Wenn der Astronaut mal muss

Thatcher Cardon arbeitet als Familien- und Flugarzt bei der US Air Force im texanischen Del Rio. Mit seinen Konstruktionen für Raumanzüge hat er die "Space Poop Challenge" der Nasa gewonnen.

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Technology Review: In dem Wettbewerb wurde nach Lösungen gesucht, wie Astronauten trotz längerer Aufenthalte im Raumanzug ihre Notdurft verrichten können. Wie funktioniert Ihr Entwurf?

Thatcher Cardon: Im Schritt meines Raumanzugs ist ein Ventil eingebaut, durch das verschiedene Hilfsmittel eingeführt werden können. Es gibt eine Vorrichtung für Männer und Frauen, um zu urinieren. Außerdem habe ich eine aufblasbare Bettpfanne mit Bidet entworfen. Ein Apparat an der Seite des Raumanzugs erzeugt den Unterdruck, um die Ausscheidungen abzusaugen und die Bettpfanne aufzublasen. Die Nasa ist aber vor allem an meinem Hygienestab interessiert. Das ist eine mit einem Reinigungstuch überzogene Röhre. Damit können die Astronauten sich anschließend wieder säubern. Das verschmutzte Tuch wird durch die Röhre wieder nach draußen gezogen, sodass nur sauberes Tuch in Kontakt mit der Haut kommt.

Thatcher Cardon

Wie verhindern Sie, dass Luft austritt, wenn die Geräte durch das Ventil geschoben werden?

Das Ventil und die Röhre für die Geräte stellen zwei Teile einer Luftschleuse dar. Sie schließen luftdicht ab, wenn sie ineinandergesteckt werden.

Wurde Ihr System bereits in der Schwerelosigkeit getestet?

Bisher gab es noch keine Tests, denn das System ist zunächst ein Entwurf. Es ist noch nicht funktionsfähig, sondern verdeutlicht das Funktionsprinzip.

Thatcher Cardon


Warum haben Sie sich entschlossen, an der "Space Poop Challenge" teilzunehmen?

Ich wollte schon immer im Bereich der Medizintechnik arbeiten. Ich habe mich dann doch für Familienmedizin entschieden, weil ich dachte, Medizintechnik kann ich auch später noch machen. Dass die "Space Poop Challenge" mein Ticket in das Feld ist, hätte ich aber nie gedacht.

Dass Astronauten in ihren Anzügen Windeln tragen müssen, ist seit fast einem halben Jahrhundert ein Problem. Wie haben Sie es geschafft, in nur fünf Wochen eine Alternative zu entwickeln?

TR 6/2017

Das weiß ich nicht genau. Aber die Nasa forscht auch erst seit ein paar Jahren ernsthaft an dem Thema. Das liegt vor allem daran, dass sich die Missionen verändern. Astronauten sind heute bedeutend länger im All als vor einigen Jahrzehnten. Im Fall eines Defekts der Station müssen sie bis zu sechs Tage im Raumanzug verbringen können – dafür reicht eine Windel einfach nicht. Und die künftigen Projekte der Nasa werden noch bedeutend länger dauern.

Wie werden Sie Ihr System weiterentwickeln?

Ich habe die Nasa besucht und mit den Entwicklern gesprochen. Sie haben einen Vertrag mit einer Firma geschlossen, die den Hygienestab zu einem funktionsfähigen Prototyp weiterentwickeln soll.

(jle)