Wie neue US-Gewerkschaften sich gegen Big Tech durchsetzen wollen

Arbeiternehmer in den Tech-Konzernen nutzen eine Vielzahl von Verfahren, um ihre Arbeitgeber zu Veränderungen zu drängen. Dabei sind sie zunehmend erfolgreich.

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  • Sarah Jaffe
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Die Mitarbeiter im Amazon Fulfillment Center in Bessemer, Alabama, wollten einfach nur eine Gewerkschaft. Das Logistikzentrum wurde im März letzten Jahres eröffnet – gerade an jenem Zeitpunkt, als die zahllosen Bestellungen im Rahmen des COVID-19-Lockdowns hereinströmten. Während ein Großteil der Weltwirtschaft einbrach, florierte der Sektor – und mit ihm die ganze Technologiebranche. Amazon-Gründer Jeff Bezos konnte sein eigenes Vermögen im Jahr 2020 um 75 Milliarden US-Dollar erhöhen. In Alabama wurden die Angestellten hingegen dazu gedrängt, härter und länger zu arbeiten – und sie fühlten sich entmenschlicht. Sie wollten ihre Würde, nicht einfach nur höhere Löhne.

Der Vorstoß der Arbeiter, der Einzelhandels-, Großhandels- und Kaufhausgewerkschaft (kurz RWDSU) beizutreten, war ein harter Kampf. Amazon nutzte seine gigantischen Mittel, um die Kampagne der Gewerkschaft zu bekämpfen. Die Bosse setzten etwa Social Distancing als Kampfmittel ein, so die RWDSU – als Vorwand, um die Kommunikation zwischen den Arbeitnehmern zu ersticken. Arbeitgeberfreundliche Gesetze auf US-Bundes- sowie Landesebene erlaubten es dem Management, eine Anti-Gewerkschaftskampagne im Sinne von verbrannter Erde zu führen: Amazon stellte gewerkschaftsfeindliche Berater ein, überschwemmte die Mitarbeiter mit Textnachrichten und Werbeschildern, die sie dazu aufforderten, in der Abstimmung über die Zulassung der Gewerkschaft mit "Nein" zu stimmen. Parallel dazu mussten die Mitarbeiter gewerkschaftsfeindliche Vorträge über sich ergehen lassen.

Die Ergebnisse der Abstimmung waren für die Aktivisten jedoch schmerzhaft: 738 Stimmen für die Gewerkschaft, 1.798 dagegen. Doch noch während die Stimmen ausgezählt wurden, begannen andere Amazon-Arbeitnehmer im ganzen Land, sich zu organisieren. Am 7. April streikte eine selbstorganisierte Gruppe mit Unterstützung der Gewerkschaft Amazonians United Chicagoland gegen sogenannte Megacycles der Konzerns, eine zermürbende 10-Stunden-Nachtschicht in dem Logistiklager. Arbeiter organisierten sich auch im kalifornischen Inland Empire. Und landesweit weigerten sich Hunderte von Mitarbeitern aus mindestens 50 Amazon-Standorten, während der Pandemie zu arbeiten. Eine Gruppe auf Staten Island war dabei, ihre eigene Basisgewerkschaft zu gründen. In Minneapolis–Saint Paul überzeugte das sogenannte Awood Center, eine Gruppe von Arbeitnehmern, die sich für ostafrikanische Einwanderer einsetzt, das Unternehmen davon, sich mit den Arbeitnehmern zusammenzusetzen und eine Vereinbarung über die Berücksichtigung religiöser Bräuche zu treffen.

Der Gewerkschaftskampf in Bessemer, Alabama, und die zunehmenden Arbeitnehmeraktivitäten bei Amazon insgesamt spiegeln eine neue Welle wieder, die die gesamte Tech-Branche in den USA erfasst hat. Dabei müssen jedoch zentrale Fragen erst einmal eine Antwort finden. Dazu gehört: Was ist überhaupt ein "Tech"-Angestellter? Der Begriff kann im Grunde auf jeden angewendet werden, der in solchen Firmen arbeitet – von Programmierern über Mitarbeiter von Rechenzentren bis hin zu Lagerarbeitern und Fließbandtätigen in einer Tesla-Fabrik. Sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer geht es dabei weniger um Geld, sondern um Macht.

