VR: Wer bei einer OP in virtuelle Welten eintaucht, braucht weniger Anästhesie​

Virtual Reality bei Operationen soll helfen, die Gabe von Lokalanästhetika zu reduzieren, den Krankenhausaufenthalt zu verkürzen und Risiken zu verringern.​

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(Bild: Pexels)

Von
  • Rhiannon Williams
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Tauchen Patienten während einer Operation in VR-Welten ein, benötigen sie weniger Betäubungsmittel. Das zeigen Ergebnisse einer neuen Studie. Forscher des Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston hatten 34 Patienten, die sich einer elektiven Handoperation unterziehen mussten, in zwei gleich große Gruppen eingeteilt.

Eine Gruppe erhielt ein Virtual-Reality-Headset und konnte sich während der Operation eine Reihe von entspannenden, immersiven Programmen ansehen. Die andere Gruppe erhielt kein VR-Headset. Zu den VR-Programmen gehörten 360-Grad-Ansichten einer friedlichen Wiese, eines Berggipfels oder eines Waldes, geführte Meditationen sowie Videos, die vor dem Hintergrund eines Sternenhimmels abgespielt wurden.

Die VR-Gruppe benötigte eine deutlich niedrigere Dosis Propofol – in diesem Fall zur Betäubung der Schmerzen in der Hand – als die Kontroll-Gruppe. Sie erhielten 125,3 Milligramm pro Stunde im Vergleich zu einem Durchschnitt von 750,6 Milligramm pro Stunde, wie die Forscher im Fachjournal PLoS ONE schreiben. Die VR-Gruppe verließ die Aufwachstation nach der Anästhesie auch schneller: durchschnittlich 63 Minuten gegenüber 75 Minuten bei der Nicht-VR-Gruppe.

Die Forscher vermuten, dass die Teilnehmer der VR-Gruppe weniger Narkosemittel benötigten, weil sie stärker abgelenkt waren als die Patienten ohne VR-Headset. Das Team räumt jedoch ein, dass die VR-Gruppe möglicherweise bereits vor der Operation davon überzeugt war, dass das VR-Verfahren wirksam sein würde. Diese Möglichkeit einer Placebo-Wirkung muss in künftigen Studien erforscht werden.

Die Verringerung der Narkosemittelmenge durch eine deutlich niedrigere Dosis Propofol kann auch dazu beitragen, den Krankenhausaufenthalt zu verkürzen und das Risiko von Komplikationen zu verringern. Sie könnte zudem auch die Kosten für die Medikamente selbst senken.

Das Team plant nun eine ähnliche Studie mit Patienten, die sich einer Hüft- oder Knieoperation unterziehen, um weiter zu untersuchen, ob VR bei der Bewältigung von Angstzuständen während der Operation helfen könnte, sagt Adeel Faruki, Anästhesiologe an der Universität von Colorado, der die Studie geleitet hat.

Es gebe immer mehr Belege dafür, dass VR eine nützliche Hilfe bei Operationen sein kann, sagt Brenda Wiederhold, Mitbegründerin des "Virtual Reality Medical Center", die nicht an der Studie beteiligt war. Allerdings müssten die Mediziner die Patienten auf die sogenannte Cyber-Sickness überwachen, eine Form der Bewegungskrankheit, die VR bei manchen Menschen auslöst.

„Es gibt so viele Anwendungsfälle für VR und Operationen wie Kaiserschnittgeburten und Operationen vor und nach einem Herzinfarkt“, sagt sie. VR kann nicht nur während medizinischer Eingriffe hilfreich sein, sondern auch danach, so Wiederhold, indem sie das Risiko chronischer Schmerzen verringert. „Das ist alles ziemlich aufregend“, sagt sie.

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(vsz)