Vorstellung: Porsche 911 Targa

Porsche leistet sich den Luxus einer Nischenpflege: Der Targa füllt die Lücke zwischen Coupé und Cabrio mit eigenem Reiz.

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Der Targa entstand einst aus der Not: Mitte der 1960er-Jahre verschärften die USA die Sicherheitsvorgaben extrem. Die Entwicklung eines Cabrios auf Basis des Ur-911 wäre für die kleine Firma Porsche unter diesen Bedingungen damals finanziell nicht zu stemmen gewesen. Da man den wichtigen US-Markt aber nicht außen vor lassen konnte, entschied man sich für „ein bisschen offen“. 1965 wurde der erste Targa auf der IAA in Frankfurt vorgestellt, die Produktion lief aber erst im Dezember 1966 an. Porsche wollte zuvor unbedingt das Problem des sich bei hohem Tempo aufblähenden Stoffdaches lösen. Ursprünglich waren sogar zwei Dacheinsätze geplant: Ein stabiles aus Kunststoff und ein Notverdeck aus Stoff. In Serie ging dann eine Art Zwitter – ein solides Verdeck aus gummiertem Stoff.

Von solchen Sorgen ist Porsche inzwischen weit entfernt. Der neue 911 Targa wirkt wie aus einem Guss. In der langen Geschichte dieses Aufbaus gab es schon Ausführungen, die offener waren. Und umgekehrt: Über viele Jahre war der Targa ein 911 mit riesigem Glasschiebedach – so beispielsweise im 993. Im ersten Targa war die Offenlegung nicht ganz trivial, im neuen Modell verschwindet das Dach auf Knopfdruck innerhalb von 19 Sekunden.

Zunächst sind zwei Antriebe geplant, wobei die Basis stets die gleiche ist: Ein Dreiliter-Sechszylinder mit doppelter Turboaufladung. In der Einstiegsversion Targa 4 leistet die Maschine 283 kW (385 PS) und bietet zwischen 1950 und 5000/min 450 Nm Drehmoment. Allradantrieb und ein Doppelkupplungsgetriebe mit acht Gängen sind hier alternativlos. Der 911 Targa 4, leer immerhin 1665 kg gewichtig, beschleunigt damit in minimal 4,2 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Das kann der Targa 4S mit 331 kW (450 PS) nochmals schneller. 3,6 Sekunden nennt das Werk, sofern der Kunde zusätzliches Geld für das Sport-Chrono-Paket angelegt hat – andernfalls muss er mit 3,8 Sekunden leben.

Inzwischen fast ungewöhnlich ist die Idee, den Targa 4S alternativ auch mit einem Schaltgetriebe anzubieten. Eine Ausfahrt mit dem Vorgänger zeigte jedoch, dass der Interessent sich das gut überlegen sollte. Sieben Stufen sind zu sortieren, und in einem Auto mit diesem Beschleunigungsvermögen ist das nur was für Fahrer, die wirklich sehr, sehr viel Freude am Schalten haben.

Porsche 911 Targa (6 Bilder)

Der Porsche 911 Targa ist älter als das Cabrio. Der erste 911 Targa wurde auf der IAA 1965 gezeigt, das erste 911 Cabrio erst 1981 - ebenfalls in Frankfurt auf der IAA.
(Bild: Porsche)

Porsche fügte sich nie in das Gentleman-Agreement, das die Höchstgeschwindigkeit auf 250 km/h begrenzte. Der kleine Leistungszuwachs von 11 kW (Targa 4) bzw. 22 kW (Targa 4S) im Verbund mit einer weiter verbesserten Windschlüpfigkeit erweitern die Maximalgeschwindigkeiten in beiden Modellen minimal. Der Targa 4 schafft nun 289 km/h, der Targa 4S erreicht 304 km/h – ein Plus von 2 bzw. 3 km/h. Nicht wichtig, meinen Sie? Für einen Teil der angestrebten Kundschaft offenbar durchaus, denn Porsche hat sich sicher etwas dabei gedacht, diese Daten gleich in den zweiten Absatz des Beipackzettels für die Presse zu schreiben.

Schon das Urmodell war keines für die Masse. Der aktuelle 911 Targa 4 ist ab 128.486 Euro zu haben, der etwas besser ausgestattete 911 Targa 4S erst ab 143.956 Euro. Gegenüber dem 911 Carrera 4 Coupé ist das ein Zuschlag von rund 14.000 Euro. Pragmatiker mit einer Zuneigung für Frischluft und Oberlicht könnten zum 911 Coupé mit Glasschiebedach (2249 Euro) greifen, doch wer denkt in dieser Klasse schon ernsthaft ans Sparen? Zumal die Preise grundsätzlich nur als Ausgangspunkt einer langen Reise durch die Liste zu verstehen sind, obwohl Porsche durchaus nicht knauserig mit der Serienausstattung ist.

Der Weg vom 911 Targa zum Cabrio kostet übrigens keinen Cent Aufpreis. In der Vergangenheit gingen ihn die meisten Käufer, was den 911 Targa kaum weniger reizvoll macht. An seine Anfangserfolge mit fast 40 Prozent Marktanteil wird er vermutlich nicht mehr anknüpfen können. Wie schön für die automobile Vielfalt, dass Porsche an dem Luxus eines Nischenmodells festhält.

Mehr zur Geschichte der Firma Porsche finden Sie in diesem Artikel.

(mfz)