Wildhybrid: Alpina D3 S

Alpina baut auf Basis des BMW 3er mit Sechszylinder-Selbstzünder den D3 S mit 355 PS und 730 Nm. Dank Startergenerator ist das Alpinas erstes Mildhybridmodell.

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Alpina D3 S

Ab November soll der Alpina B3 S verkauft werden.

(Bild: Alpina)

Von
  • Florian Pillau

Nachdem Alpina bereits 2019 den BMW 3er mit der Sechszylinder-Benziner auf 462 PS und 700 Nm zum Alpina B3 aufgeblasen hat, folgt nun mit dem D3 S die Diesel-Motorisierung. Sie hat als erstes Alpina-Modell einen mild ausgelegten Elektro-Zusatzantrieb. Mit dem bei BMW für viele Modelle serienmäßigen 48-Volt-Startergenerator entsteht damit Alpinas erstes Mildhybrid-Modell.

Alpina D3 S (8 Bilder)

Der Alpina D3 S ist als Limousine und Kombi erhältlich.
(Bild: Alpina)

Der Sechszylinder-Selbstzünder mit drei Litern Hubraum und doppelter Turboaufladung erreicht laut Alpina nun 355 PS und 730 Nm. Das ermöglicht eine Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 4,6 Sekunden für die Limousine und in 4,8 für den etwas schwereren Touring. Die Höchstgeschwindigkeiten des D3 S liegen bei 273 respektive 270 km/h für die Ausführung als Kombi. Alpina gibt im WLTP einen Verbrauch von 7,6 Litern an. Der D3 S erfüllt die Abgasnorm Euro 6d-ISC-FCM, die ab Januar 2021 für Neuwagen zur Mindestanforderung wird. Die ersten Modelle sollen ab November ausgeliefert werden, diese Einstufung ist also gewissermaßen Pflicht.

Der Startergenerator bietet nicht nur eine etwas bessere Kraftstoffeffizienz durch die Möglichkeit, den Verbrennungsmotor mit 8 kW Leistung zu unterstützen und ihn in günstigeren Lastzuständen zu betreiben. Er wird auch eingesetzt, um die Schaltvorgänge zu verschleifen und das Ansprechverhalten zu verbessern. Leiser und schneller kann mit dem System auch der Verbrennungsmotor gestartet werden, der zum Ausrollen oder in sogenannten Segel-Phasen spritsparend abgestellt werden kann.

Alpina hat die Achtgang-Automatik mit den entsprechenden Teilen des Getriebeherstellers ZF gewissermaßen „aus dem Regal” für die hohe Drehkraft verstärkt. Die Getriebebezeichnung „ZF 8HP76” deutet sogar auf Reserven hin, denn das „76” steht bei ZF für eine Drehmomentbelastbarkeit von 760 Nm. Dazu kommt eine auf Motor und Fahrverhalten abgestimmte Regelung von Wandler und Schaltstrategie. Alpina nennt das „Switch Tronic”.

Der Allradantrieb mit stärker heckbetonter Kraftverteilung und die elektronisch gesteuerte Hinterachs-Differenzialbremse helfen, die Kraft möglichst gut auf die Straße zu bekommen. Das Sportfahrwerk mit Federn des Zulieferers Eibach und variablen Schwingungsdämpfern entspricht dem bereits im B3 bewährten. Dämpfung und Lenkung sind in die dreistufige fahrdynamische Abstimmung von Motor und Getriebe einbezogen.

Die Bremsanlage ist groß dimensioniert, denn sie entspricht der des 608 PS leistenden Alpina-Modell B5 Bi-Turbo. Vorn sind Vier-Kolben-Festsättel und 395-Millimeter-Scheiben montiert, hinten Schwimmsättel und 345-Millimeter-Scheiben. Gegen Aufpreis ist eine Bremsanlage für den Rundkurs erhältlich mit hochtemperaturfesten Scheiben aus Verbundmaterial und entsprechendem Belagmaterial erhältlich.

Serienmäßig sind die 19-Zoll-Gussräder mit ihrer für Alpina bekannten 20-Speichen-Anordnung, bestückt mit Pirelli P Zero in 255/35 ZR19 vorn und 265/35 ZR19 hinten. Gegen Aufpreis rüstet Alpina den D3 S mit leichten 20-Zoll-Schmiedefelgen und Reifen in 255/30 ZR20 und hinten 265/30 ZR20 aus.

Von Alpina gestaltete Schürzen an Front und Heck sollen die Durchströmung der Kühler und Bremsen und die Aerodynamik verbessern helfen. Gleichzeitig halten sie sich an die gewohnten Gestaltungsregeln der Firma und machen den D3 S auf einen Blick als Alpina-Modell erkennbar. Ebenfalls typisch Alpina, aber nicht so gut erkennbar ist die Edelstahl-Auspuffanlage. Im Interieur wird den neuen Alpina auch niemand mit einem Serien-BMW verwechseln, Sitze, Fußmatten und Lenkrad tragen das Firmenemblem, die Instrumentenskalen sind ebenfalls typisch. Sichtbar angebracht wurde in schöner Tradition auch wieder die Alpina-Produktionsnummer.

Wie üblich bei Alpina ist auch die Serienausstattung gegenüber den BMW-Nacktfröschen deutlich aufgewertet. Dazu gehören unter anderem Sportsitze mit Alcantara-/Sensatec-Polsterung, eine Soundanlage mit DAB+-Empfang, das große BMW-Infotainment mit allen Konnektivitätsfunktionen sowie die komplette Ausstattung mit Assistenzsystemen. Die D3 S Limousine kostet mindestens 70.500 Euro, der Touring 71.900 Euro.

Mit 340 PS und 700 Nm ist der sportliche Diesel-Dreier M340d aus dem BMW-Katalog zwar in der Leistung leicht unterlegen, erreicht mit 4,6 s von 0 auf 100 km/h aber eine gleich gute Beschleunigung wie der D3 S. Dabei liegt der Verbrauch im WLTP mit 6,4 l/100 km deutlich niedriger. Auch der M340d xDrive bekommt den baugleichen Startergenerator, einen dynamisch konfigurierten Allradantrieb und ein Sportfahrwerk. Ein M340d xDrive ist mit 64.550 Euro zwar günstiger. Auf dem Ausstattungsniveau eines Alpina D3 S erreicht er allerdings dann auch schnell dessen Preisregionen. So bleibt der Alpina D3 S eine interessante Alternative, zumal er mehr Exklusivität bietet: Er ist nicht zuletzt ein sehr schnelles Auto für BMW-Begeisterte, die nicht von der Stange kaufen wollen.

(fpi)