Wie es im Silicon Valley um die Wohltätigkeit steht

Philanthropen, die sich auf den Effektiven Altruismus berufen, geraten in die Kritik. Vorwurf: Sie haben mit ihren Spenden eine konservative, elitäre Agenda.

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, Illustration: Victor Kerlow

(Bild: Illustration: Victor Kerlow)

Von
  • Rebecca Ackermann
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Es gehört zu den paradoxen Entwicklungen der amerikanischen Geschichte, dass die erfolgreichsten Industriekapitäne der USA beim Erwerb ihrer sagenhaften Reichtümer oftmals nicht wirklich zimperlich vorgegangen sind, nur um später einen Teil ihres Reichtums großzügig für wohltätige Zwecke auszugeben. Der Stahlmagnat Andrew Carnegie beispielsweise ließ 1892 im Homestead-Streik 300 mit Gewehren bewaffnete Pinkerton-Agenten einsetzen, um Streikbrecher in eine Fabrik zu bringen – die Aktion endete in einer Schlacht mit mehreren Toten. Auf der anderen Seite finanzierte Carnegie im ausgehenden 19. Jahrhundert rund 3.000 öffentliche Bibliotheken.

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Dass es auch im Hightech-Sektor aktive Philanthropen gibt, ist daher nicht erstaunlich. Im Umfeld der Silicon-Valley-Kultur hat sich allerdings eine ganz besondere Spielart der Wohltätigkeit reicher Spender entwickelt: der Effektive Altruismus (EA). Seit seiner Entstehung in den späten 2000er-Jahren versucht der Effektive Altruismus, die Frage zu beantworten: "Wie können diejenigen, die über die nötigen Mittel verfügen, auf messbare Weise den größten positiven Einfluss auf die Welt nehmen?" Eine naheliegende Antwort besteht darin, Gelder an Organisationen zu geben, die evidenzbasierte Ansätze verwenden, um zu messen, wie viel positive Effekte Spenden haben. Da sich EA jedoch von einer akademischen Philosophie zu einer Gemeinschaft und einer Bewegung entwickelt hat, haben sich auch die Vorstellungen über den "besten" Weg, die Welt zu verändern, weiterentwickelt.

Die Überzeugung, dass unwahrscheinliche, aber existenzielle Bedrohungen wie eine die Menschheit zerstörende KI-Revolte oder ein internationaler biologischer Krieg die dringendsten Probleme der Menschheit sind, ist heute ein wesentlicher Bestandteil von EA. Es handelt sich um eine Ideologie, die sich anschickt, die Hauptbühne zu erobern. Immer mehr Gläubige aus der Tech- und Milliardärsklasse – die vor allem männlich und weiß sind – beginnen damit, Millionen in Projekte wie den FTX Future Fund des Krypto-Milliardärs Sam Bankman-Fried und den Longview Philanthropy’s Longtermism Fund zu investieren, die sich auf theoretische Bedrohungen konzentrieren, die der Science-Fiction entstammen.