Welche App ist das nächste Instagram?

Nach dem Kauf des Fotodienstes Instagram durch Facebook erwarten viele in der Tech-Welt, dass mobile Video-Apps das nächste große Ding werden. Technology Review stellt vier Kandidaten vor.

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  • Rachel Metz

Nach dem Kauf des Fotodienstes Instagram durch Facebook erwarten viele in der Tech-Welt, dass mobile Video-Apps das nächste große Ding werden. Technology Review stellt vier Kandidaten vor.

Seit Facebook den Kauf der Foto-App Instagram angekündigt hat, wird in der Tech-Welt wild spekuliert: Welche mobile Anwendung wird das nächste große Ding? Für Viele lautet die Antwort: Video.

Apps wie Viddy und Socialcam haben zuletzt kräftig Zulauf bekommen. Geholfen haben dürfte, dass Popstars wie Justin Bieber ihre Videoaufnahmen über diese Apps mit ihren Freunden teilen. Ähnlich wie Instagram versuchen derartige Anwendungen, Nutzer über Effekte wie Videofilter oder Hintergrundmusik zu gewinnen. Mit Spannung erwartet wird der Start von Airtime, einem Social-Video-Dienst der einstigen Napster Gründer Shawn Fanning und Sean Parker. Kein Zweifel: Mobiles Video ist im Kommen. TR-Autorin Rachel Metz stellt vier vielversprechende kostenlose Video-Sharing-Apps vor, die eine rasch wachsende Nutzergemeinde haben.

Socialcam

Socialcam ist wie ein kleines Videostudio für die Tasche. Im Unterschied zu anderen Apps, die ich ausprobiert habe, gibt es keine Beschränkung der Aufnahmezeit. Schön für alle, die ein großes Mitteilungsbedürfnis haben.

Die App enthält verschiedene Filter, die man vor der Aufnahme auswählt. „Grunge“ etwa erzeugt Flashback-artige Szenen, „Electronica“ gibt den Aufnahmen einen Look wie im Sciencefiction-Klassiker „Tron“. Ist das Meisterwerk fertig aufgenommen, kann man noch ein Intro und einen Soundtrack aus einer Bibliothek schmalziger Musikstücke auswählen - und es dann in diverse soziale Netzwerke entlassen.

Das Socialcam-Konto lässt sich mit Twitter und Facebook verknüpfen, so dass alle Videos automatisch auf den eigenen Seiten dort erscheinen. Man kann andere Nutzer im eigenen Video kennzeichnen, ihnen folgen, Videoantworten auf ihre Filme verfassen. Keine der anderen hier getesten Video-Apps bietet so viele Möglichkeiten, das eigene Material im Netz zu verbreiten und zu teilen. Einziger kleiner Haken: Die App-Benutzeroberfläche ist bei all den Optionen doch ein wenig vollgepackt.

Erhältlich für: Android und iPhone.

Teilen und Verbreiten über: Facebook, Twitter, YouTube, Posterous, Tumblr, Dropbox, E-Mail und SMS.

Viddy

Viddy ist die App für die ganz kurzen Videoclips. In 15 Sekunden muss alles im Kasten sein. Ebenso wie Socialcam bietet auch Viddy etliche Optionen. Der Lautstärkepegel auf dem Bildschirm hilft, die Außengeräusche nicht zu übersteuern, und ein Countdown zeigt an, in wieviel Sekunden die Aufnahme losgeht. Über die lassen sich anschließend zur Nachbearbeitung Filter legen. Einige Filter sind bereits in Viddy enthalten, die meisten muss man sich separat herunterladen, manche sind mit dem Namen eines Promis geadelt. Jeder Filter enthält dabei einen eigenen Soundtrack. Glücklicherweise lässt der sich abschalten: Ich fand die meisten Stücke eher störend.

Gut hingegen ist, dass man die Stärke eines Filters variieren kann. Wer den offiziellen Nebelfilter von Rapper Snoop Dogg mag, will es vielleicht nicht übertreiben und doch nur die Andeutung eines Nebels über das Bild legen. Viddy braucht einige Zeit, um die Nachbearbeitung eines Videos durchzurechnen. Bis zum Durchsehen und Schneiden muss man also ein wenig Geduld haben.

Nutzer, Orte und Gegenstände in Videos können natürlich gekennzeichnet werden. Praktisch: Ist das Viddy-Konto mit Konten in anderen sozialen Netzwerken verbunden, erscheint neben deren Symbolen ein grüner Punkt. Möchte man den Clip nicht automatisch über ein bestimmtes Netzwerk weiterverbreiten, tippt man kurz auf den grünen Punkt, der daraufhin rot wird – das Netzwerk ist nun fürs Sharing geblockt.

Erhältlich für: iPhone.

Teilen und verbreiten über: Facebook, Twitter, YouTube, Tumblr, E-Mail und SMS.

Cinemagram

Cinemagram hat ein gewisses Suchtpotenzial. Der Clou dieser App: Sie verwandelt kurze Videosequenzen in animierte GIFs. Dieses Bewegtbildformat aus den Anfangstagen des Web ist gewissermaßen der Vorläufer aller Online-Videos, als geringe Bandbreiten nur leicht ruckelige Standbildsequenzen zuließen.

Ein "Cinemagram", wie das Format auch heißt, entsteht so: Hat man eine kurze Videofolge aufgenommen und daraus die wesentlichen Sekunden ausgewählt, zeigt die App zunächst das erste Teilbild („Frame“) der Folge an. In diesem kann man nun einen Ausschnitt festlegen – etwa den Schatten einer Freundin, die am Strand in der Sonne tanzt. Für eine genauere Auswahl kann man auch in das Bild hineinzoomen. Noch ein paar Filter hinzugefügt, und schon läuft das Cinemagram eines tanzenden Schattens auf dem Smartphone.

Ein gutes Cinemagram bedarf allerdings einiger Übung und Phantasie. Sind die gegeben, können beeindruckende Animationen herauskommen, wie viele Beispiele im Cinemagram-Netzwerk zeigen.

Erhältlich für: iPhone.

Teilen und verbreiten: Facebook, Twitter, Tumblr und E-Mail.

Tout

Tout ist die App für alle, die keine Lust haben, ihre Videoclips irgendwie aufzumotzen. Denn Tout bietet keinerlei Filter an, und auch die Zoom-Funktion eines iPhones wird nicht unterstützt. Die Sache ist ganz puristisch: einfach ein Video aufnehmen, eine kurze Beschreibung verfassen und ab damit ins Netz. Wie Viddy sind Tout-Clips auf 15 Sekunden Länge beschränkt.

Innerhalb des Tout-Netzwerks lassen sich die Videos von anderen nicht mit Texten kommentieren. Man kann aber eine Videoantwort dazustellen.

Bei einer so einfachen Handhabung sollte man aber vorsichtig sein, was man ins Netz weiterleitet. Ist ein Clip erst einmal draußen, lässt er sich nicht aus der Tout-App heraus zurückziehen. Um ihn zu löschen – weil er vielleicht doch missraten ist -, muss man sich auf der Tout-Webseite einloggen.

Erhältlich für: Android und iPhone.

Teilen und verbreiten: Facebook, Twitter, E-Mail und SMS. (nbo)