mit TensorFlow. Zunächst als internes Hilfsmittel für Maschinenlernsoftware gestartet, ist TensorFlow dabei als frei zugängliche Plattform zum wichtigsten Werkzeug für Maschinenlerndienste zu werden.
  • Amazon
    schafft das KI-gesteuerte Warenhaus der Zukunft – und setzt mit Alexa auf eine digitale Assistentin, die auf eigenen Geräten läuft. Der US-Konzern weitet den Gerätepark stetig aus, vom schlichten Lautsprecher bis hin zur Multimedia-Konsole. Künftig soll sich Alexa auch in Autos niederlassen. So schafft es Amazon, die physische Welt eng mit den eigenen Dienstleistungen zu verweben.

Aus diesem Seidenfaden soll bald Sportbekleidung entstehen.

(Bild: Amsilk)

  • Amsilk
    2013 gelang es dem Unternehmen Amsilk erstmals, den seidenen Faden der Spinne künstlich herzustellen. Dazu hat die Firma herausgefunden, unter welchen spezifischen Bedingungen sich Biopolymere spontan zur richtigen Struktur ordnen. Seitdem schaffen Maschinen, was vorher nur Spinnen möglich war: Ein Material zu produzieren, das reißfester ist als Stahl, elastischer als Gummi, sauerstoffdurchlässig und wasserabweisend. Zusammen mit Adidas entstand bereits der Prototyp eines Laufschuhs geschaffen, dessen Obermaterial zu 100 Prozent aus der Spinnenseidenfaser besteht.

Die Form des Stuhls hat sich eine Software ausgedacht.

(Bild: Autodesk)

  • Autodesk
    Der Softwarehersteller will Designern ein ganz neues Universum an Möglichkeiten eröffnen: Sie brauchen nur noch grobe Eckdaten einzugeben, und ein Algorithmus erzeugt daraus – oft überraschende – Konstruktionsvorschläge. Der filigrane Stuhl aus Nussbaumholz ist ein Vorzeigeobjekt des Forschungsprojekts "Dreamcatcher" von Autodesk.
  • Blue Prism
    ist Spezialist im Automatisieren von Routine- und Büroarbeiten durch sogenannte robotergesteuerte Prozessautomatisierung. Die Software von Blue Prism erfordert dazu keine Programmierarbeiten und funktioniert mit allen gängigen Anwendungen.
  • Caterva
    Die Siemens-Ausgründung vernetzt private Hausakkus, um das Stromnetz zu stabilisieren. Dabei vermarktet es die Speicher als Primär-Regelleistung, wo der Strom binnen 30 Sekunden fließen muss. Das ist anspruchsvoller, aber auch lukrativer als die "Sekundär"-Regelenergie, wo Leistung binnen 15 Minuten bereitgestellt werden muss. Vom erwirtschafteten Geld profitieren auch die Kunden. Caterva verspricht ihnen Einnahmen von bis zu 1000 Euro im Jahr. Die dahinterliegende Software soll künftig auch Großspeicher im Megawatt-Bereich steuern.
  • Continental
    Per Vernetzung sollen Fahrzeugdaten mit anderen geteilt werden. Bei einer Kooperation mit dem Wetterdienst Météo-France werden Autos beispielsweise dank eingebauter Sensoren zu rollenden Wetterstationen. Derzeit läuft ein Test mit 200 Fahrzeugen in Frankreich. Continental entwickelt zudem – wie Quanergy – ein kompaktes Lidarsystem für autonome Autos, das ohne rotierenden Spiegel auskommt. Die Serienproduktion soll 2020 beginnen.

Die Raffinerie von Covestro in Krefeld könnte bald Biomasse statt Erdöl verarbeiten.

(Bild: Covestro)

  • Covestro
    Lange war die chemische Industrie nicht gerade eifrig beim Thema grüne Kunststoffe. Nun aber macht Covestro ernst und will Millionen Tonnen statt auf Erdöl- auf pflanzlicher Basis herstellen. Der Konzern hat ein Verfahren gefunden, die Basischemikalie Anilin aus nachwachsenden Rohstoffen zu produzieren. Zwei kleinere Anlagen arbeiten bereits – eine in den Niederlanden, die andere in Leverkusen.