Wolke mit Vorhängeschloss

Ein deutsches Start-up arbeitet an einem Gerät, mit dem kleine Firmen und Privatanwender ihre Internet-Nutzung besser absichern können.

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  • Ben Schwan

Ein deutsches Start-up arbeitet an einem Gerät, mit dem kleine Firmen und Privatanwender ihre Internet-Nutzung besser absichern können.

Die junge Firma Secucloud aus Hamburg hat ein IT-Security-System entwickelt, mit dem Heimanwender und kleine Unternehmen ihre Internet-Nutzung Cloud-basiert absichern können sollen. Dazu wird eine eigene Hardware, die sogenannte Secubox, angeboten, die als eine Art Gatekeeper im Netzwerk des Kunden dient.

Der kleine rote Kasten, der an einen WLAN-Router erinnert und diesen auch ersetzt, wird zwischen Internet-Anschluss (DSL- oder Kabelmodem) und Heimnetz geschaltet und sorgt dafür, dass der Datenverkehr aller Geräte – sei es nun ein PC, eine Spielekonsole oder ein im WLAN hängendes iPad – künftig verschlüsselt an das Secucloud-Rechenzentrum weitergeleitet wird.

Secucloud soll per App auch Smartphones und Tablets laufen

(Bild: Secucloud)

Dort sollen dann Firewall- und andere Security-Einrichtungen dafür sorgen, dass Datenschädlinge, Hackversuche und weitere Gefahren nicht ins Heimnetz des Nutzers gelangen können. Zwischen Heimnetz und restlichem Internet ist also eine Art Sicherheitsschicht eingezogen – Angreifer aus dem Netz müssen erst am Secucloud-System vorbei.

Chef von Secucloud ist Dennis Monner, der vorher zehn Jahre lang Leiter des Netzwerk-Equipment-Spezialisten GateProtect war, den er auch gegründet hatte. Ihm sei aufgefallen, dass Privatkunden und kleinen Firmen die Profi-Sicherheitstechnik, die Großunternehmen zur Verfügung steht, nicht zugänglich ist, begründet er seine Geschäftsidee. Entsprechend basiert das System unter anderem auf Enterprise-Firewalls von Checkpoint, die allerdings für die Zwecke von Secucloud angepasst wurden.

Das Start-up schleust den Datenverkehr durch ein eigenes Sicherheitssystem, das in Deutschland steht.

(Bild: Secucloud)

Die Secubox stellt ein eigenes WLAN mit dem aktuellen Standard 802.11ac bereit und ist dazu mit zwei Antennen ausgestattet. Bis zu drei Geräte lassen sich aber auch per Netzwerkkabel anschließen. Ein USB-Anschluss steht für die Einbindung externer Festplatten ins Heimnetz parat. Das von dem Secucloud-System aufgebaute virtuelle private Netzwerk (VPN), durch den alle Daten gehen, setzt auf das SSL-VPN-Verfahren mit Schlüssellängen von 128 oder 256 Bit.

Das Secucloud-System kommt neben der Sicherheitstechnik zusätzlich noch mit Filtern und Benutzerprofilen, die sich frei konfigurieren lassen. So soll die Secubox beispielsweise bei einem kleinen oder mittelständigen Unternehmen verhindern, dass ein Mitarbeiter geklaute Software auf den Firmenrechnern installiert. Und Eltern erlaubt es, die stundenlange Nutzung von Onlinespielen beim Nachwuchs einzuschränken.

Zur Nutzung des Systems reicht eine kompakte Box, die zwischen Heimnetz und Internet-Anschluss geschaltet wird.

(Bild: Secucloud)

Die Secubox liefert einmal in der Woche eine Nutzungsauswertung, bei der man nachvollziehen kann, welche Dienste im Internet besonders intensiv genutzt wurden. Außerdem listet sie abgewehrte Angriffe.

Secucloud will das Sicherheitssystem stets auf dem aktuellen Stand halten und weiterpflegen, beteuert das Unternehmen. Smartphone und Tablets lassen sich unterwegs auch über eine App einbinden. Verlässt der Datenverkehr die Secucloud-Systeme nach der Überprüfung wieder, bewegt er sich aber ganz normal im Internet. Die Secubox ersetzt also beispielsweise keine E-Mail-Verschlüsselung. Zudem muss sich der Nutzer bewusst sein, dass seine Daten über ein fremdes System – eben das bei Secucloud – fließen.

Preise für Secubox und den Cloud-Service nennt der Hersteller noch nicht. Aktuell befindet er sich in einer Crowdfunding-Phase auf der Plattform Seedmatch, die noch bis Ende des Jahres laufen soll. Anfang November war dabei die Marke von 425.000 Euro an Investorengeldern überschritten – von fast 400 Interessierten. Ursprünglich sollten 50.000 Euro eingesammelt werden, nun will das Unternehmen seinen aktuellen Kapitalbedarf komplett durch die "Crowd" decken lassen.

Denkbar ist ein Vertrieb von Hardware und Dienstleistung in Kombination als Monatsabo. Auch einen sogenannten Managed Service soll es geben, bei dem Secucloud die Sicherheitsbetreuung des Netzwerks eines Kunden übernimmt. Wann die Secubox verkauft wird, ist derzeit noch unklar. Aktuell laufe eine Testphase mit ausgewählten Kunden, heißt es bei Secucloud. (bsc)