Wie das größte Holzhochhaus der Welt entstehen soll

Zwei japanische Firmen haben lange Holzbalken entwickelt, die sich sogar für 350 Meter hohe Hochhäuser einsetzen lassen. Ein Trick dabei ist ein Sägezahnmuster.

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(Bild: Sumitomo Forestry)

Von
  • Martin Kölling

Holz wird schon länger als ein Baustoff für Hochhäuser angepriesen. Das höchste Exemplar ragt in Norwegen 85 Meter in den Himmel. Nun nimmt ein japanisches Firmenduo für sich in Anspruch, eine Baumethode für 350 Meter hohe Wolkenkratzer entwickelt zu haben. Der Baukonzern Nikken Sekkei und der Holzverarbeitungskonzern Sumitomo Forestry haben dafür gemeinsam eine Verbundträgerbauweise entwickelt, bei der Holzbalken und Stahlbetondeckenplatten kombiniert werden.

Die Innovation besteht dabei in einer neuen Bauweise der Holzträger, die Spannweiten von rund zwölf Meter erlaubt. Das ist doppelt so lang wie bisherige Holzbalken. Zudem sind die Balken weniger tief, wodurch die Geschosshöhe und damit der Materialbedarf verringert werden kann. Damit sollen sich die Holzkonstruktionen besonders für mittelgroße und sehr hohe Gebäude eignen.

Das Rezept besteht nicht nur aus der Laminierungstechnik, sondern vor allem der Oberfläche des Balkens, die an eine Säge erinnert. Die Ingenieure haben alle 25 Zentimeter eine bis zu 3,5 Zentimeter tiefe, flach einsinkende Einkerbung eingesägt. In die Mitte der Vertiefungen werden 16 Millimeter dicke Sechskantschrauben gedrillt. Danach wird darauf die Stahlbetondecke aufgebracht.

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Durch das Sägezahnmuster bildet die Verbundkonstruktion dann eine besonders feste Struktur. Die sei herkömmlichen Stahl- und Stahlbetonkonstruktionen nicht unterlegen, teilten die Unternehmen mit. Zudem erfordert die Methode nur ein Zehntel der Stahlschrauben bei glatten Balken, um die Betonplatte festzuhalten.

Die Idee zum dem Projekt kam Sumitomo Forestry als eigenes Geschenk zum 350-jährigen Firmenjubiläum, das 2041 gefeiert werden soll. 2018 rief der Holzkonzern daher das Projekt W350 ins Leben, das die Technik für ein 350 Meter hohes Hochhaus entwickeln sollte. Als Partner wählten sie sich sich Nikken. Das Ziel der Holzexperten ist nun, bis zum Stichjahr eine hölzerne Megacity mit allen Attributen, wie zum Beispiel Hochhäusern, zu verwirklichen.

Projekt W350: Das größte Holzhochhaus der Welt (5 Bilder)

Der Baukonzern Nikken Sekkei und der Holzverarbeitungskonzern Sumitomo Forestry wollen eine hölzerne Megacity hervorbringen, inklusive Hochhäusern.
(Bild: Sumitomo Forestry / Nikken Sekkei)

Gleichzeitig soll die Methode dabei helfen, bis 2050 die Treibhausgasemissionen im Bausektor unter dem Strich auf Null zu senken. Japan hat da große brachliegende Kohlenstoffdioxidsenken, die sich dafür nutzen ließen: die nach dem Krieg angepflanzten Industriewälder. Deren Nutzung kollabierte in den 1960er Jahren, als durch die erste GATT-Freihandelsrunde japanisches Holz teurer als importiertes wurde.

Der Einsatz als Baumaterial für kleine Einfamilienhäuser war zudem ein relativ kleiner Markt. Durch den Masseneinsatz von Holz auch für große Gebäude aller Höhen hofft das Duo, den Markt so stark zu vergrößern, dass sich auch die Nutzung der Nadelwälder wieder lohnt. Auch gesundheitlich würde dies Japan einen Dienst erweisen. Die altgewordenen Baumriesen stoßen im Frühjahr riesige Pollenwolken aus, die Pollenallergien zur Volkserkrankung gemacht haben. Jüngere Wälder würden die Nieswellen verringern. Gesundheit.

(jle)