Was wir über die Wirkung von Covid-19 auf den Körper wissen

Der neue Corona-Virus verursacht vorrangig eine Atemwegsinfektion. Doch inzwischen finden Ärzte überall im Körper unerwartete Auswirkungen und Schäden.

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(Bild: Miguel Alegre / Shutterstock.com)

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Wer am neuen Coronavirus erkrankt und Symptome bekommt, hat meist Atemschwierigkeiten, wodurch auch der Rest des Körpers nicht genügend Sauerstoff erhält. Schnell können Lungenentzündung und andere Atemwegserkrankungen auftreten und im schlimmsten Fall zum Tod führen, wenn der Körper die Infektion nicht erfolgreich bekämpfen kann. Doch das Sars-CoV-2-Virus schädigt den Körper auch jenseits von Nasenhöhlen, Rachen und der Lunge. Hier eine Zusammenfassung dessen, was wir darüber in den letzten Wochen gelernt haben:

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Blut: Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass die durch eine Covid-19-Infektion ausgelösten Entzündungen zu Blutgerinnseln führen und durch das Verstopfen von Gefäßen ernsthaften Schaden anrichten können. In der Lunge können sie etwa gefährliche Embolien auslösen. Auch der verbreitete, auf den Namen "glückliche Hypoxie" getaufte Effekt könnte nach Vermutungen einiger Ärzte durch Blutgerinnsel in der Lunge verursacht werden, aber möglicherweise auch andere Ursachen haben. Dabei sinkt die Sauerstoffsättigung des Blutes auf so niedrige Werte, dass die Patienten eigentlich Atemnot haben müssten, aber keine verspüren. Viele weitere Studien weisen darauf hin, dass die Gerinnsel auch verschiedene Organe betreffen können, einschließlich Nieren, Darm, Leber und sogar das Gehirn. Eine niederländische Studie ergab, dass bis zu 38 Prozent der kritisch kranken Patienten an Komplikationen litten, die durch Blutgerinnsel verursacht wurden.

Gehirn: Die schwerwiegendste Auswirkung des Virus auf das Gehirn ist ein Schlaganfall, der höchstwahrscheinlich durch Blutgerinnsel in den zum Gehirn führenden Arterien verursacht wird. Dies geschieht sogar bei jungen Patienten. Aber das Virus kann auch mildere neurologische Symptome verursachen, vor allem den Verlust des Geschmack- und Geruchsinns. Einer Studie zufolge berichteten 65 Prozent der positiv getesteten Probanden über dieses Phänomen. Einige Wissenschaftler glauben, dass es ein Zeichen dafür sein könnte, dass das Virus das Nervensystem direkt beeinflussen kann. Andere Studien, die in Wuhan und Frankreich durchgeführt wurden, haben ebenfalls häufige neurologische Symptome bei Covid-19-Patienten festgestellt.

Herz: Neben gerinnungsbedingten Komplikationen, die durch Verstopfungen der Blutgefäße verursacht werden, scheint Covid-19 Belastungen für das Herz zu verschlimmern und den Herzmuskel durch Sauerstoffmangel zu zermürben, wenn die Lunge Probleme hat, oder durch eine Entzündung. Einige Fallstudien legen zudem nahe, dass das Virus das Herzgewebe auch direkt infizieren und schädigen kann.

Nieren: Studien aus China und Italien zu Beginn des Ausbruchs ergaben, dass etwa 25 bis 27 Prozent der verstorbenen Krankenhauspatienten Nierenschäden erlitten hatten. Bei Covid-19-Patienten mit Lungenentzündung scheint häufig auch diese Komplikation aufzutreten. Warum das geschieht, ist noch nicht abschließend klar. Doch zu den Hauptverdächtigen zählen auch hier Blutgerinnsel in den Gefäßen, die zu den Nieren führen, sowie überaktive Entzündungen im Körper, Sauerstoffmangel oder ein direkter Virusangriff auf die Nieren.

Immunsystem: Wie schon oft berichtet, erleiden einige Covid-19-Patienten, genau wie zuvor bei Sars- und Mers-Infektionen, einen sogenannten Zytokinsturm. Zytokine spielen eine wichtige Rolle beim Ankurbeln des Immunsystems. Kommt es aber zu einer überschießenden Produktion und damit einer zu starken Entzündungsreaktion des Körpers, die eigentlich infizierte Zellen beseitigen soll, werden auch gesunde Organe und Gewebe angegriffen – selbst dann, wenn die eigentliche Infektion schon vorüber ist. Es gibt noch keine genauen Daten darüber, wie viele Covid-19-Patienten betroffen sind, da Zytokinstürme häufig andere, durch Infektionen verursachte schwere Zustände weiter verschlimmern. Bei vielen Patienten, die versterben, wird jedoch ein hoher Blutspiegel an Zytokinen beobachtet. Die besten Behandlungen hierfür bilden zytokinhemmende Medikamente. Eine Studie legt nahe, dass eine frühzeitige Anwendung von Blutverdünnern nützlich sein könnte, um die Zytokinaktivierung zu mildern und das Ausbrechen eines Sturms zu verhindern.

(vsz)