Wind von der Alm

Hoch in den Alpen weht oft ein heftiger Wind. Die Herausforderungen für die Windfarmen sind enorm.

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Von
  • Daniel Hautmann

Doch die Mühe kann sich lohnen. Das sagt Maximilian Hoyos, Fachmann für erneuerbare Energien bei der Österreichische Bundesforste AG, die in der Steiermark in 1600 Metern Höhe "Pretul" errichtet hat: "Das ist wahrscheinlich einer der windreichsten Standorte im Land."

Noch bevor das erste Windrad gebaut wurde, bewerteten Spezialisten die Windverhältnisse. Dazu stellten sie einen 80 Meter hohen Messmast auf. Außerdem analysierte ein Lasermesssystem an drei Orten die Luft. Vor allem Turbulenzen waren von Interesse. "Die entstehen zusätzlich wegen der Komplexität des Geländes", sagt Po Wen Cheng, Windenergieforscher an der Universität Stuttgart.

Mit steigender Höhe sinkt zwar die Luftdichte, was sich negativ auf die Stromernte auswirkt. Dafür ist die Windgeschwindigkeit in den Bergen meist höher. In Spitzen bläst der Wind auf der Pretulalpe mit 30 Metern pro Sekunde, was Windstärke 11 entspricht – orkanartigem Sturm. Damit war klar, dass spezielle Starkwindanlagen zum Einsatz kommen würden. Die brauchen weder hohe Türme noch lange Flügel, sondern müssen in erster Linie stabil sein. Die Wahl fiel auf die "E-82 E4" des Auricher Herstellers Enercon.

Die Stromernte der Ende 2016 ans Netz gegangenen Windfarm ist vielversprechend: "Der Kamm liegt mit seiner Ausrichtung günstig zur Hauptwindrichtung", sagt Hoyos. Pro Jahr rechnet er mit rund 2000 Volllaststunden. Bei 14 Windrädern, jedes drei Megawatt stark, ergeben sich so 84 Gigawattstunden – genug für 22000 Haushalte.

"Nicht nur der Betrieb eines Windparks im Gebirge ist extrem, sondern auch der Bau", berichtet Hoyos. Während Anlagen im Flachland in einer Bausaison errichtet werden, benötigt man im Gebirge wegen der langen Winter doppelt so viel Zeit. So galt es 2015 im ersten Sommer, den 4,5 Kilometer langen Weg zum Park zu bauen und 14 Fundamente zu gießen. Erst im vorigen Sommer wurden die Windräder installiert. Hunderte Tonnen schwere Anlagen auf den Berg zu schaffen, war eine Herausforderung: Schwerlaster mussten die Türme – je fünf Stahlsegmente – anliefern, ein neunachsiger Mobilkran stellte sie auf.

"Da war ein ganzer Konvoi unterwegs, für den es oben auf dem Berg eigentlich viel zu wenig Platz gab", sagt Hoyos. Zwar sind die Rotorblätter mit rund 40 Metern Länge vergleichsweise kurz. Sie auf normalem Weg durch verwinkelte Dörfer, Wälder und Serpentinen zu fädeln ist jedoch nahezu unmöglich. Deshalb transportierte sie ein Spezialfahrzeug, das die Rotorblätter kippen und drehen kann. Wurde es zu eng, fuhr der Flügel in die Senkrechte.

Seit der Windpark in Betrieb ist, gehört die Vereisung der Rotoren zu den größten Herausforderungen. Die einzelnen Anlagen stehen unterschiedlich hoch und haben ihr eigenes Mikroklima. Daher hat jede Maschine eine eigene Heizung, die von einer lernenden Software gesteuert wird. (bsc)