Upcycling: Photovoltaik auf dem Balkon realisieren

Wir zeigen, wie aus alten Solarmodulen sinnvolle Balkonsolargeräte werden. Mit denen erzeugen Sie CO2-freien Strom.

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Foto einer Gebäudefassade mit Balkonen. An einem Balkongeländer hängen Solarmodule.
Von
  • Sebastian Müller
Inhaltsverzeichnis

Dieser Artikel entstand aus drei Workshops, die ich und Rolf Behringer vom Verein Solare Zukunft e. V. organisiert vom FESA e. V. in Freiburg, im Herbst 2021 durchgeführt haben. Wir wollten sehen, ob es möglich ist, aus alten Solarmodulen, die bereits 20 Jahre auf dem Dach einer Schule lagen, neue Balkonsolargeräte zu bauen. Dabei wollten wir nicht nur wissen: Geht das? Sondern: Wie geht das technisch? Aber auch und viel wichtiger: Kann man das einfach so machen oder ist es zu gefährlich?

Nach drei Workshops können wir darauf einige Antworten geben und wollen hier unser Wissen teilen, damit viele alte Solarmodule noch ein langes zweites Leben haben und CO2-freien Strom erzeugen.

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Die Vorstellung aus dem Licht der Sonne Strom zu erzeugen ist faszinierend. Was wir als modern und neu erleben, ist dabei schon recht alt: Die erste Solarzelle aus Silizium wurde in den Bell Laboratories 1953 gefertigt. Den Wirkungsgrad gab man mit etwa 5 Prozent an. Seitdem gab es viel Fortschritt und so erzielen aktuelle Module Wirkungsgrade von über 20 Prozent.

Kurzinfo
  • Alte Solarmodule upcyclen
  • Testen, verkabeln und betreiben
  • Rechtliche Bedingungen

Checkliste

  • Zeitaufwand: 8 Stunden
  • Kosten: 200 Euro
  • Hochspannung: Arbeiten am 230V Netz! Fragen Sie ihren Elektriker

Material

Werkzeug

  • Reinigungsmaterial Wasser, Spülmittel, Schwämme
  • Multimeter Messbereich >200V DC, 10A Strom
  • Elektrowerkzeug Schraubendreher, Seitenschneider, Abisolierer
  • Crimpzange für MC4-System (Bezugsquelle)
  • Bohrmaschine je nach Befestigungsart

1979 installierte Markus Real, ein schweizer Ingenieur des Eidgenössischen Instituts für Reaktorforschung, auf einen Schuppen im Kanton Argau einige Solarpaneele – damals eher aus der Weltraumforschung bekannt – und verband sie über einen selbstgebauten Wechselrichter mit dem Stromnetz. Den Wechselrichter hatte Real selbst entwickelt, die Solarpaneele aus den USA importiert. Er hatte dem Elektrizitätswerk nicht mitgeteilt, dass er Strom in sein Heimnetz einspeist und vermutlich bei möglicher Überproduktion auch in das allgemeine Stromnetz abgab.

Er war sozusagen der erste Solar-Guerilla und auch heute betreiben viele Menschen ihre Solaranlage, ohne den Netzbetreiber zu informieren. Die Idee, Solarstrom vom Balkon über die Steckdose mit einem Netzentlastungsgerät (heute Wechselrichter) einzuspeisen, lässt sich bis ins Jahr 1988 zurückverfolgen.

Die erste Anlage, die dann auch mit dem Wissen des E-Werks gebaut wurde, folgte 1982 im Tessin und hatte zehn Kilowatt Peak (10 kWp) Spitzenleistung. Die Anlage wurde nach 35 Jahren Betriebszeit abgebaut und untersucht. Ein großer Teil der Solarzellen hatte sich gut gehalten. 58 Prozent der 288 Solarmodule hatten nach 35 Betriebsjahren noch eine Leistung von 80 Prozent oder mehr. Auch in unseren Workshops hatten wir beim Durchmessen der Module nur wenige Ausfälle, solange das Modul unbeschädigt war oder sich nicht verfärbt hatte.

Balkonsolar in Betrieb

Üblicherweise geben Hersteller von Solarmodulen heute eine Garantie von mindestens 80 Prozent Leistung nach 20 Jahren. Man sieht also, alte Solarpaneele haben durchaus das Potenzial, noch weiter genutzt zu werden und Strom zu produzieren. Man muss sie nicht aussortieren, dann teuer entsorgen und recyclen, wenn man upcyclen kann.

Danksagung

FESA e. V. für die Organisation der Bastelworkshops

Norbert Pfanner, Messtechnik

Rolf Behringer vom Verein Solare Zukunft e. V. für die Organisationsarbeit beim Basteln

Michael Werner für viele Fotos

Den Mitgliedern Arbeitsgemeinschaft PVplug der Deutschen Gesellschaft für Solarenergie, die sich immer wieder gegen große Netzbetreiber und Stromversorger durchsetzen mussten.

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