Kostenloses Windows-Tool: In wenigen Minuten zum eigenen Video

Mit Microsofts Video Editor erstellen Sie aus Videoclips und Fotos ein vertonten Video für die nächste Feier. Das geht kinderleicht und kostet nichts.

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(Bild: DC Studio/Shutterstock.com)

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Von
  • Philipp Mohaupt
  • Joachim Sauer

Microsoft versteckt in Windows ein kostenloses Videoschnittprogramm – und zwar in der "Fotos"-App. Um es aufzurufen, genügt es, im Start-Dialog das Suchwort "Foto" einzutippen und anschließend das Programm zu starten. Oben in der Menüleiste, links neben dem Suchfenster, befindet sich ein Eintrag mit dem Namen "Video Editor". Rechts davon führt die Schaltfläche "Neues Video" zu einem Untermenü, das den Eintrag "Neues Videoprojekt" enthält. Hier erstellen Sie mit einem Mausklick Ihr erstes Projekt, geben ihm einen aussagekräftigen Namen und gelangen im Anschluss auf die Programmoberfläche.

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Der Video Editor präsentiert sich schlicht und nicht überladen, sodass sich auch Einsteiger schnell zurechtfinden. Zunächst müssen Sie Medien importieren. Nach einem Klick auf die "Hinzufügen"-Schaltfläche in der Projektbibliothek lesen Sie Ihr Video- und Fotomaterial direkt von der Festplatte oder aus der Bibliothek der Fotos-App ein.

Wir nutzten für diesen Praxisartikel H.264-kodierte MP4-Dateien in UHD-Auflösung (3840 × 2160 Pixel). Der Video Editor kommt damit in der Regel problemlos zurecht. MP4-Videos neuerer Kameras mit höherer Auflösung als 4K unterstützt er allerdings nicht zwangsläufig.

Abhängig vom geladenen Videomaterial sollten Sie für Ihr Projekt einige Eigenschaften festlegen. Dazu dient das Menü mit den drei Punkten in der rechten oberen Ecke. Der Video Editor stellt die Seitenverhältnisse 16:9, das typische Breitbildformat, und 4:3, das klassische SD-Seitenverhältnis, zur Wahl. Beide Optionen lassen sich mit der Option "als Hochformat festlegen" auf 3:4 und 9:16 ändern. Letzteres bietet sich für hochkant gefilmte Instagram-Stories an.

Je nach Windowseinstellung steht der Video Editor in einer hellen und einer dunklen Oberfläche zur Verfügung. Über die Einstellungen das Programms im erwähnten Menü können Sie unabhängig von der Systemeinstellung hell oder dunkel auswählen.

Die Oberfläche des kostenlosen Windows Video Editor ist eher einfach gehalten. Damit fällt Neulingen der Einstieg ins Thema Videoschnitt leicht.

Sind die Videodateien eingelesen, zieht man sie aus der Projektbibliothek unten ins Storyboard. Der Editor reiht sie nach Dateinamen hintereinander. Die Reihenfolge kann man per Drag & Drop ändern.

In Sachen Schnitt bietet der Video Editor nur Grundfunktionen: Man kann Videos kürzen (trimmen) und zerteilen. Um die Clips zu trimmen, bemühen Sie die Schaltfläche "Zuschneiden" in der Werkzeugleiste oberhalb des Storyboards. In einem neuen Fenster können Sie mit zwei Anfassern den Ein- und Ausstiegspunkt für den Videoclip neu bestimmen. Wollen Sie ein Video in zwei Clips teilen, genügt ein Klick auf "Aufteilen". Im sich dann öffnenden Dialog bestimmt man die Länge der zwei neu entstehenden Clips. Leider kann der Video Editor keine Übergänge setzen.

Die Wiedergabegeschwindigkeit eines Clips lässt sich anhand eines Schiebereglers sehr präzise in Schritten von 0,02-fach bis zu 64-fach anpassen. Dazu klicken Sie auf die Schaltfläche "Geschwindigkeit".

Wenn Sie Hochformatvideos in einem Projekt mit dem Seitenverhältnis 16:9 nutzen, füllt der Video Editor den freien Platz mit schwarzen Balken. Ein Klick auf das Quadratsymbol neben dem Geschwindigkeits-Button und ein weiterer auf "Schwarze Balken entfernen" vergrößert das Video mittig auf volle Breite. Der Video Editor übernimmt diese Einstellung automatisch für alle Hochkantclips im Storyboard.

Auch die Farbgebung der Filmschnipsel darf man verändern. Nach einem Klick auf "Filter" öffnet das Programm 13 Vorlagen, die einen bestimmten Filmlook wie "Kräftig", "Sepia" oder "Denim" erzeugen.

Über einen separaten Dialog lassen sich Videoclips kürzen. Dazu dienen die Anfasser im Zeitstrahl.

Neben Videos können Sie auch Fotos einbinden. Bei Aufruf einer Bilddatei zeigt das Storyboard ein anderes Menü als bei Videos. Über "Dauer" legen Sie die Zeit in Sekunden fest, die das ausgewählte Foto eingeblendet wird. Im Storyboard zeigt eine Zahl die Standdauer an.

Eine künstliche Kamerafahrt, auch Ken-Burns-Effekt genannt, lässt die Fotoshow dynamischer wirken. Der Video Editor hat dafür in der Werkzeugleiste die "Bewegung"-Schaltfläche eingebaut. Nach Aufruf können Sie hier eine von zehn Voreinstellungen wählen. Die Option "Links vergrößern" schwenkt und zoomt beispielsweise auf die linke Bildseite. Eine andere Option heißt "nach rechts schwenken". Vorschaubilder deuten die Bewegungsrichtung an.

