"Von Eclipse Adoptium wird es nur TCK-geprüfte Veröffentlichungen geben"

Hendrik Ebbers und Andreas Ahlenstorf im Gespräch mit heise Developer zum Umzug des AdoptOpenJDK-Projekts zur Eclipse Foundation.

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Die AdoptOpenJDK-Community hatte kürzlich bekannt gegeben, ihre zukünftigen Bemühungen unter dem Dach der Eclipse Foundation zu betreiben. heise Developer sprach mit den zwei deutschsprachigen Vertretern des zugehörigen Technical Steering Committee über die Entscheidung und welche Auswirkungen sie auf die nahe Zukunft des Projekts haben wird.

heise Developer: Hendrik und Andreas, ihr gehört seit einiger Zeit zum technischen Steering Committee bei AdoptOpenJDK. Was motivierte euch, sich bei dem Projekt zu beteiligen?

Hendrik Ebbers

Hendrik Ebbers ist Co-Founder der Karakun AG, Gründer der JUG Dortmund und gibt auf der ganzen Welt Vorträge und Workshops zum Thema Java. Auf seiner Webseite www.guigarage.com bloggt er regelmäßig über Architekturansätze im Bereich Java und zu verschiedenen Open-Source-Projekten. Sein Buch "Mastering JavaFX 8 Controls" ist 2014 bei Oracle Press erschienen. Hendrik ist JavaOne Rockstar, Java Champion und JCP Expert Group Member. Seit 2019 ist Hendrik Mitglied des AdoptOpenJDK TSC.

Hendrik Ebbers: Anfangs habe ich mich eigentlich nicht direkt beim Projekt AdoptOpenJDK beteiligt. Vielmehr habe ich durch verschiedene Keynotes, Vorträge und Artikel versucht, die deutschsprachige Java-Community auf Änderungen im Java-Ökosystem wie den neuen Release-Train von Java oder die neue Lizenz des Oracle JDK aufmerksam zu machen. Spätestens durch meine Mitarbeit am "Java is Still Free"-Dokument bin ich dann verstärkt mit AdoptOpenJDK in Kontakt gekommen.

Der Gedanke, dass Java-Binaries kostenfrei von der Community als LTS-Versionen zur Verfügung gestellt werden, hat mich begeistert. Das Ganze hat dazu geführt, dass ich vor zwei Jahren Teile der AdoptOpenJDK-Webseite auf Deutsch übersetzt und dabei geholfen habe, dass das IcedTeaWeb-Projekt nach AdoptOpenJDK migriert wurde. Das hat dazu geführt, dass mit OpenWebStart ein Nachfolger beziehungsweise eine Alternative für Oracle WebStart zur Verfügung steht.

Andreas Ahlenstorf

Andreas Ahlenstorf ist Mitglied des AdoptOpenJDK TSC und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für angewandte Informationstechnologie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Andreas Ahlenstorf: Ich bin an einer Hochschule tätig. Java ist ein Eckpfeiler unseres Informatik-Studiums und der Forschungsaktivitäten. Aufgrund von Oracles Lizenzänderung und der neuen halbjährlichen Veröffentlichungskadenz musste eine Alternative her, die unseren Bedürfnissen Rechnung trägt. Open Source war ein wesentliches Kriterium, da man bei proprietären Produkten oft bestenfalls die Rolle des Beifahrers einnehmen kann. AdoptOpenJDK hat die meisten Anforderungen erfüllt – und was fehlte, konnte ich selbst ergänzen, sodass jetzt alle davon profitieren können.

Bei AdoptOpenJDK liegt nicht nur der Quellcode von Java offen, sondern auch der der gesamten unterstützenden Infrastruktur – Installationspakete, Build-Skripte und Testsuiten. Das gibt es meines Wissens bei keinem anderen Anbieter und auch nicht bei OpenJDK, was ich bedauere. Durch mein Engagement ergibt sich zudem die Möglichkeit für unsere Studenten, an einem internationalen Projekt mit Industriebeteiligung mitzuwirken.

heise Developer: Wie stellt ihr euch derzeit im Technical Steering Commitee auf? Und wird sich durch den Umzug zu Eclipse daran etwas ändern?

Ebbers: Aktuell hat das Technical Steering Commitee (TSC) neun Mitglieder. Man merkt sicherlich noch immer, dass die Community innerhalb der London JUG gegründet wurde. Einige der Mitglieder wie Martijn Verburg sind seit der Gründung dabei und haben das Projekt überhaupt erst zum Fliegen gebracht. Natürlich sind diese Personen nun auch im TSC zu finden. Zudem sind Firmen vertreten, die das Projekt bereits in einer sehr frühen Phase unterstützt haben. Hier kann man sicherlich IBM und Red Hat hervorheben.

Ahlenstorf: Das Tagesgeschäft von AdoptOpenJDK tragen nun im Wesentlichen Angestellte von IBM und Microsoft. Das spiegelt sich in der Zusammensetzung des Steuerungskomitees. Jeweils drei der neun Mitglieder stammen von IBM oder Microsoft. Das ist aus meiner Sicht keine optimale Konstellation.

Ebbers: Interessanterweise verhält es sich mit Andreas und mir etwas anders. Wir sind erst später zum Projekt und TSC dazugekommen und vertreten auch keinen internationalen Konzern. Mit der Karakun AG und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sind durch uns zwei weitere Interessengruppen der Community im TSC vertreten. Aber genau so sollte eine Community ja auch aufgebaut sein.

Ahlenstorf: Der Beitritt zur Eclipse Foundation soll AdoptOpenJDK breiter abstützen und die Java-Community besser einbinden. Hierdurch bekommt AdoptOpenJDK eine komplett neue Führungsstruktur. Allein schon dadurch werden sich die Kräfteverhältnisse verändern. Ich möchte das aber nicht so verstanden wissen, dass wir bisher durch IBM oder Microsoft dominiert wurden. Bei sämtlichen Gesprächen oder Entscheidungen, bei denen ich anwesend war, stand immer das Wohl von AdoptOpenJDK im Fokus, nicht das von IBM oder Microsoft.

Ebbers: In der Eclipse Foundation wird es in Zukunft für Adoptium eine Working Group geben, die herstellerneutral und Community-freundlich geführt werden soll. Aber natürlich werden die bisherigen Mitglieder weiter aktiv an Adoptium mitarbeiten.

Ahlenstorf: Ich wäre außerdem sehr erfreut, wenn wir bald weitere Mitglieder, seien es Einzelpersonen, KMUs oder Großunternehmen, bei uns als tatkräftige Helfer begrüßen dürfen.