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Die Realität ist, dass Gewerkschaftsarbeit in der Tech-Branche zunehmend an das erinnert, was in der klassischen Industrie vor bald 100 Jahren geschah. Damals verlagerte der Congress of Industrial Organizations den Schwerpunkt der Arbeiterbewegung von der Organisation des Handwerks auf die Zusammenführung ungelernter Arbeiter in riesigen neuen Fabriken. Die neue Arbeiterbewegung wurde von den Autofabriken in Detroit verkörpert, entstand aber in einer Vielzahl von Branchen, die durch neue Technologien und neuartige Managementtaktiken gekennzeichnet waren. Diese Ära der Industrialisierung erforderte eine neue Art von Gewerkschaft – und die Arbeiter kämpften jahrzehntelang, bevor sie auf Methoden stießen, die funktionierten. Ohne die Unterstützung der US-Regierung, die in der Zeit der Großen Depression begann, hätte es kaum geklappt.

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Die gewerkschaftliche Organisierung von Tech-Arbeitern wird ähnliche Anstrengungen erfordern, eine ähnliche Neuorganisation der Taktik benötigen und, sehr wahrscheinlich, eine ähnlich Unterstützung der US-Regierung. Wie das Ergebnis der Gewerkschaftswahlen in Bessemer zeigt, haben es die heutigen Arbeiter mit den reichsten Unternehmen der Welt zu tun – Unternehmen mit den ausgeklügeltsten Überwachungs- und Informationssystemen der Welt, ganz zu schweigen von den Millionen, die sie für gewerkschaftsfeindliche Berater ausgeben können.

Um die neue Gewerkschaftsbewegung in der Tech-Branche zu verstehen, sagt Emma Kinema, eine Gewerkschafterin bei den Communications Workers of America, muss man verstehen, dass die Tech-Branche mittlerweile überall ist, dass die meisten Arbeitnehmer in irgendeiner Weise mit Technologie zu tun haben und dass das, was wir als "Tech-Industrie" bezeichnen, dennoch eine gewisse Konsistenz aufweist, auch wenn sie mittlerweile riesig und vielfältig ist.

Es seit auch wichtig, sich daran zu erinnern, dass die Kultur des Silicon Valley von Anfang an gewerkschaftsfeindlich war; ein Grund dafür, dass Kalifornien zum Tech-Hub der Wahl wurde, ist, dass die Gegend um Boston, wo viele junge Führungskräfte der Branche ihre Anfänge hatten, eine lang etablierte Gewerkschaftspräsenz hatte. Ben Tarnoff vom "Logic Magazine" merkt an, dass die üblichen Vergünstigungen und Annehmlichkeiten eines Tech-Arbeitsplatzes – kostenloses Essen, viel Spielzeug im Büro sowie legere Kleidung – als explizit gewerkschaftsfeindliche Maßnahmen begannen. Diese Kultur, die der Soziologe Andrew Ross als "krawattenkragenlos" bezeichnet hat, sollte nicht nur Loyalität, sondern auch Liebe zum und Identifikation mit dem Unternehmen erzeugen.

