Warten auf die nächste Generation

Weiterentwickelte Atomkraftwerke sollen sicherer und einfacher zu betreiben sein als ihre Vorgänger. In der Praxis aber gibt es nur wenige Fortschritte damit – jedenfalls im Westen.

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Von
  • Jamie Condliffe

Neue Typen von Atomreaktoren, die sicherer und einfacher sein sollen, tun sich schwer, zur Realität zu werden – jedenfalls in manchen Ländern. Wie Bloomberg berichtet, kämpft die Branche derzeit mit dem Bau von Kraftwerken mit Druckwasser-Reaktoren zur Uranspaltung der Generation III+. Reaktoren der Generation III sind schon seit 1996 im Einsatz, die neue "plus"-Version soll zusätzliche Sicherheitsmerkmale aufweisen und weniger Eingriffe erfordern.

Das Problem dabei: Die Umsetzung der Pläne gestaltet sich schwierig. Projekte in Finnland, Frankreich und den USA liegen hinter ihrem Zeitplan und über dem Budget. Gleichzeitig drohen neu beauftragte Projekte wie Hinkley Point in Großbritannien, schmerzhaft teuer zu werden.

Was sind die Gründe dafür? Lake Barrett, früherer Beamter bei der U.S. Nuclear Regulatory Commission, sagte gegenüber Bloomberg: "Die Kostenüberschreitungen entstehen durch einen fast perfekten Sturm der gesellschaftlichen Abneigung gegen Kernkraft, die zu ultrastrikten regulatorischen Anforderungen, Komplexität und Mangel an Erfahrungen mit dem Bau von Kernkraftwerken in der Branche führt."

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Die Bemühungen Chinas, die größte Nuklearbranche der Welt aufzubauen, scheinen unterdessen gut voranzukommen. Wie berichtet, ist das Land dabei, neue konventionelle Reaktoren zu bauen. Außerdem investiert es in Forschung und Entwicklung an exotischeren Kraftwerken der nächsten Generation wie Thorium-Flüssigsalzreaktoren, gasgekühlten Hochtemperaturreaktoren und mit Natrium gekühlten schnellen Reaktoren.

Im vergangenen Sommer stellte das US-Energieministerium ein Förderprogramm über 82 Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung von fortschrittlichen Kernreaktoren vor. Das war nicht sehr viel Geld, aber ein Zeichen dafür, dass Forschung und Entwicklung in der Politik ernst genommen wird.

Die Wahl eines neuen Präsidenten lässt allerdings drastische Einschnitte bei der Forschungsfinanzierung des Energieministeriums möglich erscheinen. Insofern ist nicht sicher, ob die USA wirklich noch Fortschritte bei neuen Atomkraftwerken machen werden.

(sma)