Vorstellung: Seat Ateca Facelift 2020

Der Ateca gehört zu den gefragtesten Modellen von Seat, was am Format, weniger an den Zutaten liegt. Die kleine Modellpflege ändert daran nur marginal etwas.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 3 Beiträge

(Bild: Seat)

Von

Seat selbst wird nicht müde, im Beipackzettel die Modellpflege als „neuen Ateca“ zu vermarkten. Nun, klappern gehört zu Handwerk, bei Licht betrachtet sind die Veränderungen allerdings recht übersichtlich. Äußerlich wird neu und alt nur unterscheiden können, wer ein gutes Auge für Details hat. Der Fortschritt mündet gar in einen kleinen Rückschritt: Das SUV ist 1,8 cm länger als bisher, was den neuen Stoßfängern zu verdanken ist. Mit nun 4,38 Metern ist der Ateca etwa so groß wie ein BMW X2 (Test) oder auch ein Opel Grandland X (Test). Immerhin: Auf einer Länge, die jene des VW Golf nur um zehn cm übertrifft, bringt der Ateca ein besseres Raumangebot unter. Auch der Kofferraum ist mit 510 Litern spürbar größer als der des Golf (Test).

Aufgerüstet hat Seat im Bereich Infotainment, und das war auch bitter nötig. Mit einer „dynamischen Routenführung über TMC“ lässt sich im Jahr 2020 schlecht für ein werksseitiges Navigationssystem werben. Wer Online-Verkehrsdaten haben wollte, musste auf Android Auto oder Apple CarPlay ausweichen. Damit ist nun Schluss, denn Seat macht hier gleich zwei Schritte auf einmal – der Ateca hat ja das 2017er-Update aus dem Leon nie bekommen, nun zieht er zumindest an der Oberfläche gleich.

Damit gibt es eine Sprachsteuerung, die vermutlich ähnlich gut funktioniert wie im VW Golf. Wie im Leon lässt sie sich mit „hola, hola“ aufrufen, was für deutsche (Zu-)Hörer durchaus amüsant klingt. Wichtiger ist: Das System lässt sich nachträglich erweitern – ein Geschäft, in das einige Autohersteller gerade mit Macht einsteigen. Die Schnittstellen werden auf USB-c umgestellt, was weniger fummelig ist als bisher. Im Basismodell, das bislang kaum einer wollte, misst der Bildschirm 8,25 Zoll, die Ausführung mit Navigationssystem bietet 9,2 Zoll.

Seat Ateca Facelift 2020 (16 Bilder)

Vier Jahre nach der Vorstellung wird der Seat Ateca leicht überarbeitet. Merken wird das nur ...
(Bild: Seat)

Über die „Seat ConnectAPP“ kann nicht nur der Status von Türen und Licht aus der Ferne erfragt, sondern auch Licht und Hupe betätigt werden. Damit soll sich beispielsweise auf einem Parkplatz das Auto leichter wiederfinden lassen. Über die App lässt sich auch die Fahrweise aus der Ferne nachvollziehen. Fährt jemand zu schnell, gibt es eine Meldung auf das Handy – ich bin mir nicht sicher, ob das dem häuslichen Frieden in jedem Fall zuträglich ist. Humor beweist Seat auch bei der Anpreisung einer weiteren Innovation: Die „Allwetter-Windschutzscheibe“ (O-Ton) soll dank einer Beschichtung besonders schnell enteist werden können. Vor zehn Jahren zeigten Forscher des Fraunhofer-Instituts eine Scheibe, die bis Minus 20 Grad gar nicht mehr zufrieren sollte. In Serie gegangen ist sie, soweit mir bekannt, nie.

Einen kleinen Schritt in Richtung autonomes Fahren gibt es mit der vorausschauenden Geschwindigkeitsregelung. Sie bezieht Daten von Navigationssystem, Wetter und der Verkehrszeichenerkennung ein und passt das Tempo entsprechend an. Seat hat diese Funktionalität nicht erfunden, es gibt sie bei anderen Herstellern schon länger. Wie gut sie funktioniert, hängt natürlich maßgeblich davon ab, wie scharfsichtig die Erkennung von Schildern ist.

Zumindest vorerst erstaunlich zurückhaltend ist das Motorenangebot. Alle erfüllen die Abgasnorm Euro 6d-ISC-FCM – alles andere wäre angesichts der Tatsache, dass diese Norm ab Januar 2021 Pflicht für Erstzulassungen in der EU wird, auch schwer vermittelbar gewesen. Die Dieselmotoren bekommen eine zweistufige SCR-Eindüsung, NOx sollte hier wirklich kein Thema mehr sein. Die Benziner, die in Golf und Leon auch als Mildhybridantriebe zu haben sind, bleiben im Ateca ohne elektrische Unterstützung.

Zum Start gliedert sich das Angebot wie folgt:

Benziner
1.0 TSI 81 kW (110 PS) Schaltgetriebe, Frontantrieb
1.5 TSI 110 kW (150 PS) Schaltgetriebe / DSG, Frontantrieb
2.0 TSI 140 kW (190 PS) DSG, Allradantrieb
Diesel
2.0 TDI 85 kW (115 PS) Schaltgetriebe, Frontantrieb
2.0 TDI 110 kW (150 PS) Schaltgetriebe / DSG, Frontantrieb
2.0 TDI 110 kW (150 PS) DSG, Allradantrieb

Was fehlt, sind Alternativen zum Verbrennen von Öl – kein Erdgas, kein Plug-in-Hybrid. Zumindest letzteres könnte sich noch ändern, eine Integration des Antriebsstranges aus dem VW Golf PHEV ist nicht vollkommen abwegig.

Bestellt werden kann der überarbeitete Ateca ab Ende Juli, Preise nennt Seat allerdings noch nicht. Bisher kostete das Basismodell 22.490 Euro. In den Börsen finden sich ordentlich ausgestattete Neuwagen aktuell bereits für weniger als 20.000 Euro. Mit der Überarbeitung sortiert Seat auch das Angebot der Ausstattungslinien ein wenig um. „Reference“ bleibt die karge Basis, „Style“ das, was vermutlich die meisten als Mindestumfang in einem Neuwagen erwarten. „FR“ kennzeichnet die teuerste Version mit „sportlichem“ Einschlag. Die bisherige Linie „Xcellence“ entfällt, dafür nimmt Seat die Variante „Xperience“ ins Sortiment. Sie soll mit ein paar Zierleisten und reichlich unlackiertem Kunststoff eine „deutliche Offroad-Betonung“ liefern. Was tut man nicht alles, um die Zielgruppe zu erfreuen.

(mfz)