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Der Arbeitshistoriker Nelson Lichtenstein sagt, dass Big Tech dazu neigt, sich auf sein transformatorisches Image zu stützen, um alle arbeitsrechtlichen Beschwerden zu überspielen und sie als Spitzfindigkeiten abzutun, die die Entwicklung der Welt behindern. Das ist nichts Neues, argumentiert er – Henry Ford reagierte auf die gleiche Weise, als Arbeiter in seinen Fabriken sich zu Wort meldeten – und Ford lernte seine Gegenmaßnahmen von den Eisenbahnmagnaten, die ihm vorausgegangen waren. Trotz des Widerstandes der Bosse schlossen sich die Arbeiter in diesen bahnbrechenden Sektoren schließlich gewerkschaftlich zusammen – auch wenn es Jahre dauerte und einige gescheiterte Versuche gab. Stahlarbeiter hielten 1919 massive Streiks ab, scheiterten aber. "In den 20er und 30er Jahren dachte jeder, dass die Stahlindustrie unmöglich zu organisieren sei", sagt Kinema. "Die Arbeiter waren zu gut bezahlt; die Industrie war zu neu; sie hatten diese neuen, modernen Managementmethoden." Aber 1937 erkannte der Stahlriese US Steel die Gewerkschaft schließlich an. "Können Sie sich vorstellen, dass die Google-Arbeiter streiken würden?", fragt sie. Allein die Ingenieure der sogenannten Site Reliability, die die technische Infrastruktur von Google warten, "könnten das halbe Internet lahmlegen".

Chewy Shaw ist einer dieser Ingenieure und auch stellvertretende Vorsitzende der Alphabet Workers Union, die Teil der CWA ist. Die Gewerkschaft ging im Januar 2021 mit etwas mehr als 200 Mitgliedern an die Öffentlichkeit und hat jetzt mehr als 800, darunter Google-Programmierer wie Shaw und Parul Koul sowie Forscher, Rechenzentrumsmitarbeiter, Zeitarbeiter und Lieferanten. Die Gewerkschaft ist nicht groß genug, um das Internet in absehbarer Zeit einzuebnen, noch steht ein Streik unmittelbar bevor (Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, beschäftigt 135.000 Mitarbeiter). Aber sie hat das Unternehmen herausgefordert, mehr für seine Arbeiter zu tun, indem sie höhergestellte Mitarbeiter wie Shaw und Koul nutzt, um echte Veränderungen für Menschen mit weniger Macht und Sicherheit zu erreichen. Ein Beispiel: Die Gewerkschaft unterstützte Shannon Wait, eine Data-Center-Technikerin, die über ein Subunternehmen in South Carolina angestellt war, bei einer fehlerhaft ausgesprochenen Suspendierung im März, weil sie mit Kollegen einfach nur über ihre Arbeitsbedingungen gesprochen hatte. Das National Labor Relations Board (NLRB), das zur US-Regierung gehört und unfaire Arbeiternehmerbehandlung untersucht, hob die Suspendierung auf und ordnete an, dass das Unternehmen Aushänge anbringen muss, die die Arbeiter darüber informieren, dass sie das Recht haben, sich zu organisieren.

Ein Großteil dieser Arbeit baut auf früheren Aktivitäten von Tech-Angestellten auf, die während der Präsidentschaft von Donald Trump an Fahrt gewannen, als liberal eingestellte Angestellte erfuhren, dass die Chefs, von denen sie dachten, dass sie ihre Werte teilen, in Wirklichkeit gerne mit der Regierung zusammenarbeiten. Als Google-Mitarbeiter erkannten, dass sie die Infrastruktur für "Project Maven", ein Projekt für künstliche Intelligenz für das US-Militär, aufbauen, wurde ihnen bewusst, dass sie da etwa an Code für Drohnenangriffe arbeiteten. Tausende von Google-Mitarbeitern unterzeichneten Anfang 2018 einen Brief, in dem sie gegen die Beteiligung des Unternehmens an Project Maven protestierten, und Google ließ seinen Maven-Vertrag im folgenden Jahr sogar auslaufen. Das war jedoch nicht die einzige Sorge der Arbeiter – im November 2018 folgte eine massive internationale kurzzeitige Arbeitsniederlegung, die sich auf sexuelle Belästigung und Diskriminierung im Unternehmen konzentrierte.

