Wem gehören welche Wellen?

Lange Zeit galt als ausgemacht, dass Funkfrequenzen ein knappes Gut sind und damit Regulierung brauchen. Doch in der EU hat bereits ein Umdenken eingesetzt

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  • NILS SCHIFFHAUER

Für 2015 - dann sind Rundfunk und Fernsehen auf Platz sparende Digitaltechnik umgestellt - rechnet Peter Scott, Abteilungsleiter im Direktorat der EU-Kommission, mit vielen freien Frequenzen, die "wirksam" zu verteilen seien. Den Weg zwischen Verwaltungsentscheidungen, marktorientierter Lösungen und lizenzfreier Frequenznutzung werden Gremien suchen müssen. In den USA hat die Frequenzbehörde FCC schon Anfang 2002 einen Teil des Spektrums für jedermann freigegeben, allerdings mit Auflagen: Der Bereich darf nur mit der Ultra Wideband (UWB) Technologie benutzt werden.

Zunächst nutzten das Militär, dann die Post, später Rundfunk sowie Fernsehen und Funkamateure die Funkwellen. Sie alle konnten ihre elektromagnetischen Felder kostenlos oder zu kleinen Gebühren beackern, bis Handys die Verfügung über Frequenzen zum unverzichtbaren Rohmaterial eines Geschäftsmodells mit Massenwirkung machten. Der Verkauf der UMTS-Lizenzen für 50,8 Milliarden Euro brachte nicht den erhofften technischen Erfolg. Dagegen wuchsen in weltweit kostenlos nutzbaren Bändern Drahtlos-Technologien wie Bluetooth und Wi-Fi.

In den USA soll dieser Erfolg jetzt mit UWB potenziert werden. UWB überträgt Information mit Impulsen im Picosekundenbereich. Die Information lässt sich auf beinahe beliebigen Frequenzen empfangen. Noch ist allerdings nicht absehbar, wie stark die Sender sich gegenseitig und andere Signale stören. Womöglich erzeugt UWB wieder neuen Regelungsbedarf. Was zunächst nur für die Kommunikation im Nahbereich zu taugen scheint, macht durch Vernetzung von Hotspots die beliebig weite Verbreitung von Daten denkbar. Wer 50 Milliarden Euro in Frequenzrechte investiert hat, wird das ebenso ungern hören wie der Empfänger dieses Geldes: Dank Digitaltechnologie scheint die einst begrenzte Ressource Funkfrequenz nun fast beliebig vermehrbar.

(Zusammenfassung aus Technology Review Nr. 11/2004; das Heft mit dem vollständigen Artikel können Sie hier bestellen) (sma)