Wie Forscher aus Tabakpflanzen Impfstoffe gegen Corona gewinnen wollen

Kanadische Wissenschaftler verwenden Nicotiana benthamiana, um Virus-artige Partikel heranzuzüchten, die in Vakzinen genutzt werden können.

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Nicotiana benthamiana, hier ohne Viren-artige Partikel.

(Bild: GeFy / PD)

Von
  • Ben Schwan

Aktuell sind in Europa nur mRNA- und Vektorvirus-Impfstoffe zum Schutz vor COVID-19 auf dem Markt. Proteinbasierte Vakzine sollen in den kommenden Monaten hinzukommen, wobei sich ihre Wirksamkeit noch erweisen muss. Die bisherigen Herstellungsverfahren sind komplex. So benötigt die mRNA-Technik hochspezialisierte Nanolipidpartikel und das Vektorvirus-Verfahren bedingt, dass harmlose Adenoviren angezüchtet und ihre DNA ausgetauscht werden können.

Die Pharmafirmen Medicago und GlaxoSmithKline (GSK) wollen einen neuen Corona-Impfstoff nun mit Hilfe von Pflanzen produzieren – konkret mit Nicotiana benthamiana, einem tabakartigen Gewächs, das eigentlich in Australien heimisch ist. Das Projekt wird zusammen mit der McGill University erforscht.

CoVLP genannt, kann man den Impfstoff nach der Wachstumsphase der Pflanze ganz einfach aus den Blättern extrahieren. Zuvor setzen die Forscher ein Bakterium (Agrobacterium tumefaciens) ein, um Gene aus dem Spike-Glykoprotein von SARS-CoV-2 in die Pflanze zu übertragen, die dieses dann in seinen Zellen bildet.

Der Vorteil der Technik ist, dass sie potenziell große Mengen an Impfstoff liefern könnte. CoVLP ist ein sogenanntes Virus-artiges Partikelvakzin, das zusammen mit einem Adjuvans, also einem Hilfsstoff, die Immunabwehr gegen COVID-19 anregen soll. In einer aktuell laufenden Phase-1-Studie wird aber auch getestet, ob der Impfstoff allein ausreicht oder zwei Adjuvanzien benötigt. Das Vakzin soll einfach zu handhaben sein und kann bei 2 bis 8 Grad Plustemperatur gelagert werden, ohne dass es unbrauchbar wird.

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Die in Kanada laufende Untersuchung von Medicago und GSK bei Probanden im Alter zwischen 18 und 55 (180 Personen, eingeteilt in neun Gruppen) zeigte milde bis moderate Nebenwirkungen, wie man sie etwa auch von AstraZeneca kennt. Besonders die Verwendung der Adjuvanzien zeigte eine gute Bildung neutralisierender Antikörper. Der Titer sei zehn Mal so hoch wie im Serum von Menschen gewesen, die eine COVID-19-Erkrankung bereits überstanden hatten. Geimpft wurde jeweils zwei Mal – im Abstand von 21 Tagen. Laut der in Nature Medicine erschienenen Studie sind die Ergebnisse so gut, dass sich eine Kommerzialisierung anbieten könnte, sollten alle Sicherheitskriterien eingehalten werden.

(bsc)