Die Maßnahme bei Google unterstrich die Tatsache, dass sich viele Mitarbeiter, selbst diejenigen mit den höchsten Gehältern oder der größten Jobsicherheit, vom Unternehmen nicht wertgeschätzt fühlten. Und während viele Beobachter spotteten – der Risikokapitalgeber Mike Solana schrieb auf Twitter, dass Mitarbeiter wie Shaw und Koul "keine unterdrückten Bergarbeiter sind" – führte dieses Gefühl zur Gründung der Alphabet Workers Union. "Die Forderung nach Respekt am Arbeitsplatz ist nicht spezifisch für Menschen in einem Bergwerk. Das ist wirklich der Grund, warum wir alle das tun", sagt Koul.

Diese Arbeiter wollen die Macht, die sie innerhalb des Unternehmens haben, als Teil einer breiteren Arbeiterbewegung nutzen. Das bedeutete etwa, sich zu weigern, an Project Maven zu arbeiten; und jetzt bedeutet es, in Solidarität mit der Black-Lives-Matter-Bewegung zu fordern, dass das Unternehmen keine Technik an die Polizei verkauft. Diese Arbeit orientiert sich an Gewerkschaften wie der Chicagoer Lehrergewerkschaft, die Rassengerechtigkeit und wirtschaftliche Ungleichheit in der ganzen Stadt zu ihren zentralen Forderungen gemacht hat – und diese Kämpfe durch zwei weithin bekannte Streiks in den Jahren 2012 und 2019 gewinnen konnte. Der langjährige Gewerkschaftsstratege Stephen Lerner sagt, dass die Arbeiter durch solche "Handlungen für das Gemeinwohl" bei Google die Auswirkungen des Unternehmens auf die Gesellschaft in Frage stellen, nicht nur ihre eigene Behandlung. "Ich glaube nicht, dass die gewerkschaftliche Arbeit in der Tech-Beschäftigten die Resonanz hätte, die sie jetzt hat, wenn die Leute sich nur um bessere Rentenpläne kümmern würden", sagt Lerner.

Schon in den frühen 90er Jahren, als Lerner als Organisator der "Justice for Janitors"-Kampagne gegen Apple in den Krieg zog und gewerkschaftliche Rechte für Reinigungskräfte mit Subunternehmern im gesamten Tech-Sektor durchsetzte, stellte sich die Frage: "Wer ist ein Tech-Arbeiter?" Durch diese erfolgreichen Kampagnen hat Lerner dazu beigetragen, die Definition auf praktisch jeden auszuweiten, der ein Tech-Unternehmen am Laufen hält. Cori Crider, eine Juristin bei Foxglove, einer Anwaltsfirma, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Macht von Big Tech herauszufordern, hat mit Inhaltemoderatoren gearbeitet, die von Subfirmen beschäftigt werden – echten Menschen, die jeden Tag Beiträge mit Gewalt, Rassismus und schlimmen Sexszenen durchforsten müssen, um zu bestimmen, was gegen ein sich ständig änderndes Regelwerk beispielsweise bei Facebook verstößt.

Diese Arbeitnehmer sind oft an Geheimhaltungsvereinbarungen gebunden, die sie davon abhalten, öffentlich über ihre Arbeitsbedingungen zu sprechen. Das erlaubt Unternehmen wie Facebook zu leugnen, dass es sie überhaupt gibt – eine Behauptung, an der das Unternehmen letztes Jahr auch dann festhielt, als Berichte auftauchten, dass Moderatoren, die für die Outsourcing-Firma Accenture arbeiten, während der Pandemie ins Büro zurückgedrängt wurden. Tech-Arbeiter, die nicht unter die normale Definition von "Angestellten" fallen, finden neue Wege, sich zu organisieren und sich zu schützen. Coworker.org, eine Kampagnenplattform für die Organisation von Arbeitnehmern, verwendet Spenden von gut situierten Tech-Arbeitern, um einen "Solidaritätsfonds" aufzubauen, der an Arbeiter auf der anderen Seite der Tech-Lieferkette verteilt wird. Gig-Worker auf Amazons Mechanical-Turk-Plattform nutzen die Website "Turkopticon", um sich zusammenzuschließen und für bessere Bedingungen zu kämpfen.

