Wie ein besseres Facebook funktionieren könnte

Mark Zuckerbergs Netzwerk steckt in der Krise. Nun könnten jetzt auch Gesetzgeber in den USA aktiv werden. Aber wie würde Social-Media besser gehen?

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(Bild: sitthiphong/Shutterstock.com)

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  • Jan Vollmer
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"Dieser Konzern gehört zerschlagen", sagt Simon Hegelich, ungewöhnlich drastisch für einen Universitätsprofessor, wenn man ihn nach Facebook fragt. Hegelich forscht zu 'Political Data Science' an der Technischen Universität München. Die Anhörung, in der die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen über das Innenleben des Konzerns berichtet, hat er sich im Internet angeschaut.

Wenig von dem, was die ehemalige Facebook Mitarbeiterin Frances Haugen am Dienstag vor dem dem Ausschuss des US-Senats sagte, war für Wissenschaftler wirklich neu: Aus Studien war bekannt, dass Facebooks Algorithmen seinen 2,8 Milliarden Nutzern vor allem Posts in den Newsfeed spült, die für sogenanntes "engagement" sorgen – für Klicks, Reaktionen und Kommentare. Seit Jahren weiß man auch schon, dass dies vor allem Posts sind, die wütend machen. "Auch zum Thema Polarisierung, gibt es schon Studien von Facebook, die zeigen, dass die Leute dort rechtsradikal werden", so Hegelich in einem Telefongespräch.

Die Werbung ist ein weiterer Punkt, der auffällt: "Die Art und Weise wie derzeit personalisierte Werbung auf sozialen Netzwerken funktioniert, ist schlichtweg übergriffig", schreibt auch die Autorin und Netz-Aktivistin Katharina Nocun in einer E-Mail. "Bei einer Datenabfrage stellte ich vor einigen Jahren fest, dass ich bei Facebook in einer Werbekategorie namens 'Stress' gelandet war. Derartiges ist psychologisches Profiling und gehört verboten. (…) Auch in puncto Marktmacht und Wettbewerb ist das ein Problem", so Nocun weiter. "Whatsapp, Instagram und Facebook sollten nicht zu ein und demselben Konzern gehören dürfen – eine Zerschlagung wäre das einzig richtige."

Obwohl Facebook auch in der amerikanischen Politik schon lange als Problem bekannt ist, ist bisher wenig passiert. Das lag daran, dass vor allem in der Trump-Ära demokratische Abgeordnete etwas gegen Falschinformationen unternehmen wollten, während die Republikaner auf "Free Speech" pochten – und Facebook derweil weiter 'business as usual' machte. "Company over country" soll Facebook-Chef Mark Zuckerberg gerne nach internen Meetings gerufen haben.

Diesmal schienen die amerikanischen Abgeordneten statt einzelner Profile oder Posts eher das große Ganze im Blick zu haben: Facebooks Algorithmen und die Frage 'Welche Art von Posts verbreiten Facebooks Netzwerke eigentlich?' Wie Frances Haugen es ausdrückte: "Es geht nicht um bestimmte Nutzer, die wütend oder instabil sind, um eine Seite, die gegen die andere radikalisiert wird. Es geht um Facebooks Entscheidung, um jeden Preis wachsen zu wollen, ein Billionen-Unternehmen zu werden und dabei Profit auf Kosten unserer Sicherheit zu machen."

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Mit den Studien, die Frances Haugen von Facebook geleakt hat, ist jetzt recht ausführlich belegt, wie schädlich Facebook genau ist. Es ist klar, dass Facebook sich dessen seit Jahren bewusst ist. Und es ist klar, dass Facebook sich im Zweifel eher für mehr "engagement" entscheidet, für die eigenen Profite, und gegen das Wohlergehen der Nutzer oder der Gesellschaft. Und es stellt sich die Frage, wie es weiter geht – was passieren muss, damit Facebook besser wird – oder zumindest weniger schlimm?

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