Goldfisch steuert über einen Roboter sein eigenes Aquarium

Haben Tiere einen allgemeinen Navigationssinn und zwar unabhängig vom eigenen Lebensraum? Ein Experiment liefert jetzt Indizien dafür.

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Ein Goldfisch auf Abwegen: Hier steuert sich der trainierte Fisch in seinem fahrbaren Aquarium eine Straße entlang.

(Bild: Ben-Gurion University of the Negev)

Von
  • Jan Oliver Löfken

Ein guter Orientierungssinn ist für Tiere in freier Wildbahn essenziell. Nur wer als Jäger zielsicher seine Beute oder als Gejagter rechtzeitig einen Unterschlupf findet, überlebt. Doch wie universell sind die Navigationsfähigkeiten von Tieren? Dieser Frage wollten israelische Verhaltensforscher von der Ben-Gurion University of the Negev in Be’er Scheva mit einem skurrilen Versuchsaufbau am Beispiel eines Goldfisches beantworten.

Dafür konstruierten die Forscher um Shachar Givon und Matan Samina ein "Fish Operated Vehicle (FOV)", bei dem ein kleines, gläsernes Aquarium auf einem fahrbaren Untersatz montiert war. Von oben verfolgte ein Beobachtungssystem aus Kamera und Laserscanner die Bewegungen des Fisches. Die elektronische Steuerung lenkte das mit Elektromotoren angetriebene Fahrzeug immer genau in die Richtung, in die sich der Fisch ausrichtete oder bis zum Kontakt mit der Glasscheibe des Aquariums schwamm. So konnte sich der Goldfisch auch "an Land" fortbewegen. Dieser Versuchsansatz beruht auf einer Methode der Verhaltensforschung, bei der Tiere aus ihrem gewohnten Lebensraum gerissen und in eine für sie ungewohnte Umgebung gesetzt werden.

Ben-Gurion University

Mehrere Tage lang trainierten die Forschenden den Goldfisch und brachten ihm bei, wie er das Fahrzeug steuern konnte. Dafür konditionierten sie den Fisch auf ein Zielobjekt außerhalb des Aquariums. Wenn der Fisch das Fahrzeug zu diesem Objekt lenkte, wurde er mit Futter belohnt. Nach und nach lernte der Fisch die Steuerung des Fahrzeugs so gut, dass er sogar kleine Hindernisse umfahren konnte, um das Zielobjekt – inklusive Futterbelohnung – zu erreichen. "Diese Studie liefert Hinweise, dass die Fähigkeit zur Navigation universell ist und unabhängig von der spezifischen Umgebung", sagt Givon. Zudem zeige es, dass ein Goldfisch komplexe kognitive Aufgaben auch außerhalb seines gewohnten Lebensraums erfüllen könne.

Ob dieses Experiment allerdings als harter Beweis für die Universalität des Orientierungssinns von Tieren gelten kann, ist eher fraglich. Denn der Fisch selbst bleibt ja in seiner angestammten Wasserumgebung und erreicht das – vielleicht für ihn nicht ganz deutlich erkennbare – Zielobjekt allein durch seine für ihn typischen Schwimmbewegungen. Doch vielleicht finden sich in Zukunft noch ausgefeiltere Versuchskonzepte, um das Verhalten von Tieren außerhalb ihrer Lebensräume zu untersuchen. Ein Beleg für die verblüffende Lernfähigkeit von Goldfischen ist das Experiment aber allemal.

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(jle)