Am anderen Ende des Spektrums der Tech-Arbeiter stehen diejenigen, die in der Tesla-Fabrik in Fremont, Kalifornien, Elektroautos bauen. Bevor Elon Musks Unternehmen das Werk in Fremont kaufte, war es als New United Motors Manufacturing, Inc. oder NUMMI bekannt, eine Zusammenarbeit zwischen General Motors und Toyota, mit der die japanische "schlanke Produktion" nach Amerika gebracht wurde. NUMMI überlebte den Konkurs von GM im Jahr 2008 nicht – und Tesla schnappte zu.

Die Zusammenarbeit mit den United Auto Workers war eine der großen Innovationen von NUMMI, aber Tesla ist einen anderen Weg gegangen. Kürzlich entschied ein Verwaltungsrichter, dass mehrere Maßnahmen des Unternehmens als Reaktion auf die gewerkschaftliche Organisation von Arbeitern illegal waren – darunter einige Tweets von Musk sowie die Belästigung von Mitarbeitern, die Gewerkschaftsflugblätter verteilten, das Verbot von gewerkschaftsfreundlichen T-Shirts und Buttons, Entlassungen und mehr. Die Strafen des NLRB belaufen sich auf wenig mehr als ein Klopfen auf die Finger – Musk musste eine Erklärung verlesen, in der er den Arbeitern mitteilt, dass sie das Recht haben, sich gewerkschaftlich zu organisieren, und einen entlassenen Arbeiter wieder einstellen. Der Tesla-Gründer hat trotzdem gegen die Entscheidung Berufung eingelegt. Die Arbeiter im Werk, sogar die Gewerkschaftsanhänger, sind begeistert von der Produktion der Elektrofahrzeuge, aber sie betonen, dass die technische Raffinesse des Werks nicht verhindert, dass es viel mühsame Handarbeit gibt – und sogar Verletzungen bei der Arbeit. Jose Moran, einer der Anführer der Gewerkschaftsbewegung und ehemaliger NUMMI-Arbeiter, schrieb einen Blog-Beitrag über die Dinge, die er verbessern würde, darunter das zermürbende Arbeitstempo und einige schlecht konstruierte Maschinen.

Autoarbeiter haben seit den Tagen von Henry Ford mit ihren Maschinen gekämpft. Aber die Geschichten der Tesla-Mitarbeiter erinnern an die Beschwerden von Autoarbeitern in den 1960er Jahren, die gegen die "Beschleunigung" ankämpften – die Art und Weise, wie das Management neue Technologien einsetzte, um das Arbeitstempo in Orten wie Lordstown, Ohio, und Detroit zu erhöhen. Eine Welle von Aktivitäten innerhalb der Gewerkschaften und wilde Streiks stellten die Idee in Frage, dass die Automatisierung die Arbeit leichter machte. Da die Maschinen den Herstellungsprozess beschleunigten, mussten die Arbeiter schneller arbeiten, um mitzuhalten. Die Mitarbeiter bei Tesla, die weit davon entfernt sind, eine Art Aristokratie unter den Autoarbeitern darzustellen, sagen, dass sie weniger verdienen als gewerkschaftlich organisierte Kollegen bei GM und Ford. Wie Moran schrieb: "Ich hatte oft das Gefühl, dass ich für ein Unternehmen der Zukunft unter Arbeitsbedingungen der Vergangenheit arbeite."

