Vorarbeit zur Weltrettung: Diese technischen Hürden liegen vor der Dart-Mission

"Und dann - bumm!"

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Das komplizierte Verfahren wäre auch dann nötig, wenn die Astronomen die Position von Dimorphos mit absoluter Genauigkeit wüssten. Denn kein Triebwerk ist jemals perfekt ausgerichtet, und keine Triebwerksleistung wird jemals perfekt modelliert. Für jedes Manöver benötigt ein Raumfahrzeug Korrekturmanöver, um Abweichungen auszugleichen. Smart Nav erledigt dies autonom. Darüber hinaus muss Dart seine Triebwerke einsetzen, um in die richtige Richtung zu steuern. Alle Abweichungen werden von Smart Nav in den letzten Stunden vor dem Aufprall kontinuierlich korrigiert.

Erst zwei Minuten vor dem Aufprall stoppt Smart Nav die Ausführung von Manövern, und das Raumschiff gleitet in den Asteroiden hinein. „Wir erreichen die erforderliche Auflösung der Einschlagstelle etwa 20 Sekunden vor dem Aufschlag und senden das letzte Bild innerhalb der letzten sieben Sekunden nach dem Aufschlag zur Erde“, sagt Adams. „Und dann - bumm!“ Wenn alles nach Plan verläuft, wird Dart am 30. September 2022 aufhören zu existieren.

Damit die Wissenschaftler auch nach dem Einschlag Daten erhalten, wird sich zehn Tage vorher ein kleiner Würfel namens LiciaCube von Dart trennen. Er wird seine eigenen kleinen Solarpaneele einsetzen und zur Beobachtung zurückbleiben. Er wird vermutlich erspähen, wie das Raumschiff in sehr kleine Stücke zersplittert, von denen einige zu Pulver verwandelt werden. Die meisten seiner Überreste werden bei der Bildung des Kraters als Auswurf wieder ausgestoßen werden. Es ist möglich, dass große Strukturteile überleben, obwohl sie bis zu drei Meter tief in den Asteroiden eingegraben werden. LiciaCube wird die Auswurfwolke beobachten, wenn sie herauskommt, und auch die Rückseite von Dimorphos fotografieren, wenn er vorbeifliegt. Aber LiciaCube wird keine Möglichkeit haben, seinen Flug zu verlangsamen – und an Dimorphos vorbei in die Tiefen des Weltraums rasen.

Bis 2027 hat der Asteroid dann erst einmal seine Ruhe. 2024 will die Europäische Weltraumorganisation ihre Mission namens Hera starten. Die Sonde soll Anfang 2027 Dimorphos erneut besuchen, um ihn genauer zu vermessen, seine Zusammensetzung zu untersuchen und noch genauer zu bestimmen. Hera wird zwei eigene Beobachtungswürfel mit sich führen und das Didymos-Dimorphos-System drei bis sechs Monate lang bereisen. Diese Würfel werden mehr Daten über den historischen Einschlag sammeln, bei dem sich die jahrelange Arbeit von Hunderten von Menschen in einem kleinen Schubs aufgelöst hat – und der eine neue Ära der Raumfahrt einläuten wird.

(bsc)