BMW 5er Facelift 2020: Vernetzungsarbeit

Die BMW 5er-Reihe erhält ein Facelift mit 3er-Gesicht, Hybridisierung der Motorenpalette, erweiterten Assistenzsystemen und neuester Infotainmentgeneration.

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BMW 5er LCI

(Bild: BMW)

Von
  • Christian Lorenz
Inhaltsverzeichnis

Ab Juli 2020 steht eine überarbeitete 5er-Reihe bei den BMW-Händlern. Sie hat jetzt auch den grimmigen Familienblick mit Riesenniere und LED-Schlitzen. Die wichtigsten technischen Neuheiten betreffen die Hybridisierung der Motorenpalette, erweiterte Assistenzsysteme und die neueste Infotainmentgeneration.

Die 5er-Reihe ist die älteste Baureihe von BMW. Mit dem Ur-Fünfer E12 und dem für ihn neu geschaffenen Werk Dingolfing brach 1972 nach der Neuen Klasse die neue Zeit für BMW an. Erst 1991 im Rahmen der dritten 5er-Generation E34 ergänzte ein formschöner Kombi namens Touring das 5er-Portfolio. Die aktuell siebente Generation der Limousine (G30) bzw. fünfte Generation des Touring (G31) sind seit 2017 auf dem Markt. Bislang wurden mehr als 600.000 5er der aktuellen Generation verkauft.

Facelift heißt bei BMW „Life Cycle Impulse“ oder kurz LCI. Wie dieses hier aussehen würde, hat der aktuelle Dreier längst vorweggenommen. Nun hat auch die obere Mittelklasse von BMW das zeitgenössische „Darth Vader“-Gesicht mit übergroßer vorstehender Niere und schlitzartig grimmig blickenden Voll-LED-Scheinwerfern. Voll-LED sind nun serienmäßig. Der richtig böse Blick kommt aber erst mit den optionalen adaptiven LED-Scheinwerfern. Erstmals ist auch für sämtliche 5er Laserlicht erhältlich. Bisher war es ausschließlich dem M5 vorbehalten. Billig wird das Laserlicht aber sicher nicht, die Zielgruppe wird es größtenteils akzeptieren.

BMW 5er Facelift (30 Bilder)

Die BMW 5er-Reihe erhält ein Facelift, das sie an das moderne Markengesicht angleicht
(Bild: alle BMW Group)

Das Heck wurde in der Mittellage geglättet, was ihm mehr Breitenwirkung verleihen soll. Die LED-Heckleuchten sind nun dreidimensional geformt, schwarz umrandet und haben eine neue Grafik. So wirken sie markanter, aber nicht schrill. Die verschiedenen Motorisierungen lassen sich jetzt übrigens nicht mehr über die Auspuffrohre unterscheiden. Die neue 5er-Generation trägt obligatorisch je eine trapezförmige Endrohrblende links und rechts. Die Schweller und Schürzen der Businesslimousine sind nach dem Facelift schlechter gebügelt. Mit allerlei Ecken, Kanten und Sicken soll Dynamik vermittelt werden. Das gilt besonders für das überarbeitete M-Sportpaket und das V8-Topmodell M550i xDrive.

Das 5er-Facelift folgt in kurzem Abstand auf die Modellpflege der Mercedes E-Klasse vom März 2020. Die Mercedes-Baureihe 213 ist seit 2016 auf dem Markt. Der dritte Platzhirsch in der oberen Mittelklasse ist der Audi A6, der in der aktuellen Generation C8 2018 vorgestellt wurde. Im Herbst 2019 schob Audi das Plug-in-Hybrid-Modell A6 55 TFSIe quattro nach.

Die technischen Neuerungen beim BMW 5er überschreibt die Pressemappe mit „konsequenter Elektrifizierung“. Als einziger im Segment bringt BMW mit der neuen 545e xDrive Limousine jetzt eine PHEV-Variante mit Sechszylindermotor. Der Antriebsstrang wurde aus dem BMW 745e (Test) übernommen. Den bekannten Vierzylinder-PHEV-Fünfer 530e (Test) bzw. 530e xDrive mit Zweilitervierzylinder aus dem 520i gibt es zudem erstmals auch als Touring.

Der 5er BMW weitet im Zuge des Facelifts die 48-Volt-Mildhybrid-Technologie, wie sie seit Herbst 2019 im 520d verbaut ist auf alle Vier- und Sechszylindermotoren aus. BMW geht damit weiter als die Konkurrenten. Bei Mercedes sind nur die neuen Vierzylinderbenziner der Baureihe M254 und der Reihensechszylinderbenziner im E 53 AMG mildhybidrisiert. Audi kombiniert beim A6 nur die V6-Benziner mit einem 48-Volt-Bordnetz. Zudem erfüllen alle Motoren Vier- und Sechszylindermotoren im BMW 5er jetzt die Abgasnorm Euro 6d. Ausgerechnet das Topmodell M550i xDrive bleibt allerdings unverändert ohne Mildhybrid und erfüllt die nur noch wenige Monate zulässige Euro 6d-Temp.

Bei den Benzinern stieg der maximale Einspritzdruck von 200 auf 350 bar, beim 520d (Test) auf 2500 bar und bei den Sechszylinderdieseln auf 2700 bar. Sämtliche Dieselmotoren verfügen jetzt über eine Registeraufladung mit einem kleineren und einem größeren Turbolader. Beim 530d hat der kleinere Turbolader eine variable Turbinengeometrie, beim 540d beide. Der M550d (Test) entfällt.

Manche Modelle wie etwa den 540i mit Hinterradantrieb gibt es ausschließlich als Limousine. Das ist extra vermerkt. Steht xDrive in Klammern ist der Allradantrieb optional, steht er nicht in Klammern ist er serienmäßig.

520i 2-Liter-Vierzylinder-Benziner 184 PS

530i (xDrive) 2-Liter-Vierzylinder-Benziner 252 PS

540i Limousine 3-Liter-Sechszylinder-Benziner 333 PS

540i xDrive 3-Liter-Sechszylinder-Benziner 333 PS

M550i xDrive Limousine 4,4-Liter-V8-Benziner 530 PS Euro 6d-TEMP

530e (xDrive) 2-Liter-Vierzylinder-PHEV 292 PS (Systemleistung)

545e xDrive Limousine 3-Liter-Sechszylinder-PHEV 394 PS (Systemleistung)

520d (xDrive) 2-Liter-Vierzylinder-Diesel 190 PS

530d (xDrive) 3-Liter Sechszylinder-Diesel 286 PS

540d xDrive 3-Liter Sechszylinder-Diesel 340 PS

Das Fahrwerk wurde beim 5er-Facelift so gut wie nicht angegriffen. Nach wie vor verzichtet BMW, anders als Mercedes und Audi, in dieser Klasse auf eine Luftfederung. Allerdings hat der 5er mit seiner im Vergleich etwas agileren, aber trotzdem hochkomfortablen Abstimmung auch nicht unbedingt neue, noch kostspieligere Fahrwerksfeatures nötig. Schon bisher kostet die maximale Ausbaustufe mit adaptiven Dämpfern und Wankstabilisierung über 3000 Euro Aufpreis. Die Integral-Aktivlenkung mit mitlenkenden Hinterrädern ist als Option für agiles Fahrverhalten empfehlenswert. Sie ist jetzt für sämtliche Fahrzeugvarianten einschließlich PHEV- und xDrive-Modelle verfügbar. Sie kostete bisher 1200 Euro Mehrpreis.