Welches COVID-19-Medikament helfen könnte

Die ersten Studien von Therapien gegen das Coronavirus liegen vor. Eine Wunderwaffe gibt es noch nicht.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 2 Beiträge

(Bild: Photo by Brian McGowan on Unsplash)

Von

Drei Monate wütet die COVID-19-Erkrankung nun schon auf dem Planeten. Wissenschaftler auf der ganzen Welt arbeiten fieberhaft an Impfstoffen und Medikamenten. Das führt dazu, dass mittlerweile erste Probestudien vorliegen, die eine gewisse Hoffnung machen. Drei Therapeutika, die antiviral wirken, gelten dabei als besonders interessant. Technology Review liefert die Fakten.

Mehr Infos rund um das Coronavirus

Chloroquin oder Hydroxychloroquin

Der Hype: Präsident Donald J. Trump persönlich lobte dieses Malaria-Medikament und behauptete, es sei "enorme vielversprechend" gegen COVID-19. "Ich denke, das könnte sehr spannend werden", sagte er. "Es könnte ein Game-Changer sein, aber vielleicht auch nicht."

Die Studie: "Hydroxychloroquin und Azithromycin zur Behandlung von COVID 19 – Ergebnisse einer nichtblinden und nichtrandomisierten Studie"

Die Daten: Anfang März behandelten französische Ärzte am IHU-Méditerranée Infection in Marseille COVID-19-Patienten mit Hydroxychloroquin, einer Variante des 90 Jahre alten Malaria-Wirkstoffs Chloroquin. Sie gaben 200 Milligramm drei Mal am Tag über 10 Tage an 26 Patienten. Eine bekamen zusätzlich das Antibiotikum Azithromycin. In der Studie heißt es, behandelte Patienten hätten nach sechs Tagen weniger Viren im Körper gehabt als andere Patienten in einem anderen Krankenhaus, die unbehandelt blieben. Die Ergebnisse der Studie sind aber nicht sehr firm, weil es so wenige Patienten gab und die Gestaltung nicht sehr rigoros war. Aus China gibt es allerdings Gerüchte, Chloroquin sei erfolgversprechend gewesen.

Wissenschaftler, die die Studie kennen, sagen, es fehle noch an ausreichender Evidenz. "Einzelberichte können stimmen, aber es sind eben auch Einzelberichte", meinte Anthony Fauci, Chef des National Institute of Allergy and Infectious Diseases, bei einem Briefing des Weißen Hauses. Die Ergebnisse stammten nicht aus einer kontrollierten klinischen Studie. "Man kann also keine definitiven Aussagen machen."

Trotzdem hat Andrew Cuomo, Gouverneur von New York, das in den USA besonders stark betroffen ist, 70.000 Doses Hydroxychloroquin sowie 750.000 Dosen Chloroquin besorgt. Auch Azithromycin wurde beschafft. Eine Studie werde in dieser Woche starten. "Es gibt eine gute Basis, zu glauben, dass das funktionieren könnte. Der Präsident hat die Gesundheitsaufsicht FDA beauftragt, sich zu bewegen und die FDA hat das getan." Chloroquin hat allerdings auch Risiken, weil es den Herzrhythmus beeinflusst. Ohne Verschreibung sollte es niemand einnehmen. Malaria-Medikamente wie Chinin wurden auch im Rahmen der Spanischen Grippe 1918 bis 1920 gegeben – teilweise überdosiert.

Favipiravir

Der Hype: Medienberichten zufolge haben chinesische Beamte betont, das antivirale Medikament aus Japan sei "klar wirksam".

Die Studie: "Favipiravir gegen Arbidol bei COVID-19 – eine randomisierte klinische Studie"

Die Daten: Obwohl Favipiravir, ein antiviraler Wirkstoff des japanischen Herstellers Toyama Chemical (Teil von Fuji Film), weltweit für hoffnungsfrohe Schlagzeilen sorgte, liest sich der Bericht der Ärzte vom Universitätskrankenhaus in Wuhan deutlich bescheidener. Sie organisierten eine Studie mit 240 "gewöhnlichen" Patienten (sie hatten Lungenentzündung, gehörten aber nicht zu den schwersten Corona-Fällen) in der ganzen Provinz Hubei. Die Hälfte erhielt Favipiravir, die andere Arbidol (das auch Umifenovir heißt), ein antivirales Medikament aus Russland. Dann wurde beobachtet, bei welcher Gruppe sich der Zustand schneller verbesserte. Bei Verwendung des japanischen Produkts gingen Fieber und Husten schneller weg, doch die Anzahl der Patienten, die Sauerstoff oder Beatmung brauchten, war in beiden Gruppen gleich. Aufgrund der Studie kommen die Ärzte zu der Ansicht, dass Favipiravir das "bevorzugte" Medikament im Vergleich sei.

Favipiravir, das in Japan unter dem Handelsnamen Avigan vermarktet wird, soll Viren daran hindern, ihr genetisches Material zu kopieren. Es wurde während der Suche nach Grippemitteln entdeckt.

Lopinavir und Ritonavir

Der Hype: Ärzte setzten fortschrittliche Anti-HIV-Medikationen ein – in der Hoffnung, dass sie auch gegen COVID-19 wirken.

Die Studie: Eine Untersuchung von Lopinavir–Ritonavir bei Erwachsenen mit schwerem COVID-19

Die Daten: Dies ist die größte und am besten organisierte Studie zur Behandlung von COVID-19, doch sie zeigte keine Erfolge. Im Januar wählten Ärzte in China 199 Patienten zufällig aus und gaben ihnen entweder die HIV-Medikamente Lopinavir und Ritonavir zwei Mal am Tag über zwei Wochen – oder sie bekamen nur die Standardbehandlung. Dann wurde überprüft, wessen Zustand sich verbesserte und wer entlassen werden konnte. Unglücklicherweise viel das Ergebnis negativ aus. Fast 20 Prozent der Patienten starb. Die Forscher fragen sich nun, ob die Wirkstoffkombination, die in den USA von AbbVie für die Behandlung von HIV-Infektionen unter dem Namen Kaletra vermarktet wird, sinnvoll für weniger kranke Corona-Fälle sein könnte.

Zentral dabei ist Lopinavir, ein Protease-Inhibitor, der zumindest in Labor und Tierstudien einen demonstrierbaren Effekt gegen die SARS-artige Krankheit MERS hatte. Ritonavir hilft wiederum dabei, Lopinavir besser im Körper zu verteilen.

(bsc)