Videokonferenzen: Mit Virtual Reality und Games zu mehr Spaß

Um Isolationsgefühlen der Mitarbeiter in digitalen Meetings entgegenzuwirken und die Zusammenarbeit zu stärken, könnten spielerische VR-Elemente helfen.

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(Bild: vichie81 / Shutterstock.com)

Von
  • Tanya Basu
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Vor kurzem plauderte Mark Zuckerberg mit der Moderatorin Gayle King in der Fernsehsendung CBS "This Morning". Aber anstatt in einem Studio zu sitzen oder eine Videokonferenz-App zu nutzen, trafen sich die beiden in einer virtuellen Umgebung namens "Horizon Workrooms". Diese Facebook-App versetzt die Nutzer über das Firmen-Headset Oculus in einen virtuellen Raum. Die cartoonartigen Avatare von Zuckerberg und King nahmen an einem virtuellen Konferenztisch Platz, während Bewegungssensoren ihre Kopf- und Handbewegungen nachmachten.

Der ganze Effekt war bestenfalls unbeholfen. King bewunderte Zuckerbergs Sommersprossen, während dieser über das "Metaversum" schwadronierte. An einem Punkt stellte King die entscheidende Frage: "Wurden Sie gerade herausgezoomt? Denn ich wurde herausgezoomt."

Horizon Workrooms - Remote Collaboration Reimagined

Mit dem Stichwort "Zoom" hatte King eben jenes Unternehmen ins Spiel gebracht, das mit seiner Anwendung fast eine Milliarde Dollar eingenommen hatte. Doch nach achtzehn Monaten Pandemie hatte sich nicht nur das Verb "zoom" verbreitet, sondern auch das "Auszoomen" oder die "Zoom-Müdigkeit", eine häufige Beschwerde von Menschen, die die Videokonferenz-App täglich nutzen.

Kein Wunder, dass sich andere Technologieunternehmen fragen, wie sie diese Nachteile die digitalen Meetings verhindern können. Zumal es nicht so aussieht, als ob die Arbeit per Fernzugriff bald ein Ende hat. Aber um Zoom vom Thron zu stoßen, müssen sie sich etwas einfallen lassen.

Diese Problematik hat auch Facebook erkannt. Horizon Workrooms ist der erste Schritt des Unternehmens in Richtung seines eher vagen Ziels, ein digitales "Metaverse" zu schaffen. Damit ist grob gesagt ein virtueller Raum gemeint, in dem Menschen arbeiten, spielen und vermutlich jede Menge lukrativer Werbung sehen. Aber Horizons Workroom wurde nach seiner Vorstellung eher belächelt. Die einhellige Meinung war, dass weder die Technik noch die Mitarbeiter für einen vollständig immersiven virtuellen Arbeitsplatz bereit waren.

Dennoch möchten die Unternehmen mit aller Kraft die Zusammenarbeit und Kollegialität in einer entfernten Umgebung fördern. Während ein vollständig immersives VR-Setup im Moment vielleicht noch einen Schritt zu weit geht, versuchen viele, Meetings unterhaltsamer zu gestalten – etwa durch virtuelle Welten, die Videospielumgebungen ähneln, oder indem sie Videospiele selbst als Setting für Meetings verwenden. So hofft man, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter produktiver und glücklicher zu machen.

Entscheidend ist es, Spaß in die Erfahrung zu bringen, schlägt Jaime Teevan vor, Chefwissenschaftlerin bei Microsoft für "Experiences and Devices". Teevan sagt, dass Remote-Meetings die Art und Weise, wie wir den Raum zur Kommunikation nutzen, in Frage stellen und sich unserer Welt in kleinen, digitalen Quadraten abspielt. Sie ist der Meinung, dass eine bessere Kommunikation eine spielerische Öffnung des Raums erfordert. "Wir sind Experten darin, den Raum zu nutzen, und das geht uns in Online-Meetings verloren", sagt sie. "Das Spiel und die soziale Verbindung sind hier von grundlegender Bedeutung.“

Deshalb habe ich mich bei "Kumospace" angemeldet, einem Startup, das Google zu seinen Kunden zählt und auf seiner Homepage verspricht, "sinnvolle Verbindungen in unvergesslichen virtuellen Räumen zu schaffen". Ein Video von mir wurde auf ein winziges Quadrat reduziert. Das wanderte dann durch eine virtuelle Lobby mit Sofas, einem Klavier, Schlangenpflanzen und einer Jukebox, aus der ein Spotify-Mix namens "Stille Stunden" ertönte. Als der Gründer Brett Martin eintrat, nahm er mich mit auf eine Tour durch den Raum. Seine Stimme wurde leise, wenn ich zu weit zurückblieb – eine akustische Funktion, die das echte Leben imitieren sollte.

"Warte, ich will dir etwas zeigen. Bist du bereit?", fragte Martin plötzlich. Bevor ich antworten konnte, fand ich mich an einem Strand wieder.

Die ganze Erfahrung war verwirrend. Ich war verwirrt von all den Dingen, die ich gleichzeitig tun musste: mit Martin reden, in Hörweite bleiben, um ihn nicht zu verlieren, wenn er sich bewegte, und die verschiedenen Hindernisse überwinden, die sich mir in den Weg stellten – die Wellen am Strand, ein Radio, das unser Gespräch übertönte, wenn wir ihm zu nahe kamen, mein Weinglas, das sich von selbst leerte. Es fiel mir schwer, mich auf das Treffen zu konzentrieren. Ich fühlte mich sogar überreizt und ängstlich.

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Martin sagt jedoch, dass Kumospace eine Nische gefunden hat: Unternehmen, die zwanglose Treffen veranstalten, bei denen sich die Mitarbeiter kennenlernen wollen: Happy Hours, Networking-Events, Ausflüge außerhalb des Unternehmens. Seit der Markteinführung im Juni, so Martin, haben "über eine Million Menschen" das Produkt genutzt.