Zahlen, bitte! 27 Millionen Tote in der Union der Sowjetrepubliken

Mit Deutschlands Angriff auf die Sowjetunion vor 80 Jahren begann ein weiteres grausames Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Hierzulande steht er nicht im Fokus.

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Von
  • Detlef Borchers

Vor 80 Jahren begann die größte militärische Operation der Geschichte: Mit 3,6 Millionen Soldaten startete das nationalsozialistische Regime Deutschlands den Überfall auf die Sowjetunion auf einer Frontlänge von über 2000 Kilometern. In dem sich anschließenden Teil des Zweiten Weltkriegs, der 1945 mit der Kapitulation Deutschlands endete, starben 27 Millionen Sowjetbürger, darunter 3,3 Millionen Kriegsgefangene in deutschen Lagern. Zwischen 7 und 10 Millionen Menschen starben an Hunger. Von Beginn an war der Krieg als Vernichtungskrieg geplant worden.

Zahlen, bitte!

In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.

Der Deutsch-Sowjetische Krieg fand hauptsächlich auf dem Boden der heutigen Ukraine und von Belarus statt, weil der ursprüngliche Plan, bis zum Einsetzen der Rasputiza Moskau zu erreichen, scheiterte. In Russland wie in der Ukraine und Belarus spielt der "Große Vaterländische Krieg" im kollektiven Gedächtnis eine wichtige Rolle. So nutzt der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko den Krieg als Rechfertigung für seine Terrormaßnahmen. Auch der russische Präsident Putin nutzt die Heldenerzählung, um von Problemen in seinem Land abzulenken.

In Sowjetzeiten war der 22. Juni eher der Festtag, an dem es um die Dankbarkeit gegenüber den früheren Generationen ging. Denn jede russische Familie kann erzählen, wer in diesem Krieg umgekommen ist. In Deutschland hat der Überfall auf die Sowjetunion dagegen nicht jene herausragende Bedeutung. Bei uns wird der 3. September 1939 als Beginn des Zweiten Weltkriegs wahrgenommen, als beim Überfall auf Polen Deutschland und die Sowjetunion gemeinsame Sache machten und letztere die Molotow-Linie befestigte. Eine historische Würdigung des 22. Juni gelang erst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit seiner bewegenden Rede in Berlin-Karlshorst. Dort eröffnete er die Sonderausstellung Dimensionen eines Verbrechens. Sowjetische Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg.

Der Überfall auf die Sowjetunion war ein Verbrechen und kein Präventivkrieg, wie manchmal behauptet wird. Der Krieg war vom nationalsozialistischen Regime bewusst als Vernichtungskrieg angelegt. Das wussten alle Beteiligten auf deutscher Seite: Soldaten mussten die 10 Gebote für die Kriegsführung des deutschen Soldaten in ihren Soldbüchern durchstreichen. Mit dem Kriegsgerichtsbarkeitserlass vom Mai 1941 wurde im Vorfeld des Krieges festgelegt, das Straftaten von Angehörigen der Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung nicht geahndet werden. Was in der Sowjetunion passierte, wurde von Historikern aufgezeichnet, die der Roten Armee folgten und Überlebende befragten.

Sie dokumentierten den Vernichtungskrieg gegen die Bevölkerung: "Sie haben uns alle mit größter Verachtung behandelt. Sie fühlten sich wie Halbgötter. Überall sagten sie 'ja, ja, dieses Land haben wir für uns selbst geholt'". Bekannt ist der Satz von Adolf Hitler anlässlich der Belagerung von Leningrad: "In die russischen Städte gehen wir nicht hinein, sie müssen vollständig ersterben".

Der Deutsch-Sowjetische Krieg endete mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Jahre 1945 mit den Tagen der Befreiung vom Nationalsozialismus. Doch der Sieg kostete unfassbar viele Menschenleben. In Zahlen ausgedrückt: Insgesamt starben 10 Millionen sowjetische Soldaten und 17 Millionen sowjetische Zivilisten, hauptsächlich Kinder, Frauen und ältere Männer.

(mho)