Virtuelle Ahnen-Ehrung

In Japan bieten Unternehmen Grabpflege im Internet für das buddhistische Obon-Fest an.

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(Bild: Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash)

Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Wegen der Coronavirus-Pandemie wurden viele Veranstaltungen ins Internet verlagert: Geburtstagsfeiern und Konzerte, Vorlesungen und Konferenzen werden über Skype, Zoom und andere Plattformen übertragen. In Japan bieten nun Unternehmen auch digitale Hilfe für Obon an.

Zu der dreitägigen Feier, die in Ostjapan Mitte Juli und in Westjapan Mitte August begangen wird, reisen traditionell selbst weit entfernt lebende Familienmitglieder in ihre Heimatstädte. Dort ehren sie ihre verstorbenen Verwandten und Vorfahren mit verschiedenen Ritualen und Opfergaben. Der Überlieferung nach kehren die Seelen der Verstorbenen für diese kurze Zeit zurück, um den Lebenden nahe zu sein. Gemeinsam reinigen und schmücken sie dabei auch die Familiengräber.

Dieses Jahr verzichten viele Japaner jedoch lieber auf das Reisen, um sich und vor allem ältere Verwandte vor einer Ansteckung mit Covid-19 zu schützen. Doch das Obon-Ritual ist fester Bestandteil der japanischen Kultur, und es nicht durchzuführen, fühlte sich für viele trotzdem wie eine Pflichtverletzung an. Abhilfe gegen das schlechte Gewissen verspricht etwa die in Tokio angesiedelte Steinmetz-Vereinigung Zenyuseki.

Seit vielen Jahren bietet sie bereits die Grabreinigung und das Schmücken als Dienstleistung während der Feiertage an. Vor allem viele Ältere fühlen sich wegen Gesundheitsproblemen oder der heißen Sommertemperaturen oft nicht mehr imstande, die Gräber allein zu pflegen, und greifen auf die Dienstleistung der Grabpfleger zurück. Nun hat die Vereinigung ihr Angebot erweitert: Die Mitarbeiter der Mitgliedsunternehmen lassen sich bei den Arbeiten am Grab mit einer 360-Grad-Kamera filmen, um die Angehörigen teilhaben zu lassen.

Dazu schicken sie die Videos zusammen mit Virtual-Reality-Brillen an die Familie, damit sie das Grab virtuell besuchen und ihren Ahnen die Ehre erweisen können. Kostenpunkt inklusive einfacher Blumen und Weihrauch-stäbchen: 200 Euro plus Mehrwertsteuer (25000 Yen). Wunschblumen und andere Gaben kosten extra.

Zenyuseki ist mit seinem Angebot nicht allein. Auch das Grabstein-Unternehmen Kano Sekizai (Kano Stein) in Fukuyama filmt für 160 Euro (20000 Yen) die Grabreinigung inklusive Unkrautjäten und Grabschmücken – streamt die Bilder jedoch direkt über Zoom. Auch der Grabpflegedienst Goen-do in Nagoya wirbt damit, dass „wir unser Bestes tun werden, Sie zu vertreten, wenn Sie aus verschiedenen Gründen nicht selbst zum Grab kommen können“. Goen-do bietet den mit Chat-Apps übertragenen Video-Stream des hergerichteten Grabes derzeit umsonst an. Sonst kostet das Angebot 16 Euro (2000 Yen) je 15 Minuten. Die Nachfrage habe sich dieses Jahr verdreifacht.

(bsc)