Auch in den Amazon-Lagern ist alles Alte scheinbar wieder neu. "Die Autoindustrie hat in den 80ern und schon in den 70ern versucht, viel zu automatisieren – und sie sind im Grunde auf einem Plateau gelandet, wo sie es nicht mehr viel tun konnten." Tesla habe im Grunde das Gleiche durchgemacht, sagt Tyler Hamilton, ein Amazon-Lagerarbeiter aus Minneapolis. "Es ist das Gleiche mit uns. Irgendwann geht mehr bei der Automatisierung einfach nicht." Mohamed Mire, ein Kollege von Hamilton, erklärt, dass die meiste von Amazons gepriesener Lagertechnik dazu diene, die Arbeiter zu verfolgen, anstatt die Arbeit effizienter zu machen. Scanner, mit denen die Arbeiter Pakete einscannen, erfassen auch ihre sogenannten "Time off Tasks" – und es gibt Verweise oder gar Abmahnungen, wenn ihre Produktivitätsrate sinkt. Roboter, die Hamilton mit "riesigen Roombas" vergleicht, fahren Waren durch das Lager, funktionieren aber oft nicht richtig – in letzter Zeit gehört es zu seinen Aufgaben, die Roboter wieder richtig einzustellen, wenn sie nicht mehr funktionieren. Daten von Amazon selbst zeigen, dass die Verletzungsrate in Lagern mit Robotern höher ist als ohne sie.

Hamilton und Mire arbeiten mit dem Awood Center zusammen, das – da es sich um ein Zentrum für Arbeitnehmer und nicht um eine Gewerkschaft handelt – keine Gewerkschaftswahlen durchführt, sondern sich durch direkte Aktionen organisiert. Die Awood-Mitglieder haben einige Zugeständnisse von Amazon errungen, vor allem in Bezug auf die Gebetszeiten (viele Mitarbeiter sind praktizierende Muslime) und Anpassungen an das Fasten während des Ramadan. Sie haben auch erreicht, dass Leute wieder eingestellt wurden, die entlassen worden waren. Trotz der Niederlage in Alabama haben Arbeitnehmer wie Hamilton und Mire nicht die Absicht, ihre gewerkschaftsnahe Arbeit einzustellen. Aber Amazons rabiate Taktik – einschließlich der Einstellung sogenannter Pinkertons, Sicherheitmitarbeitern einer Firma, die Arbeitgebern seit dem 19. Jahrhundert dabei hilft, Gewerkschaften zu zerschlagen – wird wahrscheinlich auch nicht aufhören. Das NLRB entscheidet derzeit, ob sie die Beschwerden gegen das Unternehmen in den verschiedenen Regionen konsolidieren soll. Seit Beginn der Pandemie gab es mindestens 37 in 20 US-Städten. Die Gewerkschaft RWDSU reichte allein in Bessemer 23 Beschwerden wegen unlauterer Arbeitspraktiken ein, darunter der Vorwurf, Amazon habe den Arbeitern illegal mit Entlassungen oder gar der Schließung des Werks gedroht.

Es ist eindeutig noch ein langer Weg zu gehen, bevor Tech-Arbeiter am Verhandlungstisch zu echten Gewinnern werden, aber die Geschichte bietet ihnen viele Modelle, auf die sie schauen können. Lichtenstein, der Gewerkschaftshistoriker, verweist auf die International Longshore and Warehouse Union, eine der mächtigsten Gewerkschaft an der Westküste, die 1958 ein Abkommen mit den Spediteuren schloss, um die Hafenarbeiter an den Gewinnen aus der Automatisierung zu beteiligen. Als der selektive Einsatz der Automatisierung zu mehr Verletzungen führte, drängte die Gewerkschaft tatsächlich auf mehr Technik zur Verbesserung der Sicherheit. Sie steigerte die Löhne für auf über 150.000 Dollar pro Jahr. Im aktuellen Kampf hat die Biden-Regierung sowohl Unterstützung für eine umfassende Arbeitsrechtsreform signalisiert – die viele von Amazons Taktiken illegal machen würde – wie auch für eine mögliche Regulierung von Big Tech. Amazon-Arbeitnehmer Hamilton merkt an, dass es etwa 50 Jahre gedauert habe, bis US Steel eine Gewerkschaft gehabt habe. "Amazons Lagerhäuser wurden erst vor ein paar Jahren erbaut. Wenn es nicht dieses oder nächstes Jahr klappt, klappt es eben in fünf."

Sarah Jaffe ist Fellow am Type Media Center und Autorin des Buches "Work Won't Love You Back".

(bsc)