Waffendrucker im Visier

Das Bundeskriminalamt zeigt sich aufgeschreckt von den Fortschritten beim 3D-Druck. Derzeit testet es, wie gefährlich damit hergestellte Waffen sind.

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  • Ulrich Hottelet

Das Bundeskriminalamt zeigt sich aufgeschreckt von den Fortschritten beim 3D-Druck. Derzeit testet es, wie gefährlich damit hergestellte Waffen sind.

Es dürfte ein eher ungewöhnlicher Anblick in den Laboren des Bundeskriminalamtes (BKA) sein: Die Behörde hat einen 3D-Drucker angeschafft, um Waffen herzustellen. Denn so großartig viele Anwendungen der Printer sind, einige können ziemlich gefährlich werden – etwa wenn Terroristen mit ihnen Schusswaffen herstellen. Wie groß die Gefahr ist, will das BKA nun mit eigenen Tests herausfinden.

Wie eine Sprecherin des BKA gegenüber Technology Review erklärte, sollen die Versuche voraussichtlich bis Jahresende laufen. Nähere Angaben über den Verlauf der Tests sowie mögliche Konsequenzen, etwa für Gepäckkontrollen, wollte die Sprecherin nicht machen. Durch eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion der Linkspartei ist jedoch bekannt, dass BKA und Bundespolizei vor allem die Terrorgefahr im Luftverkehr im Auge haben.

Denn die gedruckten Kunststoffteile lassen sich viel leichter an Bord schmuggeln als Waffen aus Metall. Die Metalldetektoren der Gepäckkontrollsysteme schlagen nicht an. Im Flugzeug könne ein Angreifer die Waffe dann zusammenbauen. Außerdem wollen die Sicherheitsbehörden herausfinden, inwieweit sie die neue Waffentechnik für eigene polizeiliche Zwecke einsetzen können. Genauere Angaben wollte das BKA aber auch hierzu nicht machen.

Der Paukenschlag war die Pistole Liberator, zu Deutsch Befreier. Im Mai präsentierte der texanische Waffennarr Cody Wilson sein aus 16 Teilen bestehendes Kunststoffmodell zusammen mit Videos von erfolgreichen Schusstests auf seiner Website. Zwar musste Wilson die Baupläne wenige Tage später auf Anordnung des US-Außenministeriums aus dem Netz nehmen, sie wurden aber bis dahin hunderttausendmal heruntergeladen und sind immer noch auf der Internet-Tauschbörse Pirate Bay verfügbar.

Wilson, ein 25-jähriger Jurastudent, ist Gründer der Vereinigung Defense Distributed. Die Organisation hat sich der Förderung von Waffen-Designs in Open Source verschrieben, sogenannten Wiki Weapons – um die bürgerlichen Freiheiten zu sichern.

Wie ernst es ihm ist, zeigt auch seine Herstellung eines sogenannten "lower receivers". Dabei handelt es sich um den Mittelteil eines halbautomatischen Gewehrs, in den das Magazin von unten eingeschoben wird und aus dem der Abzugshebel herausragt. Nach dem US-Waffenrecht muss der Receiver registriert werden, da auf ihm die Seriennummer steht. Da er nur geringer mechanischer Belastung ausgesetzt ist, lässt er sich vergleichsweise gut per Druckverfahren herstellen. Im Verbund mit frei erhältlichen Ersatzteilen wie Lauf und Magazin wird es so in vielen Ländern möglich, eine Waffe am Gesetzgeber vorbei zu bauen. Wilsons Gewehr hielt über 600 Schüssen stand, wie ein YouTube-Video zeigt. Dass aber auch komplett gedruckte Waffen mehrere Schüsse ermöglichen, bewies ein Entwickler aus Kanada. Sein Modell ließ sich bis zu 14-mal abfeuern. Noch weiter ging jüngst die Firma Solid Concepts: Sie stellte per Lasersinter-Verfahren eine Pistole aus Metall her.

Noch kommen bei derartigen Tests vor allem industrielle 3D-Drucker zum Einsatz. Lasersinter-Geräte etwa gibt es überhaupt nicht für den Heimgebrauch. Der Drucker des Kanadiers kostet rund 20.000 Euro, und Wilson griff für seinen Liberator auf ein 8000 Euro teures Modell zurück. Denn günstigere Printer kämpfen mit dem Problem, dass sich Kunststoffteile beim Abkühlen etwas verziehen. Ob die Waffe schießt, ist dann Glückssache. Doch zum einen kann bereits ein Schuss verheerende Wirkung haben. Zum anderen dürften mit dem technischen Fortschritt die Gewehre besser werden.

Die Versuche schrecken mittlerweile auch die Druckerhersteller auf. Die dänische Firma Create It Real hat bereits angekündigt, eine Software für 3D-Drucker zu entwickeln, die Bauteile von Waffen erkennt und deren Ausdruck unterbricht. "Neben meiner Frustration darüber, dass die positiven Nutzungen des 3D-Drucks in den Hintergrund treten, wollen wir die Produzenten auch von der Haftung für Schäden freistellen", sagte Firmenchef Jeremie Pierre Gay. "Denn mit billigen Druckern hergestellte Waffen können in der Hand explodieren." Sobald eine druckbare Waffe bekannt wird, landet sie in einer Datenbank.

Das Programm vergleicht dann den Druckauftrag mit den hinterlegten Plänen – und blockiert gegebenenfalls die Herstellung. Gay zufolge gibt es derzeit fünf bis zehn solcher Waffenmodelle. Der Nachteil ist allerdings, dass die Teile nur anhand charakteristischer Äußerlichkeiten identifiziert werden. Ändert man diese geringfügig ab, lässt sich der Filter wohl umgehen. Sind die Filter hingegen zu unscharf eingestellt, blockiert das auch den Ausdruck von nicht waffenfähigen Gegenständen.

Am Ende dürften daher rechtliche Gegenmaßnahmen mehr Wirkung zeigen. Der Staat New York hat bereits ein Gesetz entworfen, das explizit Produktion, Verkauf und Gebrauch von Waffen aus 3D-Druckern verbietet – ob mit oder ohne Waffenschein. (bsc)