Die Schaltfläche "3D-Effekte" lässt Partikel regnen, beispielsweise Flammen, Feuerwerk, Fledermäuse oder Christbaumkugeln. Beide Funktionen können Sie auch für Videomaterial nutzen. Das sollten Sie aber nur tun, wenn Sie vom Stativ gefilmt haben. Andernfalls kann das Bild zu unruhig wirken.

Mit den Bewegungsvorlagen animieren Sie Fotos durch künstliche Kamerafahrten. Die Vorschaubilder deuten die Bewegungsrichtung an.

Ganz Eilige können einen integrierten "Schnittautomaten" nutzen. Er setzt importierte Clips eigenständig zu einem Film zusammen. Dafür klicken Sie nach Aufruf des Menüs "Neues Video" in der Fotos-App auf die Schaltfläche "Automatisches Video". Anschließend wählen Sie die gewünschten Clips aus und bestätigen mit einem Klick auf "Erstellen" den automatischen Videoschnitt. Sie vergeben einen Titel für das Video und dürfen den Zusammenschnitt bei Nichtgefallen auch neu mischen lassen. Der Video Editor schneidet nicht nur, sondern wählt auch selbstständig Hintergrundmusik und einen Filmlook. Das automatisch generierte Projekt können Sie anschließend im Editor weiterbearbeiten.

Die etwas versteckte Schnellschnittfunktion setzt mehrere Clips automatisch zusammen und versieht sie mit Musik und einem Filmlook.

Die obere Menüzeile des Video Editor birgt zwei Schaltflächen für die Nachvertonung. Über "Hintergrundmusik" bietet das Programm eine Reihe mitgelieferter Musiktitel, die Sie vor Gebrauch probehören können. Aussagekräftige Titel wie "Abenteuer", "Berggipfel im Nebel" oder "Clownparade" helfen bei der Auswahl. Die Schaltfläche "Video mit der Musik synchronisieren" bringt das Material im Storyboard in Takt mit der Hintergrundmusik. Dieser automatische Schnitt wirkt aber in der Regel zu hektisch.

Über die Schaltfläche "Benutzerdefiniertes Audio" können Sie eigene Musikdateien in gängigen Formaten wie MP3 oder WAV auswählen und damit Ihr Projekt individuell vertonen. Man kann auch programmeigene Musik und eigene Audiodateien kombinieren.

Das Titelwerkzeug ist wie die meisten anderen Werkzeuge des Windows Video Editor eher einfach gehalten, erfüllt aber seinen Zweck. Es stellt verschiedene Designvorlagen mit Schriftstilen zur Wahl, die insgesamt recht schick wirken. Der Schriftzug erscheint zunächst mittig unten. Über sechs verschiedene Layoutvorlagen können Sie dessen Position und Größe variieren, um ihn beispielsweise als Titel des Films oder Bildunterschrift zu nutzen.

Für den Anfang des Videos oder als Kapitelmarker können Sie eine Farbkarte mit Schriftzug erstellen, hier "Titelkarte" genannt. Der Video Editor erzeugt diese automatisch am Anfang des Storyboards. Anschließend können Sie die Karte wie jeden anderen Clip auch an die gewünschte Stelle des Projekts ziehen. Den automatisch eingefügten Schriftzug "Titel" können Sie mit dem oben beschriebenen Textwerkzeug bearbeiten.

Die Exportoptionen beschränken sich auf drei Ausgabe-Profile für hoch, mittel und niedrig.

Ein Klick auf "Video fertig stellen" oberhalb des Vorschaufensters öffnet den Exportdialog. Er stellt Vorlagen für "Hoch (1080p)", "Mittel (720p)" oder "Niedrig (540p)" zur Wahl. Weitere Parameter lassen sich hier nicht einstellen. Viele Smartphones und Fotokameras filmen mittlerweile in 4K-Auflösung und auch YouTube kann Filme in dieser Auflösung abspielen. So ist es etwas bedauerlich, dass man den eigenen Film nicht auch in UHD ausgeben darf. Full-HD, also 1080p, sollten Sie daher als Standardeinstellung wählen. Die zwei anderen Optionen bieten sich, wenn überhaupt, nur für die Wiedergabe auf Mobilgeräten an.

Der Windows Video Editor richtet sich an Einsteiger und erfüllt für diese seinen Zweck. Die einfache Bedienung und die übersichtliche Präsentation sorgen dafür, dass Neulinge nicht die Lust verlieren. Für das schnelle Video auf dem Social-Media-Kanal genügt der Video Editor. Wenn Sie Übergangseffekte und Werkzeuge zur Farbbearbeitung nutzen möchten, können Sie auf kostenpflichtige Alternativen wie CyberLink PowerDirector oder Magix Video Deluxe umsteigen.

c't Ausgabe 18/2022

(Bild: 

c't 18/22

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In c’t 18/2022 bringen wir Windows und Linux zusammen und erklären, wie Sie beide Systeme auf einem Rechner Hand in Hand nutzen können. Außerdem legen wir einen Schwerpunkt auf gebrauchte Hardware, denn damit lässt sich der Geldbeutel ebenso schonen wie die Umwelt - zumindest ein bisschen. Diese und viele weitere Themen finden Sie in der aktuellen c't.

(akr)