Wie ich von Whatsapp zu Signal wechselte (Nützes Gedöns VI.)

Die Ersten werden die Ersten sein

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Sieben Jahre lang konnte sich Whatsapp unter dem Dach der Datenkrake weiter ausbreiten, doch nun scheint eine Zäsur eingetreten, nachdem die Nutzer eine neue Datenschutzerklärung abnicken sollen, laut der ihre Daten anderen Diensten der Firmenmutter weitergereicht werden. Was wohl auch zuvor schon geschah, nun aber trotz einer Einschränkung, dass diese Daten nicht für Werbezwecke genutzt werden dürfen, noch deutlicher zu lesen ist. Ohne Zustimmung lässt sich der Dienst ab dem 8. Februar nicht mehr nutzen. Das ging weit durch die Medien und könnte auch unter Menschen, die sich sonst nicht tiefer mit Kommunikationstechnik und -politik befassen, problembewusster gemacht haben.

Meine Stunde schien gekommen, endlich meinen länger gehegten Plan umzusetzen, komplett auf Whatsapp zu verzichten; das zeigte schon ein Blick in meine Signal-App, über die nun ein paar mehr Kontakte als früher erreichbar waren. Sie waren von sich aus auf diesen Messengerdienst aufgesprungen. Zu meinem Plan gehörte es, die für solche Zwecke praktische Whatsapp-Funktion Broadcast zu nutzen, um allen meinen Kontakten mitzuteilen, dass ich demnächst zu Signal wechseln und meinen Whatsapp-Account löschen werde. Dazu hängte ich einen Link auf signal.org.

Wenn ich meinen Account lösche, heißt das aber auch, dass sämtliche Chats getilgt werden, also auch jene, die ich als wichtigen Teil meiner persönlichen Historie ansehe, durch die ich meine Entwicklung der vergangenen zehn Jahre nachvollziehen kann – und die meiner jeweiligen Gesprächspartner:innen. Sprach-, Literatur- und andere Wissenschaftler sehen Whatsapp mittlerweile als eine moderne Form des Tagebuchs an, nur meist in Dialogform verfasst.

Seit gut einem Jahr gibt es in Whatsapp nicht mehr die Möglichkeit, Chatverläufe zu exportieren. Mit dieser Funktion wäre es leicht gewesen, die mir wertvollen Dialoge in einer Textdatei zu speichern. Nun wich ich darauf aus, Whatsapp zu einem Backup zu veranlassen. An dieses konnte ich herankommen, indem ich auf meinem Rechner eine Software installierte, die die Chatverläufe aus meinem iPhone-Backup extrahiert.

Damit war eine Hürde überwunden, eine technische; als nächste wartete eine weitere, diffizilere auf mich: die menschliche, denn es gab noch zwei von mir gegründete und mir auch wichtige Whatsapp-Gruppen mit jeweils gut 20 Mitgliedern, die ich mitmigrieren wollte. Das erste Problem bestand darin, dass nicht jeder einen Signal-Account hatte und mitunter auch geringes Selbstzutrauen herrschte, die Software zu installieren. Ich und all die anderen in diesen Gruppen sind keine "Digital Natives", da reicht die Spannweite der Selbsteinschätzung der medialen oder technischen Kompetenz weit. Das zweite Problem bestand darin, dass sich manche sträubten, neben Whatsapp einen weiteren Messenger zu installieren – eine mir selbst wohlbekannte Abneigung gegen Multimessaging. Auf Whatsapp wollten sie nicht verzichten, weil sie die meisten Menschen darüber erreichen und sonst vereinsamen würden. Einer teilte mir mit, einer seiner ETF basiere auf Facebook, daher bliebe er bei Whatsapp. Ich antwortete, dass ich niemanden zu irgendetwas zwingen wolle.

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Zunächst eröffnete ich in der Messenger-App zwei neue Gruppen mit den gleichen Bezeichnungen und den gleichen Gruppenbildern, dann schickte ich jeweils einen Gruppenlink in die jeweilige Whatsapp-Gruppe. Dieser geleitete die einen, die noch kein Signal installiert hatten, zur Installation, während die anderen, die schon die App auf ihrem Smartphone installiert hatten, sofort der Gruppe beitreten konnten. Manche "Neu-Signaler" schickten mir über Signal eine Mitteilung, ich möge sie in die Gruppe stecken, und ich schubste sie hinein. Schon bald füllten sich die beiden neuen Signal-Gruppen fast bis auf die Anzahl, die sie noch auf Whatsapp hatten. Nun sind jene die digitalen Außenseiter, die noch und nur auf Whatsapp verharren und ich konnte endlich jene hinzunehmen, die schon immer Signal hatten.

Meine letzte Whatsapp-Botschaft lautete: "Dies ist meine letzte Whatsapp-Botschaft. Ich werde meinen Whatsapp-Account löschen. Wir sehen uns in einem nächsten Leben oder auf Signal." Da sie auch an viele Menschen ging, mit denen ich schon länger keinen Kontakt hatte, ereignete sich der schöne Effekt, dass ich mit einigen endlich mal wieder ins Gespräch kam.

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Siehe dazu auch:

  • Signal: Download schnell und sicher von heise.de

(anw)