Wie sich Twitter-Trends verbreiten

Netzwerkforscher haben untersucht, welche Städte in den USA bei dem Kurznachrichtendienst die Themen setzen und welche Regionen hinterherhinken.

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  • TR Online

Netzwerkforscher haben untersucht, welche Städte in den USA bei dem Kurznachrichtendienst die Themen setzen und welche Regionen hinterherhinken.

Eine grundlegende Eigenschaft sozialer Netzwerke ist es, dass sich über sie Informationen schnell von Mensch zu Mensch verbreiten lassen. Besonders beliebte Inhalte – seien es nun Texte, Videos oder Fotos – werden viral – sie verteilen sich über eine ganze Stadt, ein ganzes Land, einen ganzen Kontinent oder gar die ganze Erde.

Wie eine solche virale Verbreitung abläuft, darüber gibt es mittlerweile einige Studien. Der Forscher Emilio Ferrara hat mit seinem Team an der Indiana University in Bloomington nun die geografische Komponente untersucht. Dabei nutzte er den Kurznachrichtendienst Twitter, um zu überprüfen, wie sich Trendthemen über die Metropolregionen der USA verteilen. Untersucht wurde unter anderem, welche Rolle die Geografie beim Entstehen und der Verbreitung viraler Nachrichten spielt und wo die Trendsetter sitzen. Mit einer eigens entwickelten Software konnte das Wissenschaftlerteam den jeweiligen Ausgangspunkt aktueller Twitter-Trends definieren.

Als Forschungsgegenstand wurde die von Twitter ständig aktualisierte Liste der zehn populärsten Hashtags und Begriffe bei dem Kurznachrichtendienst verwendet. Diese wird auch geografisch heruntergebrochen – für insgesamt 63 US-Städte existieren eigene Rangordnungen.

Um herauszufinden, wo Trends auftauchen und wie sie sich verbreiten, setzten Ferrara und sein Team einen Webcrawler ein, der jede der Listen zwischen dem 12. April und 30. Mai 2013 alle zehn Minuten abfragte. Auf diesem Weg wurden über 11.000 verschiedene Hashtags und Begriffe gesammelt, die über diese 50 Tage populär wurden.

Anschließend wurden Charts erstellt, die die Trends in jeder der US-Städte über den untersuchten Zeitraum darstellten. Das erlaubte den Forschern, zu überprüfen, wie sich Trends von Stadt zu Stadt verbreiteten und nachzusehen, ob es Cluster von Städten gab, in denen die gleichen Themen zu Trends wurden.

Das Ergebnis ist vielsagend. Es demonstrierte, dass die meisten Twitter-Trends schnell wieder sterben – rund 70 Prozent hatten nur eine Lebensdauer von 20 Minuten und nur 0,3 Prozent hielten einen ganzen Tag durch.

Ferrara und sein Team zeigten auch, dass es drei ausgeprägte geografische Regionen gibt, die ähnliche Trends aufweisen: die Ostküste, der Mittlere Westen und der Südwesten der USA. Es sei leicht, sich vorzustellen, wie Trends sich auf niedrigem Niveau entwickeln und sich dann durch lokale Verbindungsknoten – sprich Freunde – verbreiten, so die Studie.

Die Forscher erkannten außerdem, dass es einen Cluster einflussreicher Städte gibt, die eine Gruppe bilden, wenn es um das Entstehen von Trends geht. Hierbei gibt es keine direkte geografische Verbindung, sondern es handelt sich um Megacities wie Los Angeles, New York, Atlanta und Chicago.

Aber wie verbreiten sich die Twitter-Trends hier? Ferrara und sein Team meinen, dass der intensive Flugverkehr zwischen diesen Städten eine Rolle spielen könnte. Ihre Hypothese ist, dass Themen an diesen Orten nahezu gleichzeitig zu Trends werden, weil die Menschen von Stadt zu Stadt reisen. Bei Krankheitsepidemien wäre das nicht anders.

Im Zusammenhang mit der Studie entstand auch eine Liste jener Städte, die echte Trendsetter sind – und solche, die Trends nur zu folgen scheinen. Ganz vorne bei den Trendsettern dabei sind Los Angeles, New York, Washington und Seattle, aber auch das vergleichsweise kleine Cincinnati. Zu sogenannten Sinks, also Städten, die Trends nur folgen, erklärten die Forscher dagegen Oklahoma City, Albuquerque, El Paso, Omaha sowie Kansas City.

Als Nächstes wollen Ferrara und sein Team nun ihre Flugverkehrshypothese untermauern. So soll ermittelt werden, ob sich Trends auf diese Art tatsächlich nachweisbar schnell verbreiten. ()